Deutscher Titel: In den Kerkern von Marokko · Regie: Joseph Pevney · Drehbuch: Joseph Hoffman · Musik: Hans J. Salter · Kamera: Carl Guthrie · Schnitt: Virgil Vogel · Produktion: Universal Pictures.
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Im Jahr 1800 reitet der Trapper Jason Starbuck (Jeff Chandler) nach Salem, Massachusetts, um seine Felle zu verkaufen. Der Pelzhändler Elias Derby (Tudor Owen) bietet ihm eine Wette an: Starbuck liefert sich ein Pferderennen mit Dick Bailey (Harry Lauter). Wenn Starbuck verliert, stellt er seine Fallen künftig in Derbys Diensten auf. Wenn Starbuck, der gern die Welt sehen möchte, den Sieg davonträgt, bezahlt Derby ihm Passage auf einem Schiff. Baileys Verlobte Roxana Reil (Rhonda Fleming) hat wenig Lust, den schnöseligen Typen zu heiraten. Sie gibt Starbuck heimlich einen Tipp, wie er das Rennen gewinnen kann, und ist auch sonst ganz angetan von dem Mann aus den Bergen. Starbuck gewinnt und Roxana löst die Verlobung mit Bailey auf.
Als Roxanas Vater von der Affäre Wind bekommt, bucht er für sich und seine Tochter sofort Passage nach Europa, um einen Skandal zu vermeiden. Unterwegs werden sie von Piraten überfallen, die Roxana als Sklavin nach Marokko verschleppen. Starbuck folgt ihr und wendet sich in Marokko an den US-Konsul Richard O’Brien (Arthur Space). Er erfährt, dass Roxana sich im Harem des Aghas der Janitscharen (Bart Roberts) befindet. Starbuck lässt sich von O’Brien beim Sultan (Lee J. Cobb) einführen. Da er ein hervorragender Schütze ist, bietet er an, die Infanterie des Sultans am Gewehr auszubilden. Dem Herrscher ist das nur recht, denn er befürchtet, dass der Agha mit seinen Janitscharen einen Putsch gegen ihn plant. Zum Dank schenkt er dem wenig begeisterten Starbuck die Sklavin Lilith (Mamie Van Doren).
Starbuck gewinnt die Freundschaft von Hassan Sendar, dem Kommandeur der Infanterie. Roxana erreicht unterdessen durch ihre Aufsässigkeit, dass sie vom Agha aus dem Harem geworfen und zum Stallknecht degradiert wird. Mit Hassans Hilfe nimmt ein Plan zu ihrer Befreiung Gestalt an, droht aber im letzten Moment an Liliths Eifersucht zu scheitern ...
Western mit ›exotischen‹ Settings gibt es schon fast so lang wie das Genre selbst. Unter den fernen Gegenden, in die es Westmänner verschlug, sind zum Beispiel Arabien (Tom Mix in Arabia [1992] und Hidalgo [2004]), das südliche oder östliche Afrika (Round-Up Time in Texas [1937] und Africa – Texas Style! [1967]), Australien (The Kangaroo Kid [1950] und Quigley Down Under [1990]), Japan (Lo straniero di silenzio [1968] und The Last Samurai [2003]) und Hawaii (The Castaway Cowboy [1974]). In Yankee Pasha ist es Marokko.¹
Leider beschränken sich Filme dieser Art oft darauf, stereotype Bilder des jeweiligen Handlungsorts zu reproduzieren. So lässt auch Yankee Pasha kaum ein orientalistisches Klischee aus. Das zeigt sich besonders in der Darstellung der Sklaverei, die einerseits angeklagt, andererseits wie eine Art Witz behandelt wird: Starbuck wird gleich nach seiner Ankunft in Marokko vom Konsul gewarnt, dass er als Fremder akute Gefahr läuft, versklavt zu werden. Der Witz tritt dann in Gestalt Mamie Van Dorens auf. Die von ihr gespielte Lilith ist eine unaufhörlich quasselnde Nervensäge, deren größtes Glück darin besteht, einem attraktiven Herrn zu gehören.
Ein Stück weit ist es konsequent. Hollywood brachte es schließlich auch nicht fertig, ohne Kitsch und Verharmlosung von der Sklaverei im eigenen Land zu erzählen. Warum sollte es bei der Darstellung der marokkanischen Sklaverei anders sein? Der Unterschied liegt allenfalls darin, dass Yankee Pasha offen in seinen Haremsfantasien schwelgt. Mir fällt kein im Antebellum South spielender Film der fünfziger Jahre ein, der so frivol mit der Tatsache umgegangen wäre, dass das Verhältnis versklavter Frauen zu ihren Besitzern von sexueller Ausbeutung bestimmt war.
Diesem Film zufolge ist es dagegen die Hauptbeschäftigung marokkanischer Männer, Haremssklavinnen aus aller Welt zu sammeln. Sie treten in entsprechend großer Zahl auf, und zwar in Form von Cameos der Gewinnerinnen diverser Schönheitswettbewerbe. Von Miss Australia über Miss Japan bis Miss Uruguay sind alle vertreten.² Was es in Yankee Pasha dagegen nicht gibt, sind marokkanische Menschen und Landschaften. Der Film wurde komplett in Kalifornien gedreht – und in Brownface.
Auffällig ist die Mühe, die der Film darauf verwendet, wirklich jedes Detail so unstimmig wie möglich zu präsentieren. Es fängt damit an, dass Agha und Pascha osmanische Titel sind, keine marokkanischen. Janitscharen gab es in Marokko natürlich auch keine.³ Und warum sitzen die Fußsoldaten, die Starbuck unterweisen soll, auf Pferden? Überhaupt: Starbuck. Der ist ein Gary Stu, wie er im Buch steht. Er kann nicht nur hervorragend reiten und schießen, er lernt auch noch (mit Hilfe eines Wörterbuches) im Handumdrehen Arabisch. Kara Ben Nemsi kann einpacken.
Ich hätte ein wenig mehr Verständnis für Yankee Pasha, wenn der Streifen ehrlicher Trash (etwa wie Revenge of the Virgins) oder ein durch Improvisation entstandenes B-Movie wäre, nach dem Motto: »Wir haben einen Hauptdarsteller, eine leading lady, ein Trapperkostüm und ein paar orientalische Kulissen. Kann man daraus irgendwas machen?« Da es sich aber um die Verfilmung eines 1947 erschienenen Romans von Edison Marshall handelt, liegt die Vermutung nahe, dass Yankee Pasha genau so, wie der Film ist, von Universal geplant und eben auch realisiert wurde.
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¹ Tatsächlich war das Sultanat Marokko einer ersten Staaten, die nach dem Unabhängigkeitskrieg diplomatische Beziehungen zu den USA aufnahmen. Ein historisches Faktum, das in Yankee Pasha keine Spuren hinterlassen hat.
² Dass sie damit Schönheitswettbewerbe in die Nähe von Sklaverei rückten ist vielsagend, ging an den beteiligten Filmschaffenden aber vermutlich völlig vorbei.
³ Mit der Schwarzen Garde gab es allerdings eine ähnliche Institution, die man für den Film naheliegenderweise hätte verwenden können.