Deutscher Titel: Die Goldräuber von Tombstone · Regie: Kurt Neumann · Drehbuch: Arthur Strawn, Philip Yordan · Musik: Roy Webb · Kamera: Russell Harlan · Schnitt: Richard Heermance · Produktion: Monogram Pictures.
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Tom Horn (Barry Sullivan) kann seine Spielschulden nicht bezahlen. Als er die benötigte Summe stehlen will, wird er prompt erwischt. Im Knast teilt er sich eine Zelle mit dem Outlaw Morgan (Broderick Crawford). Als dessen Bande, bestehend aus Mingo (Fortunio Bonanova), Red (Big Boy Williams) und Curly (John Kellogg), das Gefängnis stürmt und Morgan befreit, schließt Tom sich dem Ausbruch an. Um sich gegenüber den Banditen zu beweisen, überfällt er das Büro der Blue Goose Mining Company in Leadville, Colorado. Morgan erkennt, dass in Leadville fette Beute zu holen ist. Die Bande, einschließlich Tom, richtet ihr Versteck in einer Geisterstadt in der Nähe ein und raubt alles, was nicht niet- und nagelfest ist.
Dabei besteht Morgan stets darauf, dass er das Sagen hat. Die Beute lagert er in einer stillgelegten Mine, um sie dem direkten Zugriff der anderen Bandenmitglieder zu entziehen. Julie (Marjorie Reynolds), die während des Überfalls im Büro der Blue Goose Überstunden schob, erkennt Tom in der Stadt wieder. Da sie keine Lust mehr auf Überstunden hat, lädt sie ihn zu einem Date ein, statt ihn zu verpfeifen. Tom verspricht Julie, mit ihr nach San Francisco zu gehen, sobald er genug Beute für ein gediegenes Leben gemacht hat.
Als der Gang in Leadville der Boden unter den Füßen zu heiß wird, befiehlt Morgan einen Ortswechsel. Die Bandenmitglieder begeben sich auf verschiedenen Wegen nach Tombstone, Arizona. Sehr zu Morgans Missfallen trifft Tom gemeinsam mit Julie ein, die er unterdessen geheiratet hat. Tom wiederum geht Morgans neuer Plan gegen den Strich: Er will, dass die Bande sich von zwei reichen Ranchern als Pistoleros anheuern lässt und in deren Auftrag Menschenjagden auf Homesteading-Familien veranstaltet. Nun muss sich Tom zwischen Julie und der Gang entscheiden. Es gibt allerdings eine Komplikation: Morgan kennt als einziger den genauen Ort, an dem die Beute aus Leadville versteckt ist. Auf die kann Tom nicht verzichten, wenn er mit Julie ein neues Leben anfangen will.
1949 war die Ära der klassischen B-Western bereits zu Ende. Ein Bedarf nach kostengünstig produzierten Pferdeopern für das Kino bestand aber weiterhin – das Fernsehen hatte schließlich seinen Siegeszug noch lang nicht abgeschlossen. Bad Men of Tombstone, hergestellt vom Poverty-Row-Studio Monogram, ist ein solcher Film, der die Nachfolge der B-Western antreten sollte. Wie diese ist er recht kurz und wartet mit einer übersichtlichen Handlung auf. Im Inhalt unterscheidet er sich allerdings sehr von den Cowboy-Helden der B-Western, die bekanntlich nicht rauchten, nicht tranken und nicht fluchten. Er zeigt sich im Gegenteil fasziniert von Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten.
Bad Men of Tombstone liegt insofern auf einer Linie mit Streifen wie Phil Karlsons Texas Rangers oder den ultraschnell gedrehten Western, bei denen Roger Corman Mitte der fünfziger Jahre Regie führte. Er ist auch ein ganz kompetent und unterhaltsam gemachter Film. Und dennoch habe ich ein grundsätzliches Problem mit ihm.
Tom Horn (1861–1903) war eine historische Person. Als mythopoetisches Genre ist der Western natürlich nicht verpflichtet, die Lebensläufe seines ohnehin oft halblegendären Figurenarsenals historisch korrekt darzustellen. So wird Wyatt Earp auf der Leibwand häufig so dargestellt, als ob er schon zu seiner Zeit in Dodge City und Tombstone eine lebende Legende gewesen sei. Tatsächlich rührt seine Prominenz eher daher, dass er im hohen Alter beträchtliche Anstrengungen unternahm, um seine (geschönte) Biografie zu vermarkten. Das ist nur ein Beispiel unter vielen, aus dem ersichtlich wird, dass der Old West immer auch ein Stück Showgeschäft war, Historie und Fabulation also nicht ganz zu trennen sind. So etwas gehört zum Genre dazu.
Problematisch wird es aber dann, wenn einer historischen Person des alten Westens das genaue Gegenteil dessen angedichtet wird, was sie gesagt oder getan hat. Stellt man Jesse James als Gegner der Sklaverei dar oder behauptet man von George Armstrong Custer, er habe mit den Ureinwohner*innen der Great Plains sympathisiert, dann ist die Grenze zur Geschichtsklitterung überschritten.
Genau das macht Bad Men of Tombstone mit Tom Horn. Der war im realen Leben kein Outlaw, sondern zu verschiedenen Zeitpunkten seines Lebens Scout für die US-Kavallerie (in deren Feldzügen gegen die Apache), Cowboy und Pinkerton-Agent. Seine posthume Bekanntheit resultiert aber ausschließlich aus seiner Tätigkeit als range detective. Ein sogenannter Weidedetektiv war nominell dafür zuständig, gegen Viehdiebe vorzugehen. Tatsächlich war er ein bezahlter Killer, der im Sold von Großranchern Jagd auf alle machte, die diesen nicht in den Kram passten. Die Bezahlung dafür war gut. Horn erhielt für jeden angeblichen Viehdieb, den er erschoss, 600 Dollar.
Die Opfer waren meist Homesteader*innen, die sich ab den 1880er Jahren vermehrt in Colorado und Wyoming niederließen, wo die Rinderbarone zuvor eine unangefochtene Herrschaft ausgeübt hatten. Um diesen Zustand wieder herzustellen, war den Großranchern jedes Mittel recht. Im Sommer 1901 wurde in Wyoming Willie Nickell, der vierzehnjährige Sohn eines Schafzüchters, aus dem Hinterhalt erschossen. Ein Marshal entlockte Tom Horn, als dieser betrunken war, ein Geständnis. 1903 wurde Horn für den Mord an Nickell gehängt.
Angesichts von Horns Trunkenheit kann man über den Wert seines Geständnisses geteilter Meinung sein. Möglicherweise wurde er für eine Tat, die er gar nicht begangen hatte, zum Tode verurteilt. Für zahlreiche weitere Morde, die er auch freimütig zugab, war er jedoch sehr wohl verantwortlich. Das macht den echten Tom Horn zu genau dem, was er laut diesem Film nicht sein wollte: Ein Auftriegskiller im Dienst von Agrarkapitalisten, die sich in ihrer Monopolstellung bedroht sahen.