7. April 2026

Graf Bobby, der Schrecken des Wilden Westens (1966)

Regie: Paul Martin · Drehbuch: Kurt Nachmann, Robert Oxford · Musik: Heinz Gietz · Kamera: Sepp Ketterer · Schnitt: Arnd Heyne · Produktion: Sascha-Film.

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Graf Robert »Bobby« Pinelski (Peter Alexander) führt eine Besichtigungsgruppe durch sein Wiener Schloss, muss aber feststellen, dass sämtliche Teilnehmer der Tour Gläubiger sind, die des Grafen überfällige Schulden eintreiben wollen. Da kommt Post aus Amerika nicht ungelegen: Bobbys Auswanderer-Onkel Johann, genannt der blaue Jo, hat sich in die ewigen Jagdgründe gesoffen und vermacht seinem Neffen eine Goldmine in Devils Town, Arizona.

Begleitet von seinem Busenfreund Baron Mucki von Kalk (Gunther Philipp) reist Bobby nach Devils Town. Er ahnt nicht, dass der Winkeladvokat Doc Harper (Vladimir Medar) sich das Erbe unter den Nagel reißen will. Harper beauftragt einen Trupp Banditen, Bobby und Mucki noch vor ihrer Ankunft in der Stadt auszulöschen. Zugleich setzt er Sheriff Miller (Dragomir Felba) unter Druck, ein Dokument zu beglaubigen, das Harper für den Fall von Bobbys Tod die Mine überschreibt. Aber der Sheriff zögert noch. Seine Tochter Milly Miller (Olga Schoberová), die ebenso willensstark ist wie ihr Alter wankelmütig, beschwört ihn, sich nicht auf Harpers Machenschaften einzulassen.

Mehr durch Glück als durch Verstand überleben Bobby und Mucki den Anschlag der Banditen und treffen in Devils Town ein, wo sie im »Kaffeehaus« von Jezabel (Hanne Wieder) einkehren. Jezabel engagiert die zwei Wiener als Barkeeper und Klavierheini, da die vorherigen Inhaber dieser Positionen an der stark bleihaltigen Luft von Devils Town gestorben sind. Zeigen sich Bobby und Mucki zunächst noch leicht überfordert mit ihrer Akkulturation an den Wilden Westen, gelingt es ihnen mit Hilfe eines Koffers voller Scherzartikel bald, der Stadtbevölkerung weiszumachen, dass Bobby ein gefährlicher Revolvermann ist. Gemeinsam mit Milly findet Bobby schließlich heraus, warum Harper so scharf auf die Mine ist: Er betreibt darin eine lukrative Schnapsbrennerei.

Moment ... warum sollte Harper sich die Mühe machen, seine Schnapsbrennerei geheim zu halten, wenn er doch einfach in einer Hütte in der Stadt billigen Fusel brennen und verkaufen könnte? Die Antwort ist: Im Drehbuch dieses Films ging man offenbar davon aus, dass die Prohibitionszeit bereits 50 Jahre früher begann, als es tatsächlich der Fall war. Somit spielt der Streifen in einem Westen, in dem die Herstellung von Schnaps verboten war. Das ist skurril, aber letztlich auch nicht merkwürdiger als viele andere Behauptungen, die in Euro-Produktionen über die Wildwestgeschichte aufgestellt wurden.

Der Schrecken des Wilden Westens ist der dritte Graf-Bobby-Film mit Peter Alexander¹ und das zweite Mal, dass es einen österreichischen Schlagersänger in die Gefilde westlich von St. Louis verschlug, denn zuvor knödelte sich schon Freddy Quinn durch die Prärie.² Im Vergleich zu diesem hat Peter Alexander den nicht unerheblichen Vorteil, dass er schauspielern kann. Was die Gesangseinlagen angeht, sind sie im einen wie im anderen Fall Geschmackssache – womit ich sagen will: Mein Geschmack sind sie nicht, aber was soll’s.

Bedauerlicher finde ich, dass der Streifen den Western als Genre (nicht als Historie, das ohnehin nicht) zu wenig ernst nimmt. Klar, solche Kapriolen wie die, dass Graf Bobby sich mittels Scherzartikeln einen Ruf als gunfighter erwirbt, sind in einem Film wie diesem ein Stück weit unumgänglich. Aber man hätte aus Gründen der Wertschätzung doch wenigstens ein oder zwei ernsthaftere Genre-Zitate hineinmontieren können. Gelegenheit dazu hätte es gegeben: Olly Schoberová sieht in Männerkleidung und mit Kippe im Mundwinkel ziemlich cool aus. Wenn man ihr schon so ein lässiges Kostüm verpasst, warum ihr nicht, statt sie ausschließlich als love interest zu verwenden, eine Handvoll Szenen gönnen, in denen sie sich (im Kontrast zu den gräflichen Tricksereien) als echte Revolverheldin erweist?

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¹ Der erste ist Die Abenteuer des Grafen Bobby (1961), der zweite Das süße Leben des Grafen Bobby (1962), beide unter der Regie Géza von Cziffras entstanden. Falls es jemand wissen muss.

² Sobey Martin, der Regisseur von Freddy und das Lied der Prärie (1964), ist nicht verwandt mit Paul Martin, der bei diesem Film Regie führte. Sobey Martin war (sagen die einen) ein TV-Regisseur aus den USA, der wenig Erfahrung mit Kinofilmen hatte, oder aber ein Pseudonym des italienischen Schauspielers und Regisseurs Carlo Croccolo (sagen die anderen). Der Österreicher Paul Martin hatte dagegen schon seit Beginn der dreißiger Jahre Erfolg mit Revuefilmen und mit Die Goldsucher von Arkansas (1964) bereits einen Western vorgelegt.