Deutscher Titel: Ein Halleluja für Spirito Santo / Zwei wie Blitz und Donner · Regie: Giuliano Carnimeo · Drehbuch: Tito Carpi, Federico de Urrutia · Musik: Bruno Nicolai · Kamera: Miguel Fernández Mila · Schnitt: Ornella Micheli · Produktion: Astro C.C., Lea Film.
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Nach vier Sartana-Filmen (1969/70) hatte Giuliano Carnimeo noch lange nicht genug. Gemeinsam mit seinem angestammten Drehbuchautor Tito Carpi erfand er einen exzentrischen Revolvermann nach dem anderen, stattete sie mit skurrilen Waffen aus und verpasste ihnen katholische Namen von geradezu folkloristischem Charakter. Gespielt wurden diese Figuren stets von den beiden Sartana-Darstellern Gianni Garko und George Hilton.
Den Anfang machte Hilton, der als Halleluja in zwei Filmen (1971/72) die Juaristas gegen Kaiser Maximilian unterstützt – gegen Bezahlung natürlich. Dabei mischt er Maximilians Soldaten auch schon mal Abführmittel ins Essen. Zwischen den beiden Halleluja-Filmen hatte Gianni Garko zunächst einen Auftritt als Camposanto, der im Unterschied zu nahezu allen anderen Protagonisten Carnimeos ein Mann mit Vergangenheit ist (was daran liegen mag, dass in diesem Fall nicht Tito Carpi, sondern Enzo Barboni das Drehbuch verantwortete), und schließlich als Spirito Santo.
Spirito Santo ist ein von Kopf bis Fuß in Weiß gekleideter gunslinger, der in bewährter Carnimeo-Manier mit einem ganzen Waffenarsenal ausgestattet ist: Neben dem Revolver führt er zwei Taschenpistolen und eine Art Maschinenpistole mit sich. Passend zu seinem Namen wird er sets von einer weißen Taube begleitet.
Die Story: Spirito Santo will sich vom mexikanischen Präsidenten die Konzession für eine in Morelos gelegene Goldmine bestätigen lassen. Es gibt nur ein Problem: Don Firmino Mendoza (George Rigaud), der Präsident, wurde von General Ubarte (Poldo Bendandi) gestürzt und wird nun gemeinsam mit seiner Tochter Juana (Pilar Velázquez) von Ubartes Soldateska gefangen gehalten. Spirito Santo wendet sich zunächst an Ubarte, doch der behauptet, in Morelos gebe es gar kein Gold. Das hat ihm sein Yankee-Berater Samuel Crow (Paolo Gozlino) eingeflüstert, der in Wahrheit natürlich selber hinter den Bodenschätzen Mexikos her ist.
Darauf befreit Spirito Santo die Mendozas aus den Händen von Ubartes Leuten und flieht mit ihnen über die Grenze nach El Paso. In der Grenzstadt rekrutiert er einen alten Kumpel, den rauflustigen Priester Hosianna (Cris Huerta), und heckt gemeinsam mit Vater und Tochter Mendoza einen Plan aus, um Ubarte zu stürzen. Denn wenn Don Firmino wieder im Amt ist, kann er Spirito Santo ja zu seiner Goldmine verhelfen.
Uomo avvisato mezzo ammazzato beginnt vielversprechend. Spirito Santo ist nicht nur ein typischer Carnimeo-Protagonist, sondern auch eine Parodie der Figur, die Franco Nero in Sergio Corbuccis Revolutionsfilmen Il mercenario (1968) und Vamos a matar, compañeros (1970) spielt.¹ Poldo Bendandi kannte ich bisher vor allem als gutmütigen Kraftmenschen Werther aus Viva Maria! (1965). Aber er passt durchaus in die Rolle des Sonnenbrille tragenden Diktator Ubarte, dessen Offiziere sprechende Namen wie Oberst Matatodos und Oberst Cortecabeza tragen.
Brillant ist die Szene des Films, in der Spirito Santo die Mendozas befreit: Ubartes Offiziere sitzen, in bewusster Nachahmung von Leonardos Abendmahl, an einer langen Tafel. Ihnen gegenüber stehen der Präsident und seine Tochter, die an Kreuze gefesselt sind. Dazwischen defiliert eine lange Reihe von peones, die von Soldaten gezwungen werden, Don Firmino anzuspucken. Dieses surrealistische Tableau ist eine der bizarrsten Szenen, die ich jemals in einem Spaghetti-Western gesehen habe. Und in einem Genre, in dem es an blasphemischen Extravaganzen wahrlich keinen Mangel gibt, will das schon etwas heißen.
Leider löst sich der Film, sobald die Handlung nach El Paso verlegt wird, in reinen Klamauk auf. Cris Huerta, der an dieser Stelle eingeführt wird, tritt (wie so oft) als Bud-Spencer-Ersatz auf und ist in dieser Rolle (wie so oft) alles andere als überzeugend. Szenen wie die oben beschriebene gibt es ab da leider nicht mehr. Auch die Art und Weise, wie Spirito Santo und Hosianna die Soldaten Ubartes überrumpeln, wird niemanden überraschen, der schon einmal Django (1966) oder den bereits erwähnten Vamos a matar, compañeros gesehen hat. Für sich genommen würde das noch angehen, der Film ist ja unübersehbar eine Corbucci-Persiflage – aber wenn noch Huertas auf Wish bestellte Buddy-Kopie hinzukommt? Dann wird es für mich ungenießbar.
Angesichts des starken Beginns würde ich dennoch dazu raten, Uomo avvisato mezzo ammazzato eine Chance zu geben. Wenn man sich den Film bis zum Ende anschauen will, sollte man sich aber vorsorglich eine ordentliche Dosis aus Agave destillierter Magentropfen bereitstellen. Man wird sie brauchen.
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¹ Nero selber unternahm in Viva la muerte ... tua! (1971) den vergeblichen Versuch, seine Figur aus den Corbucci-Filmen zu parodieren. Garko gelingt es besser.