Regie: Peter Perry Jr. · Drehbuch: Ed Wood · Musik: Guenther Kauer · Kamera: Gene Gropper, Vilis Lapenieks · Produktion: Radio Voice of America.
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Melvin Potter (Charles Veltmann Jr.) ist ein Greenhorn und frisch verheiratet. Seine Frau Ruby (Jodean Lawrence) plant, einen Saloon zu kaufen, denn das würde sie in dem Wildweststädtchen, in dem die Potters soeben eingetroffen sind, zur »queen of the beehive« machen. Melvin gefällt dieser Plan ganz und gar nicht. Da passt es ihm recht gut, auf den trinkfesten Goldsucher Pan Taggart (Stanton Pritchard) zu treffen, denn der erzählt ihm eine Geschichte, die, so ist Melvin überzeugt, auch Ruby gefallen wird: In einem Flusstal namens Gold Creek gebe es ein üppiges Goldvorkommen, das Taggart einst entdeckt habe. Da Taggart das Placer, das in einer gefährlichen Gegend liegt, allein nicht ausbeuten konnte, bietet er den Potters an, sie für tausend Dollar (und reichlich Whiskey) nach Gold Creek zu führen. Trotz Rubys Skepsis geht Melvin begeistert darauf ein. Zum Schutz der Expedition engagiert er die halbseidenen Revolvermänner Wade Condon (Ralph Cookson) und Mike Horton (Louis Massad).
Besonders harmonisch geht es in dem illustren Trüppchen nicht zu. Condon und Horton planen, die Potters zu ermorden, um das Gold selber einsacken zu können. Als sie schon Anstalten machen, ihr sinistres Vorhaben in die Tat umzusetzen, tauchen wie aus dem Nichts plötzlich zwei Kavalleristen (Del Monroe und Hugo Stanger) auf. Die beiden behaupten, verirrte Kundschafter aus Fort Apache zu sein. Da Fort Apache aber viel zu weit entfernt liegt, ist klar, dass sie desertiert sind. Taggart verdächtigt Condon und Horton, die soldier boys zu kennen und das scheinbar zufällige Treffen arrangiert zu haben, um gegenüber Taggart und den Potters in der Überzahl zu sein. Die Deserteure wiederum hören, wie Taggart im Schlaf von Gold redet. Sie beschließen, sich von der Gruppe zu trennen und ihr heimlich zu folgen, um sie im passenden Augenblick ausrauben zu können.
Auch Ruby Potter scheint ihre eigenen Pläne zu haben. Gegenüber Condon erklärt sie, auf der Seite desjenigen zu sein, der ihr am meisten bietet. Der einzige, der von all den Komplotten nichts ahnt und naiv von seinem und Rubys künftigem Reichtum träumt, ist Melvin.
Eigentlich hat das illustre Trüppchen auch ein ganz anderes Problem. Gold Creek wird nämlich von sieben indigenen Kriegerinnen bewacht, deren Anführerin Yellow Gold (Nona Carver) eine als Baby entführte Weiße ist. Und die Mädels haben eine tiefsitzende Abneigung gegen Prospektor*innen, die in ihrem Land herumschleichen. So kommt es, dass die Mitglieder der verkrachten Expedition, schön eins nach dem anderen, mit wohlgezielten Pfeilschüssen aus dem Hinterhalt erlegt werden.
Das Drehbuch von Revenge of the Virgins hat kein anderer als Ed Wood verfasst, der hier unter dem Künstlernamen Pete La Roche in Erscheinung tritt. Zum Unikat wird der Flick dadurch, dass es sich um einen im Western-Gewand daherkommenden nudie cutie handelt. So wurden in den Fünfzigern und frühen Sechzigern Filme genannt, die (unter einem mal mehr, mal weniger überzeugenden Vorwand) nackte Frauenbrüste zeigten. Zur Zeit des in Hollywood herrschenden Hays Code waren nudie cuties, die in der Regel keine Sexszenen enthalten, eine der wenigen Möglichkeiten, weibliche Nacktheit im Film darzustellen.¹
In Revenge of the Virgins lautet die Erklärung fürs Nackigsein, dass es in Kalifornien indigene Gesellschaften gegeben habe, die auf steinzeitlichem Kulturniveau lebten.² So erklärt es ein von Kenne Duncan gesprochener Prolog, der sich anhört, als stammten seine Informationen aus einem schlecht gealterten Konversationslexikon. Der Verweis auf die Steinzeit genügt offenbar, um die Hüterinnen von Gold Creek barbusig herumlaufen zu lassen. Wenn Yellow Gold und ihre Mädels nicht gerade mit der Jagd auf goldgierige Weiße beschäftigt sind, wird das so ins Bild gesetzt, dass sie täppisch choreografierte Kreistänze aufführen.
Andererseits: Dafür, dass der alleinige Zweck dieses Films ist, nackte Brüste zu zweigen, weist er erstaunlich viel Handlung auf. Die Streitereien und Intrigen innerhalb der Gruppe der Goldsucher*innen sind mit einer gewissen Glaubwürdigkeit dargestellt und könnten ganz ähnlich auch in einem ›normalen‹ Western der fünfziger Jahre vorkommen. Dass zwischen diesen vertrauten Szenen immer wieder halbnackte Bogenschützinnen auftauchen, hat deshalb fast schon etwas von surrealistischer Montage.
Was die handwerkliche Seite angeht, bietet Revenge of the Virgins genau das, was Freund*innen von Ed Woods Kino Vergnügen bereitet: Die Aufnahmen mit den Kriegerinnen entstanden getrennt vom restlichen Filmmaterial, ohne dass auf die Kontinuität geachtet wurde. Wo immer die Kriegerinnen und Mitglieder der Gold-Expedition gemeinsam im Bild zu sehen sind, werden letztere leicht erkennbar von Doubles dargestellt.³ Nachtszenen wurden im Studio inszeniert, und zwar so, dass durch ungeschickte Beleuchtung die Schatten der Darsteller*innen auf den Leinwandhintergründen zu sehen sind. Der für Geräuscheffekte zuständige Techniker wiederum scheint dem Whiskey ähnlich gern wie Pan Taggart zugesprochen zu haben, denn in einer Szene ist statt dem Knacken eines trockenen Zweigs klirrendes Glas zu hören. Und das alles bekommt man, obwohl Meister Wood nicht mal selber auf dem Regiestuhl saß.
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¹ Die andere Möglichkeit, mit der die Optionen auch weitgehend erschöpft waren, stellten pseudokumentarische Filme über Nudist*innen dar, die zur Zeit von Revenge of the Virgins sehr beliebt waren.
² Wenn das bedeutet, dass der Film in Kalifornien spielt, dann ist Fort Apache allerdings weit weg.
³ Für die Außenaufnahmen wurde die berühmt-berüchtigte Spahn Ranch verwendet, die später der Manson Family als Hauptquartier diente.