31. März 2026

Teenage Monster (1957)

Alternativtitel: Meteor Monster · Regie: Jacques Marquette · Drehbuch: Ray Buffum · Musik: Walter Greene · Kamera: Taylor Byars · Schnitt: Irving Schoenberg · Produktion: Howco.

⁕ ⁕ ⁕

Von I Was a Teenage Werewolf (1957) bis Teenagers from Outer Space (1959) – Ende der fünfziger Jahre war es im B-Horror-Geschäft sehr angesagt, Autokino-Gruselflicks so zu betiteln, dass die anvisierte Altersgruppe von vornherein feststand. Besonders im Hause AIP wurde das mit Erfolg praktiziert. Howco, ein auf Double Features spezialisiertes Indie-Studio, wollte da nicht nachstehen und nannte seinen Horror-Western Teenage Monster. Ob das eine gute Idee war? Später, für die TV-Premiere wurde der Titel vorsichtshalber in Meteor Monster geändert.

Goldsucher Jim Cannon (James McCullough) ist optimistisch, dass er bald einen bedeutenden Fund machen wird. Als er eines Tages gemeinsam mit Söhnchen Charlie (Stephen Parker) seinen Claim bearbeitet, schlägt in der Nähe ein geheimnisvoller Meteorit ein. Jim kommt durch die Strahlung ums Leben. Charlie überlebt, aber er ist entstellt und mutiert im Laufe der nächsten sieben Jahre zu einem zwei Meter großen Unhold mit berserkerhaften Kräften (Gil Perkins). Ruth Cannon (Anne Gwynne), Charlies Mutter, hält ihn in einem alten Minenstollen, den er nicht verlassen darf. Der permanente Hausarrest gefällt Charlie natürlich überhaupt nicht, weshalb er immer wieder ausreißt und in der Gegend umherwandert. Da Charlie seine übermenschliche Kraft kaum beherrschen kann, enden seine Begegnungen mit Mensch und Vieh oft tödlich (für letztere). Und in der nahegelegenen frontier town gehen Gerüchte um über das Monster, das in den Bergen haust.

Als Ruth tatsächlich Gold findet und plötzlich reich ist, kauft sie sich ein luxuriös eingerichtetes Haus in der Stadt. Charlie darf endlich aus dem Minenstollen ausziehen, aber das neue Haus ebenso wenig verlassen wie seine vorige Unterkunft. Natürlich hält er sich wieder nicht daran und unternimmt nächtliche Ausflüge in die Stadt. Damit gibt er den Monster-Gerüchten neue Nahrung, aber Charlie hat im Moment ganz andere Probleme: Bob Lehman (Stuart Wade), der Sheriff, macht Ruth den Hof. Obwohl Ruth Bob immer wieder zu verstehen gibt, dass sie ihn wegen einer »privaten Angelegenheit« nicht heiraten könne, ist Charlie rasend eifersüchtig – die langjährige Isolation hat wohl dazu geführt, dass er seinen Ödipuskomplex nur unzureichend überwinden konnte. Armer Junge!

Bei einem seiner Streifzüge wird Charlie von Kathy North (Gloria Castillo) gesehen. Kathy hatte bisher nicht viel Glück im Leben und muss sich als Kellnerin und Scheuermagd durchschlagen. Zudem ist sie mit Marv Howell (Charles Courtney) als Liebhaber geplagt, der ihr das sauer verdiente Geld abnimmt, um es im Saloon zu verspielen. Ruth besticht Kathy mit Geld, damit sie Charlies Existenz nicht verrät. Außerdem bietet sie ihr an, ins Haus der Cannons zu ziehen und Charlie Gesellschaft zu leisten. Kathy willigt ein. Ihr ist sofort klar, dass sie Ruth finanziell erpressen kann und erstmals Aussicht hat, ihrem bisherigen miserablen Leben zu entkommen. Charlies Naivität und seine gewaltige Kraft bringen Kathy gleich auf eine weitere Idee: Sie schickt ihn los, dem nichtsnutzigen Marv den Garaus zu machen ...

Teenage Monster dürfte einen der marginalsten Beiträge zu einem ohnehin marginalen Subgenre darstellen, wohl auch wegen seines wenig aussagekräftigen Titels, der so gar nicht vermuten lässt, dass der Streifen im Old West spielt. B-Horror-Western wie dieser wurden von der Kritik regelmäßig als »silly nonsense« (Variety) abgetan, aber das ändert nichts daran, dass ich solche Genre-Panscherei recht gern mag.

Man muss solche Filme nehmen, wie sie sind, mit all ihren Macken. Zu den Macken von Teenage Monster gehört, dass sich in einer bei Nacht spielenden Szene Tag- und Nachtaufnahmen abrupt abwechseln. Und dass offenbar das Budget zu wenig Geld für Innenkulissen hergab, weshalb die Charaktere vertrauliche Gespräche auf offener Straße führen. Noch viel weniger Geld sah das Budget für den Meteoriten vor, der unschwer als Wunderkerze zu erkennen ist, die vor der Kamera bewegt wird. Na ja, und dann ist da das gigantische plot hole dieses Flicks: In all der Zeit soll keine*r der Stadtbewohner*innen Ruth einfach mal gefragt haben, was nach Jims tragischem Tod eigentlich aus ihrem Sohn Charlie geworden ist?

Das alles ist nicht schlimm. Im Gegenteil, es trägt sogar zum Charme eines Films wie Teenage Monster bei. Jedoch gibt es eine feste Regel, die ein solcher Streifen unbedingt beachten muss: Das Monster selbst muss überzeugend sein. Damit meine ich nicht, dass die Special Effects, mit deren Hilfe das Monster zum Leben erweckt wird, überzeugend sein müssen. Ganz im Gegenteil, die können skurril oder unbeholfen wirken, ohne dass dies der Wirkung des Films unbedingt abträglich ist.¹ Ich meine die Idee und die Darstellung des Monsters selbst. Damit hapert es bei Teenage Monster leider ziemlich. Wenn die Idee ist, dass sich hinter Charlies entstelltem Äußeren ein liebeshungriger Teenager verbirgt, dann muss das in seiner Darstellung irgendwie rüberkommen. Tut es aber leider nicht, denn Charlie wird von Gil Perkins gespielt, einem zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 50 Jahre alten Stuntman. Als pubertierender Jüngling ist Perkins völlig unglaubwürdig – und so etwas schadet einem Monsterflick weitaus mehr als budgetbedingte Filmfehler und billiges Make-up.

Gut besetzt sind dagegen Anne Gwynne als Ruth und Gloria Castillo als Kathy. Besonders letztere hat bei mir einen Sympathiebonus, denn ich kann es ihr nicht verübeln, dass sie aus der Begegnung mit Charlie ein besseres Leben für sich herauszuschlagen versucht (und nebenbei ihren lästigen Macker loswerden will). Am Ende verlangt die Konvention des B-Horrorfilms (weniger die des Westerns) natürlich, dass Kathy für ihre Transgression bestraft wird. Eigentlich unnötig. Ich hätte ihr ja gewünscht, dass sie mit einem Koffer voller Dollars eine Postkutsche besteigt und die Stadt verlässt.

____________

¹ In diesem Film sind sie sogar vergleichsweise aufwändig, denn Charlie trägt eine Maske von Jack Pierce, dem berühmten Monstermacher der Universal Studios.

8. Januar 2026

Lo straniero di silenzio (1968)

Deutscher Titel: Der Schrecken von Kung Fu · Regie: Luigi Vanzi · Drehbuch: Vincenzo Cerami, Giancarlo Ferrando · Musik: Stelvio Cipriani · Kamera: Mario Capriotti · Schnitt: Renzo Lucidi · Produktion: ABKCo, MGM.

⁕ ⁕ ⁕

Mitte der sechziger Jahre hielt sich der US-Schauspieler Tony Anthony in Europa auf und lernte, noch bevor diese in amerikanischen Kinos zu sehen war, Sergio Leones Dollartrilogie kennen. Das brachte ihn auf die Idee, sich selber an Spaghetti-Western zu versuchen – und zwar an solchen, die von Anfang an auch ein US-Publikum ansprechen sollten. Anthony war mit dem Beatles-Manager Allen Klein befreundet, der bereit war, als Produzent zu fungieren und sogleich einen Vertriebsdeal mit MGM abschloss. Anthony spielte in zunächst drei, schließlich vier Filmen die namenlose Hauptrolle des Strangers. Die ersten beiden Streifen, Un dollaro tra i denti (1967) und Un uomo, un cavallo, una pistola (1967), waren Spaghetti-Western, auf Wish bestellt: Der Stranger schlich, in eine Sarape gehüllt, durch staubige frontier towns und knallte mexikanische Banditen im Dutzend ab. Dabei zog Anthony eine unbewegte Miene, die stets einen etwas leidenden Eindruck machte und den Kinogänger*innen wohl suggerieren sollte, dass sie hier den Clint Eastwood des kleinen Mannes vor sich hatten.

Für 1968 hatte Tony Anthony sich etwas neues ausgedacht: Den Stranger sollte es aus dem Fernen Westen in den Fernen Osten verschlagen. Damit erwies sich Anthony als Innovator des »East meets West«-Subgenres, das sich insbesondere zu Beginn der siebziger Jahre im Eurowestern einiger Beliebtheit erfreute. Meistens geht es dabei (wie etwa in The Warrior’s Way [2010]) um einen Protagonisten aus Ostasien, der sich im Wilden Westen zurechtfinden muss. Der Stranger reist dagegen als Westmann in das Japan der Meiji-Ära, eine Idee, die in Hollywood meines Wissens erst 35 Jahre später wieder aufgegriffen wurde, mit Edward Zwicks Last Samurai. In der italienischen Filmindustrie der Sechziger war es aber gar nicht so abwegig, den Chanbara-Film mit dem Western zu kombinieren. Schließlich war der Einfluss Akira Kurosawas auf den italienischen Western ein offenes Geheimnis.

Nur bei MGM wusste man von solchen Dingen nichts. Dort war man offenbar der Meinung, diesmal tatsächlich nicht das bekommen zu haben, was man bestellt hatte, und verbannte Lo straniero di silenzio erst mal ins Archiv.¹ Zu einem offiziellen Release kam es in den USA und Westdeutschland erst 1975, als der Film in einer gekürzten Fassung im Kino zu sehen war. In der Tat kommt er mit viel voiceover narration daher, wie es typisch für einen Streifen ist, an dem vom Studio nachträglich herumgedoktert wurde. Für die Beteiligten ist so etwas meistens ärgerlich. Tony Anthony sah sich in dieser Angelegenheit jedenfalls als den Underdog: MGM hatte es versaut, indem es den Film erst zurückgehalten, dann in verstümmelter Form veröffentlicht hatte. Aber, meinte Anthony, unter günstigeren Umständen hätte Lo straniero di silenzio das Zeug gehabt, über Genregrenzen hinweg zum Kultklassiker zu werden.

Ist das so? Ich bin mir da weniger sicher. Japan dient dem Film etwas zu offensichtlich als exotische Kulisse. Den Stranger zum dritten Mal zwischen Adobe-Ruinen gegen haufenweise Banditen antreten zu lassen, wäre langweilig gewesen. Also musste, sozusagen als Gimmick, ein neuer Schauplatz her, ähnlich wie man James Bond an immer neue Orte reisen lässt. Andererseits machte man sich tatsächlich die Mühe, für die Dreharbeiten nach Japan zu reisen, und engagierte angeblich sogar Kinji Fukasaku als Berater. Auch die Handlung gibt etwas mehr her als die ersten beiden Filme der Reihe, bei denen sich von Anfang alles nur um den Stranger, eine Überzahl an Gegner*innen und einen MacGuffin drehte.

Am Klondike² trifft der Stranger auf einen sterbenden Japaner. Der vertraut ihm eine Schriftrolle an und beauftragt ihn, sie an Graf Motori (Kin Omae) in Osaka zu übergeben. Als Belohnung werde er 20.000 Dollar erhalten. Zwar spricht er kein Wort Japanisch, aber der Stranger reist trotzdem umgehend nach Japan. Dort wird er gefangen genommen, kann fliehen und trifft nach allerlei Widrigkeiten auf den Grafen, dessen Nichte, Prinzessin Otaka (Rita Muri), ein wenig Englisch spricht und als Dolmetscherin einspringt.³

Der Stranger wird bezahlt – in Falschgeld, wie sich später herausstellt. Aber zunächst bietet Motori dem Stranger einen neuen Auftrag an. Er soll Koeta (Kenji Ohara) töten, den Anführer einer mit Motori verfeindeten Fraktion der Familie. Koeta und Motori streiten sich um das Recht, im Namen der Prinzessin Steuern einzutreiben. Dabei hat Koeta die Oberhand, denn er hat einen amerikanischen Söldner (Lloyd Battista) auf seiner Seite, gegen dessen Gatling Gun die Samurai Motoris chancenlos sind. Um seinen Anspruch auf die Steuern zu festigen, will Koeta die Prinzessin heiraten. Die hat allerdings an dem Grobian Koeta kein Interesse.

Wie man sieht, wurde hier Leones von Kurosawa adaptiertes Szenario zurück nach Japan verlegt. Es gibt zwei streitende Clans, und der Stranger ist der Mann in der Mitte. Doch die Verwicklungen, die sich daraus ergeben, lösen sich recht schnell wieder auf. Der amerikanische Söldner, der eigentlich ein formidabler henchman sein soll, erweist sich als Witzfigur: Er ist kurzsichtig und kann nicht mehr schießen, weil er seine Brille in einem Hühnerstall verloren hat. Und die Schriftrolle ist, wer hätte es gedacht, ein MacGuffin. So entwickelt sich alles wieder in die Richtung, die man bereits aus den ersten beiden Streifen kennt: Der Stranger drückt sich in den Gassen eines Städtchens herum und macht eine kleine Armee von Gegnern platt. Dass es sich hier um ein japanisches Städtchen⁴ und um Samurai anstelle von Banditen handelt, ist für diesen Film am Ende leider nur eine Frage der Kulissen und Kostüme.

____________

¹ Auch persönliche Animositäten zwischen Produzent Klein und der Chefetage von MGM sollen bei der sieben Jahre währenden Nichtveröffentlichung des Films eine Rolle gespielt haben.

² Warum am Klondike, wo der Film doch Jahre vor dem Beginn des dortigen Goldrauschs spielt? Kalifornien wäre passender gewesen.

³ Die japanischen Dialoge des Films sind nicht untertitelt.

⁴ Osaka hatte zu der Zeit, in der Lo straniero di silenzio spielt, an die 300.000 Einwohner*innen und dürfte etwas urbaner als die im Film verwendeten Locations gewirkt haben.