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26. Juni 2026

Revenge of the Virgins (1959)

Regie: Peter Perry Jr. · Drehbuch: Ed Wood · Musik: Guenther Kauer · Kamera: Gene Gropper, Vilis Lapenieks · Produktion: Radio Voice of America.

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Melvin Potter (Charles Veltmann Jr.) ist ein Greenhorn und frisch verheiratet. Seine Frau Ruby (Jodean Lawrence) plant, einen Saloon zu kaufen, denn das würde sie in dem Wildweststädtchen, in dem die Potters soeben eingetroffen sind, zur »queen of the beehive« machen. Melvin gefällt dieser Plan ganz und gar nicht. Da passt es ihm recht gut, auf den trinkfesten Goldsucher Pan Taggart (Stanton Pritchard) zu treffen, denn der erzählt ihm eine Geschichte, die, so ist Melvin überzeugt, auch Ruby gefallen wird: In einem Flusstal namens Gold Creek gebe es ein üppiges Goldvorkommen, das Taggart einst entdeckt habe. Da Taggart das Placer, das in einer gefährlichen Gegend liegt, allein nicht ausbeuten konnte, bietet er den Potters an, sie für tausend Dollar (und reichlich Whiskey) nach Gold Creek zu führen. Trotz Rubys Skepsis geht Melvin begeistert darauf ein. Zum Schutz der Expedition engagiert er die halbseidenen Revolvermänner Wade Condon (Ralph Cookson) und Mike Horton (Louis Massad).

Besonders harmonisch geht es in dem illustren Trüppchen nicht zu. Condon und Horton planen, die Potters zu ermorden, um das Gold selber einsacken zu können. Als sie schon Anstalten machen, ihr sinistres Vorhaben in die Tat umzusetzen, tauchen wie aus dem Nichts plötzlich zwei Kavalleristen (Del Monroe und Hugo Stanger) auf. Die beiden behaupten, verirrte Kundschafter aus Fort Apache zu sein. Da Fort Apache aber viel zu weit entfernt liegt, ist klar, dass sie desertiert sind. Taggart verdächtigt Condon und Horton, die soldier boys zu kennen und das scheinbar zufällige Treffen arrangiert zu haben, um gegenüber Taggart und den Potters in der Überzahl zu sein. Das stimmt zwar nicht, aber die Deserteure hören, wie Taggart im Schlaf von Gold redet. Sie denken sich den Rest, trennen sich von der Gruppe und folgen ihr heimlich, um sie im passenden Augenblick ausrauben zu können.

Auch Ruby Potter scheint ihre eigenen Pläne zu haben. Gegenüber Condon erklärt sie, auf der Seite desjenigen zu sein, der ihr am meisten bietet. Der einzige, der von all den Komplotten nichts ahnt und naiv von seinem und Rubys künftigem Reichtum träumt, ist Melvin, das unverbesserliche Greenhorn.

Eigentlich hat das illustre Trüppchen auch ein ganz anderes Problem. Gold Creek wird nämlich von sieben indigenen Kriegerinnen bewacht, deren Anführerin Yellow Gold (Nona Carver) eine als Baby entführte Weiße ist. Und die Mädels haben eine tiefsitzende Abneigung gegen Prospektor*innen, die in ihrem Land herumschleichen. So kommt es, dass die Mitglieder der verkrachten Expedition, schön eins nach dem anderen, mit wohlgezielten Pfeilschüssen aus dem Hinterhalt erlegt werden.

Das Drehbuch von Revenge of the Virgins hat kein anderer als Ed Wood verfasst, der hier unter dem Künstlernamen Pete La Roche in Erscheinung tritt. Zum Unikat wird der Flick dadurch, dass es sich um einen im Western-Gewand daherkommenden nudie cutie handelt. So wurden in den Fünfzigern und frühen Sechzigern Filme genannt, die (unter einem mal mehr, mal weniger überzeugenden Vorwand) nackte Frauenbrüste zeigten. Zur Zeit des in Hollywood herrschenden Hays Code waren nudie cuties, die in der Regel keine Sexszenen enthalten, eine der wenigen Möglichkeiten, weibliche Nacktheit im Film darzustellen.¹

In Revenge of the Virgins lautet die Erklärung fürs Nackigsein, dass es in Kalifornien indigene Gesellschaften gegeben habe, die auf steinzeitlichem Kulturniveau lebten.² So erklärt es ein von Kenne Duncan gesprochener Prolog, der sich anhört, als stammten seine Informationen aus einem schlecht gealterten Konversationslexikon. Der Verweis auf die Steinzeit genügt offenbar, um die Hüterinnen von Gold Creek barbusig herumlaufen zu lassen. Wenn Yellow Gold und ihre Mädels nicht gerade mit der Jagd auf goldgierige Weiße beschäftigt sind, wird das so ins Bild gesetzt, dass sie täppisch choreografierte Kreistänze aufführen.

Andererseits: Dafür, dass der alleinige Zweck dieses Films ist, nackte Brüste zu zweigen, weist er erstaunlich viel Handlung auf. Die Streitereien und Intrigen innerhalb der Gruppe der Goldsucher*innen sind mit einer gewissen Glaubwürdigkeit dargestellt und könnten ganz ähnlich auch in einem ›normalen‹ Western der fünfziger Jahre vorkommen. Dass zwischen diesen vertrauten Szenen immer wieder halbnackte Bogenschützinnen auftauchen (deren Darstellerinnen übrigens niemand abnimmt, dass sie indigene Frauen sein sollen), hat deshalb fast schon etwas von surrealistischer Montage.

Was die handwerkliche Seite angeht, bietet Revenge of the Virgins genau das, was Freund*innen von Ed Woods Kino Vergnügen bereitet: Die Aufnahmen mit den Kriegerinnen entstanden getrennt vom restlichen Filmmaterial, ohne dass auf die Kontinuität geachtet wurde. Wo immer die Kriegerinnen und Mitglieder der Gold-Expedition gemeinsam im Bild zu sehen sind, werden letztere leicht erkennbar von Doubles dargestellt.³ Nachtszenen wurden im Studio inszeniert, und zwar so, dass durch ungeschickte Beleuchtung die Schatten der Darsteller*innen auf den Leinwandhintergründen zu sehen sind. Der für Geräuscheffekte zuständige Techniker wiederum scheint dem Whiskey ähnlich gern wie Pan Taggart zugesprochen zu haben, denn in einer Szene ist statt dem Knacken eines trockenen Zweigs klirrendes Glas zu hören. Und das alles bekommt man, obwohl Meister Wood nicht mal selber auf dem Regiestuhl saß.

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¹ Die andere Möglichkeit neben den nudie cuties, womit die Optionen auch weitgehend erschöpft waren, stellten pseudokumentarische Filme über Freikörperkultur dar, die zur Zeit von Revenge of the Virgins ebenfalls sehr beliebt waren.

² Wenn das bedeutet, dass der Film in Kalifornien spielt, dann ist Fort Apache allerdings weit weg.

³ Die Außenaufnahmen entstanden auf der Spahn Ranch, die später der Manson Family als Hauptquartier diente.

7. Juni 2026

Scream (1981)

Alternativtitel: The Outing · Regie: Byron Quisenberry · Drehbuch: Byron Quisenberry · Musik: Joseph Conlan · Kamera: Richard Pepin · Schnitt: B. W.  Kestenberg · Produktion: Cal-Com Releasing.

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Vor Wes Cravens Scream (1996) war Scream, eine Mischung aus Western und Slasherfilm, die auch unter dem Titel The Outing erschien. Inhaltlich hätte The Outing besser gepasst, aber genretypisch wurde der Flick vor allem als Videoveröffentlichung bekannt, und auf VHS lief er nun mal unter dem Namen Scream, komplett mit Comic-Sans-artigem Schriftzug in der Titelsequenz.

Eine Reisegruppe, begleitet von den Guides Stan (Ethan Wayne) und Rudy (Joseph Alvarado), ist mit Schlauchbooten auf dem Rio Grande unterwegs. Auf dem Programm steht auch eine Übernachtung in einer Geisterstadt, die einen kurzen, aber steilen Fußmarsch vom Ufer entfernt liegt. In der Stadt, nach Einbruch der Dunkelheit, kommen allerdings drei der Touristen auf grausige Weise ums Leben: Zunächst wird Allen (Alvy Moore) erhängt aufgefunden. Dann werden Ross (Gregg Palmer) und John (Hank Worden) mit einem Metzgerbeil ermordet. Die Überlebenden finden sich im Saloon zusammen, wo die üblichen gegenseitigen Verdächtigungen und Anschuldigungen nicht ausbleiben.

Beim ersten Tageslicht eilt die Gruppe zurück ans Ufer, doch die Schlauchboote sind verschwunden. Auf dem Landweg ist die nächste menschliche Ansiedlung, eine Ranch, 30 Meilen entfernt. Als die verzagten Touris wieder in der Geisterstadt eintreffen, tut sich unverhofft eine Möglichkeit zur Rettung auf: Rod (Bobby Diamond) und Jerry (John Nowak), zwei verirrte Motorrad-Ausflügler, hat es ebenfalls in die Stadt verschlagen. Rod erklärt sich bereit, dem Guide Stan sein Motorrad zu überlassen, damit dieser mit Jerry zu der Ranch fahren und Hilfe holen kann.

Gesagt, getan. Aber bei Einbruch der Dämmerung sind Stan und Jerry noch immer nicht zurück; geschweige denn, dass Hilfe eingetroffen ist. In der Nacht geht das fröhliche Morden weiter: Rod ist das nächste Opfer. Um Punkt Mitternacht reitet plötzlich ein Fremder (Woody Strode) in die Stadt. Auf einem Packpferd führt er Jerrys Leiche mit sich. Auf die ängstlichen Fragen der Gruppe, was aus Stan geworden ist, antwortet der Fremde nicht, sondern erzählt nur eine mysteriöse Geschichte über einen Schiffskapitän, mit dem er einst um Kap Hoorn gefahren sei. Dann verschwindet er wieder.

Nach einer Weile kehrt Stan zurück, zu Fuß und scheinbar verletzt. Andy (Bob Macgonigal) rennt allein los, um den Erste-Hilfe-Kasten zu holen, und wird mit einer Axt enthauptet. Kurz darauf wird Bob (Pepper Martin) von einer Sense durchbohrt. Sodann wird Lou (Joe Allaine) von einer unsichtbaren Entität aus dem Saloon nach draußen gezerrt und ist drauf und dran, ebenfalls der Sense zum Opfer zu fallen, als plötzlich Schüsse fallen. Der Fremde ist zurückgekehrt. Kann er den gespenstischen Mörder aufhalten?

Die einfachste Art, einen Horror-Western zu machen, besteht darin, dass man Leute aus der Gegenwart in eine Geisterstadt stolpern lässt, in der sich dann der Wilde Westen auf unheimliche Art als lebendig erweist. Dieses Setting hat den Vorteil, dass man für die Dreharbeiten lediglich für zwei Wochen lang eine Filmranch mieten muss, und wenn die Kulissen schon leicht verfallen aussehen – um so besser. Im Fall von Scream wurden aus den zwei Wochen elf Tage, dann ging das Geld aus. Aber immerhin hatte man mit Hank Worden und Woody Strode zwei in Ehren ergraute Western-Veteranen engagiert. Und das Geisterstadt-Setting ist wenigstens etwas anderes als der übliche maskierte Heini, der im College oder in Suburbia herumschleicht. Wenn das Scream-Team nur mit Cast und Setting wirklich etwas hätte anfangen können. So aber ...

Scream erschien während des Goldenen Zeitalters des Slasher-Genres und gilt weithin als einer der schlechtesten Filme jener Ära. Das ist auch nicht schwer zu verstehen. Seine Story ergibt nicht sonderlich viel Sinn. Vor allem fehlt ihr das Dénouement. Eigentlich ist es unverzichtbarer Bestandteil jedes Slasherfilms, dass man am Ende weiß, woher der Killer kommt, wer er ist und warum er seinen Opfern an den Wickel will. Nicht so in Scream. Da steht man am Ende nur geringfügig schlauer da als zu Beginn.

Klar wird im Laufe des Films, dass der Killer kein Mensch ist, sondern ein unsichtbares Wesen. Aus den Worten von Woody Strodes Charakter lässt sich schließen, dass es sich um den rachsüchtigen Geist des von ihm erwähnten Seekapitäns handelt. Aber wie der in das Städtchen am Rio Grande gelangt ist, warum er nicht friedlich in seinem Grab liegt und vor allem: warum er Tourist*innen nicht leiden kann, das alles bleibt völlig im Dunkeln. Und Woody? Den soll man sich wohl als des Käpt’ns ebenfalls untoten Maat vorstellen. Aber warum man ihn sehen kann und den Kapitän nicht, warum jener diesen aufhalten will und so weiter – ich habe keine Ahnung. Und ich werde den Eindruck nicht los, dass es Byron Quisenberry, dem Macher dieses Films, nicht anders ging.

Quisenberry, zuvor ausschließlich als Stuntman bekannt, war bei Scream zum ersten Mal als Regisseur tätig. Auch das Script stammt von ihm, lag zu Beginn der Dreharbeiten aber noch gar nicht fertig vor. Wie bereits erwähnt, fehlte es der Produktion außerdem an Geld. Nennenswerte Gore-Effekte gibt es in Scream daher nicht zu sehen. Letztlich mangelte es bei Scream an allem: nicht nur an Regieerfahrung und einer tragfähigen Story, sondern auch an shock value von der Art, die zumindest die Horror-Fans etwas versöhnlicher gestimmt hätte. So aber taugt der Film weder als Western noch als Slasher.

Von daher muss man sich Scream wirklich nicht ansehen. Dennoch gilt es im Auge zu behalten: Es gibt zwei Arten von schlechten Filmen. Zum einen die, die gemäß einem »Mit denen kann man’s ja machen«-Kalkül auf die vermeintliche Anspruchslosigkeit des Publikums abzielt, ein Billigprodukt nach dem anderen hervorbringt und irgendwann zu einem Übersättigungseffekt führt. Es gibt aber auch schlechte Filme, bei denen es aus irgendwelchen Gründen (mangelnde Erfahrung, mangelndes Budget, oder schlicht Pech) nicht geklappt hat, obwohl unleugbar eine gewisse Leidenschaft fürs Kino zu spüren ist. Mein Gefühl sagt mir, dass Scream zu der zweiten Sorte gehört. Da wollte einer wirklich einen Film machen – der am Ende leider völlig misslungen ist. Aber es war wenigstens ein ehrliches Scheitern.

31. März 2026

Teenage Monster (1957)

Alternativtitel: Meteor Monster · Regie: Jacques Marquette · Drehbuch: Ray Buffum · Musik: Walter Greene · Kamera: Taylor Byars · Schnitt: Irving Schoenberg · Produktion: Howco.

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Von I Was a Teenage Werewolf (1957) bis Teenagers from Outer Space (1959) – Ende der fünfziger Jahre war es im B-Horror-Geschäft sehr angesagt, Autokino-Gruselflicks so zu betiteln, dass die anvisierte Altersgruppe von vornherein feststand. Besonders im Hause AIP wurde das mit Erfolg praktiziert. Howco, ein auf Double Features spezialisiertes Indie-Studio, wollte da nicht nachstehen und nannte seinen Horror-Western Teenage Monster. Ob das eine gute Idee war? Später, für die TV-Premiere, wurde der Titel vorsichtshalber in Meteor Monster geändert.

Goldsucher Jim Cannon (James McCullough) ist optimistisch, dass er bald einen bedeutenden Fund machen wird. Als er eines Tages gemeinsam mit Söhnchen Charlie (Stephen Parker) seinen Claim bearbeitet, schlägt in der Nähe ein geheimnisvoller Meteorit ein. Jim kommt durch die Strahlung ums Leben. Charlie überlebt, aber er ist entstellt und mutiert im Laufe der nächsten sieben Jahre zu einem zwei Meter großen Unhold mit berserkerhaften Kräften (Gil Perkins). Ruth Cannon (Anne Gwynne), Charlies Mutter, hält ihn in einem alten Minenstollen, den er nicht verlassen darf. Der permanente Hausarrest gefällt Charlie natürlich überhaupt nicht, weshalb er immer wieder ausreißt und in der Gegend umherwandert. Da Charlie seine übermenschliche Kraft kaum beherrschen kann, enden seine Begegnungen mit Mensch und Vieh oft tödlich (für letztere). Und in der nahegelegenen frontier town gehen Gerüchte um über das Monster, das in den Bergen haust.

Als Ruth tatsächlich Gold findet und plötzlich reich ist, kauft sie sich ein luxuriös eingerichtetes Haus in der Stadt. Charlie darf endlich aus dem Minenstollen ausziehen, aber das neue Haus ebenso wenig verlassen wie seine vorige Unterkunft. Natürlich hält er sich wieder nicht daran und unternimmt nächtliche Ausflüge in die Stadt. Damit gibt er den Monster-Gerüchten neue Nahrung, aber Charlie hat im Moment ganz andere Probleme: Bob Lehman (Stuart Wade), der Sheriff, macht Ruth den Hof. Obwohl Ruth Bob immer wieder zu verstehen gibt, dass sie ihn wegen einer »privaten Angelegenheit« nicht heiraten könne, ist Charlie rasend eifersüchtig – die langjährige Isolation hat wohl dazu geführt, dass er seinen Ödipuskomplex nur unzureichend überwinden konnte. Armer Junge!

Bei einem seiner Streifzüge wird Charlie von Kathy North (Gloria Castillo) gesehen. Kathy hatte bisher nicht viel Glück im Leben und muss sich als Kellnerin und Scheuermagd durchschlagen. Zudem ist sie mit Marv Howell (Charles Courtney) als Liebhaber geplagt, der ihr das sauer verdiente Geld abnimmt, um es im Saloon zu verspielen. Ruth besticht Kathy mit Barem, damit sie Charlies Existenz nicht verrät. Außerdem bietet sie ihr an, ins Haus der Cannons zu ziehen und Charlie Gesellschaft zu leisten. Kathy willigt ein. Ihr ist sofort klar, dass sie Ruth finanziell erpressen kann und erstmals Aussicht hat, ihrem bisherigen miserablen Leben zu entkommen. Charlies Naivität und seine gewaltige Kraft bringen Kathy gleich auf eine weitere Idee: Sie schickt ihn los, dem nichtsnutzigen Marv den Garaus zu machen ...

Teenage Monster dürfte einen der marginalsten Beiträge zu einem ohnehin marginalen Subgenre darstellen, wohl auch wegen seines wenig aussagekräftigen Titels, der so gar nicht vermuten lässt, dass der Streifen im Old West spielt. B-Horror-Western wie dieser wurden von der Kritik regelmäßig als »silly nonsense« (Variety) abgetan, aber das ändert nichts daran, dass ich solche Genre-Panscherei recht gern mag.

Man muss solche Filme nehmen, wie sie sind, mit all ihren Macken. Zu den Macken von Teenage Monster gehört, dass sich in einer bei Nacht spielenden Szene Tag- und Nachtaufnahmen abrupt abwechseln. Und dass offenbar das Budget zu wenig Geld für Innenkulissen hergab, weshalb die Charaktere vertrauliche Gespräche auf offener Straße führen. Noch viel weniger Geld sah das Budget für den Meteoriten vor, der unschwer als Wunderkerze zu erkennen ist, die vor der Kamera bewegt wird. Na ja, und dann ist da das gigantische plot hole dieses Flicks: In all der Zeit soll keine*r der Stadtbewohner*innen Ruth einfach mal gefragt haben, was nach Jims tragischem Tod eigentlich aus ihrem Sohn Charlie geworden ist?

Das alles ist nicht schlimm. Im Gegenteil, es trägt sogar zum Charme eines Films wie Teenage Monster bei. Jedoch gibt es eine feste Regel, die ein solcher Streifen unbedingt beachten muss: Das Monster selbst muss überzeugend sein. Damit meine ich nicht, dass die Special Effects, mit deren Hilfe das Monster zum Leben erweckt wird, überzeugend sein müssen. Ganz im Gegenteil, die können skurril oder unbeholfen wirken, ohne dass dies der Wirkung des Films unbedingt abträglich ist.¹ Ich meine die Idee und die Darstellung des Monsters selbst. Damit hapert es bei Teenage Monster leider ziemlich. Wenn die Idee ist, dass sich hinter Charlies entstelltem Äußeren ein liebeshungriger Teenager verbirgt, dann muss das in seiner Darstellung irgendwie rüberkommen. Tut es aber leider nicht, denn Charlie wird von Gil Perkins gespielt, einem zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 50 Jahre alten Stuntman. Als pubertierender Jüngling ist Perkins völlig unglaubwürdig – und so etwas schadet einem Monsterflick weitaus mehr als budgetbedingte Filmfehler und billiges Make-up.

Gut besetzt sind dagegen Anne Gwynne als Ruth und Gloria Castillo als Kathy. Besonders letztere hat bei mir einen Sympathiebonus, denn ich kann es ihr nicht verübeln, dass sie aus der Begegnung mit Charlie ein besseres Leben für sich herauszuschlagen versucht (und nebenbei ihren lästigen Macker loswerden will). Am Ende verlangt die Konvention des B-Horrorfilms (weniger die des Westerns) natürlich, dass Kathy für ihre Transgression bestraft wird. Eigentlich unnötig. Ich hätte ihr ja gewünscht, dass sie mit einem Koffer voller Dollars eine Postkutsche besteigt und die Stadt verlässt.

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¹ In diesem Film sind sie sogar vergleichsweise aufwändig, denn Charlie trägt eine Maske von Jack Pierce, dem berühmten Monstermacher der Universal Studios.

13. Oktober 2025

Wolf Town (2011)

Regie: Roel Reiné · Drehbuch: Paul Hart-Wilden, Asabi Lee · Musik: Steve Davis · Kamera: Roel Reiné · Schnitt: Herman P. Koerts, Todd C. Ramsay · Produktion: Rebel Entertainment.

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Vier kalifornische College-Studis der Gegenwart machen einen Ausflug in die Geisterstadt Paradise. Die wurde im Zuge des Goldrausches von 1849 gegründet. Aber nur ein Jahr später verschwanden ihre Bewohner*innen auf mysteriöse Weise. Kyle (Levi Fiehler), der die Idee zu dem Ausflug hat, will vorgeblich das Geheimnis dieses Verschwindens aufklären. Eigentlich geht es ihm aber um eine Gelegenheit, sich an seine Kommilitonin Jess (Alicia Ziegler) ranzumachen. Sozusagen zur Tarnung überredet er seinen Kumpel Ben (Max Adler), sich der Exkursion anzuschließen. Ben hält dem verklemmten Kyle vor, dass er Jess nicht einfach um ein Date gebeten hat, lässt sich dann aber doch breitschlagen. Zu Kyles Unmut erscheint Jess allerdings nicht allein zur Abfahrt in die Geisterstadt, sondern schleppt ihren Freund Rob (Josh Kelly) an, mit dem sie seit einem halben Jahr liiert ist.

Robs Anwesenheit führt dazu, dass Kyle während der gesamten Fahrt nach Paradise pampig drauf ist und dem ohnehin nur widerwillig mitfahrenden Ben gehörig auf die Nerven geht. Der versucht darauf, Small Talk mit dem konsternierten Rob zu betreiben, was wiederum Kyles schlechte Laune verstärkt. Jess dagegen versucht, mit aufgesetzter Fröhlichkeit die Stimmung aufzulockern. Beim Betrachter erzeugt das schon nach zehn Minuten den Wunsch, die nervtötenden Vier allesamt einen schnellen und blutigen Tod sterben zu sehen. Leider dauert es aber noch ganze 74 Minuten bis zum Ende des Films, und es gibt eine enttäuschende Überlebensrate von 50 %.

Angekommen in der Geisterstadt, sehen Kyle, Jess und Rob sich den verlassenen Saloon an, während der erboste Ben allein einen Spaziergang unternimmt. Im Saloon finden Kyle und Jess ein altes Tagebuch, das Aufklärung über das Schicksal der Stadtbevölkerung verspricht. Da taumelt Ben, mit blutigen Wunden bedeckt, durch die Schwingtüren in den Schankraum. Er wurde von wilden Wölfen angefallen. Ein Versuch, die Geisterstadt zu verlassen und Ben in ein Krankenhaus zu bringen, scheitert – die Zündkabel von Kyles Cabrio wurden durchtrennt. Handyempfang gibt es in der abgelegenen Gegend natürlich auch nicht. Also wird der schwerverletzte Ben wieder in den Saloon geschleppt, um den herum sich bald die Wölfe einfinden.

Aus dem Tagebuch erfährt Kyle, dass die Leute von Paradise vor 160 Jahren in den Bäuchen des Wolfsrudels endeten. Ein Versuch Robs, zu Fuß aus der Stadt zu entkommen und Hilfe zu holen, scheitert. Er kehrt unverrichteter Dinge zurück. Ben erliegt seinen Verletzungen. Während Kyle am liebsten in Selbstmitleid versinken würde, findet Rob the Jock eine Kiste Dynamit und will damit den Kampf gegen die unnatürlich schlauen Vierbeiner aufnehmen.

Das alles ist natürlich sehr vorhersehbar, und das weiß auch Roel Reiné, der nicht nur als Regisseur fungiert, sondern auch die wackelige Handkamera bedient. Als erfahrener Macher von billigen Direct-to-DVD-Filmchen weiß er, was zu tun ist: Immer dann, wenn Spannung und Dynamik aufkommen soll, wackelt er einfach noch ein bisschen mehr mit der Kamera herum. Den Rest erledigt das Sound Department, indem es Wolfsgeheul und -geknurre einspielt.

Überhaupt, die Wölfe. Die sehen einfach zu knuffig aus, um bedrohlich zu wirken. Zudem sind nie mehr als vier Tiere zugleich im Bild zu sehen – viel zu wenig, um eine ganze frontier town¹ zu belagern. Und wenn Reiné das Kamerawackeln zwischendurch mal unterlässt, sieht man auch, dass sie Halsbänder tragen. Dann lieber wieder etwas mehr gewackelt, damit die Details nicht so zu erkennen sind. Dennoch werde ich den Verdacht nicht los, dass die Tierchen gar keine echten Wölfe, sondern Hunde sind. Zu oft tragen sie ihren Schwanz eingerollt, während Wölfe ihn normalerweise nach unten hängen lassen.

Ein Film wie dieser legt es mit all seinen Unzulänglichkeiten nahe, als schlichte Trash-Fantasie angesehen zu werden, aber dafür ist Wolf Town wiederum nicht naiv genug. Sein Vulgärfreudianismus kommt sehr explizit daher. Es liegt allzu nahe, dass der quengelige, unentschlossene, von Kastrationsangst (sein Auto zündet nicht!) geplagte Kyle sich insgeheim wünscht, sowohl Ben mit seiner »I told you so«-Attitüde als auch den Nebenbuhler Rob von Wölfen gefressen zu sehen.

Für alle, denen das noch nicht deutlich genug ist, hält Wolf Town am Ende folgende Szene bereit: Kyle zieht dem von den Wölfen erlegten Rob eine Stange Dynamit aus der Jeanstasche. Die Stange fest umklammert haltend, verlässt Kyle mit Jess im Schlepptau die Geisterstadt – und die Wölfe lassen die beiden von da an völlig in Ruhe. Ich denke, man muss kein Psychologiestudium an einem kalifornischen College absolviert haben, um das ein bisschen zu on the nose zu finden.

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¹ Dafür, dass sie seit 160 Jahren verlassen stehen, sind die Häuser von Paradise übrigens in einem erstaunlich guten Zustand. Und die Tatsache, dass mitten in der Stadt das Wrack eines Traktors vor sich hin rostet, erscheint mir fast noch mysteriöser als die Wölfe. Ach ja: Wo kommt übrigens das Dynamit her, das zur Zeit des kalifornischen Goldrauschs noch gar nicht erfunden war?

10. April 2022

Jonah Hex (2010)

Regie: Jimmy Hayward · Drehbuch: Mark Neveldine, Brian Taylor · Musik: Marco Beltrami · Kamera: Mitchell Amundsen · Schnitt: Tom Lewis, Fernando Villena · Produktion: Legendary Pictures.

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Was für ein Mist.