Regie: Rupert Kathner · Drehbuch: Rupert Kathner · Kamera: Rupert Kathner, Harry Malcolm · Schnitt: Alex Ezard · Produktion: Australian Action Pictures.
⁕ ⁕ ⁕
Ende der vierziger Jahre plante Benalla Film Productions, eine eigens gegründete Firma, einen neuen Flick über den legendären Bushranger Ned Kelly. Er sollte A Message to Kelly heißen und unter der Regie von Harry Southwell entstehen. Für Southwell war es kein neues Thema. Er hatte bereits drei Filme über die Kelly-Bande gedreht (1920, 1923 und 1934), ohne damit allzu erfolgreich gewesen zu sein. Für den vierten Anlauf castete er den Football-Spieler Bob Chitty als Hauptdarsteller. Chitty qualifizierte sich zwar sicher nicht durch sein schauspielerisches Talent für diese Rolle, aber er war ein local boy aus Victoria. Als Regieassistent wurde Rupert Kathner engagiert. Das wurde dem Film zum Verhängnis, denn wo immer Kathner, der australische Ed Wood, seine Finger im Spiel hatte, folgte unweigerlich ein Debakel.
Nach wenigen Monaten verließ Southwell das Projekt. Kathner rückte auf den Regiestuhl nach, wurde aber kurz darauf von den Finanziers hinter Benalla Film, die ihr Glück lieber mit jemand anderem versuchen wollten, gefeuert. Doch die Geldgeber hatten nicht mit der Rache des Rupert Kathner gerechnet. Kaum entlassen, tauchte er mit einer neuen, eigenen Produktionsgesellschaft wieder auf. Australian Action Pictures verfügte über ein Kapital von 25.000 Pfund (behauptete Kathner jedenfalls¹) und würde einen eigenen Kelly-Flick in die Kinos bringen – natürlich mit Kathner als Regisseur. Und während A Message to Kelly mangels eines besser geeigneten Regie-Nachfolgers gecancelt wurde, wechselte Hauptdarsteller Chitty zu der neuen Produktion, The Glenrowan Affair. Man kann also sagen, Kathner hatte Southwells Film erfolgreich gekapert (allerdings blieb das der einzige wirkliche Erfolg im Zusammenhang mit diesem Streifen).
Der Film wartet mit einer Rahmenhandlung auf: Kathner spielt sich selbst als Maler, der im Busch von Victoria auf der Suche nach Motiven ist.² Auf seinen Wanderungen trifft er einen Old Dinny genannten Greis (Arthur Helmsley), der die große Zeit der Kellys höchstpersönlich miterlebt hat und gegenüber dem Maler in Erinnerungen schwelgt.³
Die eigentliche Handlung besteht größtenteils aus slapstickhaften Episoden, in denen die Kelly-Bande einer kleinen Armee von dusseligen Polizisten wieder und wieder ein Schnippchen schlägt, bis es im Städtchen Glenrowan zum großen Showdown kommt und die Kellys der schieren Übermacht unterliegen. Zwischen diesen Episoden sind von bombastischer Musik begleitete Szenen eingefügt, die stets zeigen, wie die Banditen kreuz und quer durch den Busch reiten. Die Musikuntermalung und der komische Ernst dieser Szenen (bei denen der Regisseur selbst hinter der Kamera stand) verraten, dass Kathner wohl tatsächlich den Anspruch hatte, ein veritables Epos über seine Bushranger-Helden zu drehen. Vergeblich. Ein epischer Film benötigt epische Bilder, die dieser Streifen beim besten Willen nicht hat.
The Glenrowan Affair hatte in einem vollbesetzten Saal in Benalla Premiere. Schon nach wenigen Minuten brach das Publikum in spontanes Gelächter aus, das bis zum Ende des Films (und darüber hinaus) anhielt – ein zeitgenössischer Kritiker sprach von einem »riot of laughter«.⁴ Während der Vorführung wurden Spenden zur Unterstützung der Opfer von Buschfeuern gesammelt. Es kamen immerhin 400 Pfund zusammen. So gesehen hat Kathners Film dann doch etwas erreicht. Und einen vollen Kinosaal zum Lachen zu bringen? Das ist mehr, als mancher heutige Blockbuster zustande bringt.
____________
¹ Wäre ich so notorisch verschuldet wie Kathner, wäre ich mit solchen Verlautbarungen bezüglich meiner Finanzen ja eher vorsichtig gewesen.
² Tatsächlich hatte Kathner in Adelaide Malerei studiert, bevor er sich seinen Weg ins Filmgeschäft erschwindelte.
³ Die Implikation ist, dass Old Dinny kein anderer als Neds Bruder Dan Kelly ist, der (anders als sein historischer Konterpart) die Schießerei in Glenrowan überlebt hat. Als junger Mann wird Dan im Film von Ben Crowe dargestellt.
⁴ Eine Formulierung, die auf zuvor in der Presse geschürte Ängste anspielt, streitlustige Kelly-Fans könnten anlässlich der Premiere Randale machen.