10. Oktober 2026

Ghost Town (1988)

Regie: Richard McCarthy · Drehbuch: Duke Sandefur · Musik: Harvey Cohen · Kamera: Marc Ahlberg · Schnitt: King Wilder · Produktion: Empire Pictures.

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Kate (Catherine Hickland) ist mit ihrem Cabrio auf einer einsamen Straße in Arizona unterwegs. Plötzlich wird ihr Fahrzeug von einer rasenden Staubwolke eingehüllt, die Kate mit sich fortreißt. Das Auto bleibt leer zurück. Sheriff Langley (Franc Luz), auf der Suche nach Kate, wird in seinem Streifenwagen plötzlich von einem maskierten Reiter attackiert. Es kommt zu einer Schießerei, bei der der Streifenwagen in Flammen aufgeht. Langley stolpert zu Fuß weiter und landet in der Geisterstadt Cruz del Diablo, die auf keiner Karte verzeichnet ist.

Die Stadt wird von einer Bande untoter Outlaws beherrscht, deren Anführer Devlin (Jimmie F. Skaggs) einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat. Die restlichen Bewohner*innen von Cruz del Diablo führen eine geisterhafte Existenz: So lange Devlin und seine Männer da sind, können sie nicht in Frieden sterben. Sehr wohl können sie aber von den Outlaws getötet werden. Nach und nach lernt Langley einige dieser Bewohner*innen kennen: Die Saloon-Dame Grace (Penelope Windust) und ihren Stammgast, den blinden Kartenspieler (Bruce Glover), den Hufschmied (Zitto Kazann) und seine Tochter Etta (Laura Schaefer). Auch stellt er fest, dass Kate von Devlin gefangen gehalten wird.

Langley konfrontiert die Outlaws, doch es gibt ein Problem: Seine moderne Dienstwaffe erweist sich gegen die Untoten als nutzlos. Schießt Langley einem von ihnen ein Loch in die Rübe, macht der einfach durchlöchert weiter, als wäre nichts geschehen. Erst als Grace Langley einen alten Remington-Sechsschüsser überreicht, hat er mehr Erfolg. Er macht sich auf die Suche nach alter Munition, um aus dem Blei Kugeln für den Revolver zu gießen.

Ghost Town ist ein Horror-Western, bei dem zunächst die sorgfältig gemachten Zombie-Masken und Gore-Effekte ins Auge fallen. Das unterscheidet diesen Film wohltuend vom ähnlich angelegten Scream (1981), bei dem die Spezialeffekte als erstes der Budgetknappheit zum Opfer fielen. Produziert wurde Ghost Town übrigens von Charles Bands Firma Empire Pictures, die für Streifen wie Re-Animator (1985) und Troll (1986) verantwortlich ist.¹

Das Problem des Films ist die ausgesprochen dünne Handlung. Sobald Langley klar geworden ist, dass er ausersehen ist, Cruz del Diablo von den untoten Outlaws zu erlösen, geht es eigentlich nur noch darum, dass er auch herausfinden muss, auf welche Weise dies zu bewerkstelligen ist. Sprich: Langley muss mit der Nase darauf gestoßen werden, dass gegen die Untoten nur historische Waffen aus dem Old West wirksam sind. Dann folgt der Showdown. Für 85 Minuten ist das ein bisschen wenig. Es würde nicht so viel ausmachen, wenn dies eine frenetisch erzählte Alles-kann-passieren-Horrorkomödie im Stil von The Evil Dead (1981) samt Fortsetzungen wäre. Im Grunde hat Ghost Town aber eine typische Queste-Handlung: Langley begibt sich auf eine Suche, wird auserwählt (in einer der tricktechnisch am besten realisierten Szenen des Films), trifft am Ort seiner Bestimmung ein, erhält eine magische Waffe, stellt sich zum Kampf.

Dagegen ist im Grundsatz natürlich nichts einzuwenden. Dem Plot von Ghost Town hätte es aber schon ganz gut getan, wenn er mit ein paar unvorhergesehenen Wendungen ausgestattet worden wäre. Auch Questen lassen sich schließlich variieren. Wenn es denn gewollt wird, was hier offenbar nicht der Fall war. Wer sich den Film anschaut, sollte also nicht mit Überraschungen rechnen. Ist man damit okay, kann man sich auf Ghost Town ruhig mal einlassen – vor allem dann, wenn man zeittypischen, wenn auch nicht übermäßig ausgefallenen Gore zu schätzen weiß. Bessere Unterhaltung als mit heutigen Geisterstadt-Flicks wie Wolf Town (2011) bekommt man allemal geboten.

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¹ Hinter dem Regie-Pseudonym des Films, Richard Governor, verbirgt sich ein weitgehend unbekannter Australier namens Richard McCarthy. Laut IMDb hat er neben Ghost Town nur an einem in Australien gefilmten TV-Special des englischen Komikers Benny Hill mitgewirkt.

30. September 2026

Bad Men of Tombstone (1949)

Deutscher Titel: Die Goldräuber von Tombstone · Regie: Kurt Neumann · Drehbuch: Arthur Strawn, Philip Yordan · Musik: Roy Webb · Kamera: Russell Harlan · Schnitt: Richard Heermance · Produktion: Monogram Pictures.

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Tom Horn (Barry Sullivan) kann seine Spielschulden nicht bezahlen. Als er die benötigte Summe stehlen will, wird er prompt erwischt. Im Knast teilt er sich eine Zelle mit dem Outlaw Morgan (Broderick Crawford). Als dessen Bande, bestehend aus Mingo (Fortunio Bonanova), Red (Big Boy Williams) und Curly (John Kellogg), das Gefängnis stürmt und Morgan befreit, schließt Tom sich dem Ausbruch an. Um sich gegenüber den Banditen zu beweisen, überfällt er das Büro der Blue Goose Mining Company in Leadville, Colorado. Morgan erkennt, dass in Leadville fette Beute zu holen ist. Die Bande, einschließlich Tom, richtet ihr Versteck in einer Geisterstadt in der Nähe ein und raubt alles, was nicht niet- und nagelfest ist.

Dabei besteht Morgan stets darauf, dass er das Sagen hat. Die Beute lagert er in einer stillgelegten Mine, um sie dem direkten Zugriff der anderen Bandenmitglieder zu entziehen. Julie (Marjorie Reynolds), die während des Überfalls im Büro der Blue Goose Überstunden schob, erkennt Tom in der Stadt wieder. Da sie keine Lust mehr auf Überstunden hat, lädt sie ihn zu einem Date ein, statt ihn zu verpfeifen. Tom verspricht Julie, mit ihr nach San Francisco zu gehen, sobald er genug Beute für ein gediegenes Leben gemacht hat.

Als der Gang in Leadville der Boden unter den Füßen zu heiß wird, befiehlt Morgan einen Ortswechsel. Die Bandenmitglieder begeben sich auf verschiedenen Wegen nach Tombstone, Arizona. Sehr zu Morgans Missfallen trifft Tom gemeinsam mit Julie ein, die er unterdessen geheiratet hat. Tom wiederum geht Morgans neuer Plan gegen den Strich: Er will, dass die Bande sich von zwei reichen Ranchern als Pistoleros anheuern lässt und in deren Auftrag Menschenjagden auf Homesteading-Familien veranstaltet. Nun muss sich Tom zwischen Julie und der Gang entscheiden. Es gibt allerdings eine Komplikation: Morgan kennt als einziger den genauen Ort, an dem die Beute aus Leadville versteckt ist. Auf die kann Tom nicht verzichten, wenn er mit Julie ein neues Leben anfangen will.

1949 war die Ära der klassischen B-Western bereits zu Ende. Ein Bedarf nach kostengünstig produzierten Pferdeopern für das Kino bestand aber weiterhin – das Fernsehen hatte schließlich seinen Siegeszug noch lang nicht abgeschlossen. Bad Men of Tombstone, hergestellt vom Poverty-Row-Studio Monogram, ist ein solcher Film, der die Nachfolge der B-Western antreten sollte. Wie diese ist er recht kurz und wartet mit einer übersichtlichen Handlung auf. Im Inhalt unterscheidet er sich allerdings sehr von den Cowboy-Helden der B-Western, die bekanntlich nicht rauchten, nicht tranken und nicht fluchten. Er zeigt sich im Gegenteil fasziniert von Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Bad Men of Tombstone liegt insofern auf einer Linie mit Streifen wie Phil Karlsons Texas Rangers oder den ultraschnell gedrehten Western, bei denen Roger Corman Mitte der fünfziger Jahre Regie führte. Er ist auch ein ganz kompetent und unterhaltsam gemachter Film. Und dennoch habe ich ein grundsätzliches Problem mit ihm.

Tom Horn (1861–1903) war eine historische Person. Als mythopoetisches Genre ist der Western natürlich nicht verpflichtet, die Lebensläufe seines ohnehin oft halblegendären Figurenarsenals historisch korrekt darzustellen. So wird Wyatt Earp auf der Leibwand häufig so dargestellt, als ob er schon zu seiner Zeit in Dodge City und Tombstone eine lebende Legende gewesen sei. Tatsächlich rührt seine Prominenz eher daher, dass er im hohen Alter beträchtliche Anstrengungen unternahm, um seine (geschönte) Biografie zu vermarkten. Das ist nur ein Beispiel unter vielen, aus dem ersichtlich wird, dass der Old West immer auch ein Stück Showgeschäft war, Historie und Fabulation also nicht ganz zu trennen sind. So etwas gehört zum Genre dazu.

Problematisch wird es aber dann, wenn einer historischen Person des alten Westens das genaue Gegenteil dessen angedichtet wird, was sie gesagt oder getan hat. Stellt man Jesse James als Gegner der Sklaverei dar oder behauptet man von George Armstrong Custer, er habe mit den Ureinwohner*innen der Great Plains sympathisiert, dann ist die Grenze zur Geschichtsklitterung überschritten.

Genau das macht Bad Men of Tombstone mit Tom Horn. Der war im realen Leben kein Outlaw, sondern zu verschiedenen Zeitpunkten seines Lebens Scout für die US-Kavallerie (in deren Feldzügen gegen die Apache), Cowboy und Pinkerton-Agent. Seine posthume Bekanntheit resultiert aber ausschließlich aus seiner Tätigkeit als range detective. Ein sogenannter Weidedetektiv war nominell dafür zuständig, gegen Viehdiebe vorzugehen. Tatsächlich war er ein bezahlter Killer, der im Sold von Großranchern Jagd auf alle machte, die diesen nicht in den Kram passten. Die Bezahlung dafür war gut. Horn erhielt für jeden angeblichen Viehdieb, den er erschoss, 600 Dollar.

Die Opfer waren meist Homesteader*innen, die sich ab den 1880er Jahren vermehrt in Colorado und Wyoming niederließen, wo die Rinderbarone zuvor eine unangefochtene Herrschaft ausgeübt hatten. Um diesen Zustand wieder herzustellen, war den Großranchern jedes Mittel recht. Im Sommer 1901 wurde in Wyoming Willie Nickell, der vierzehnjährige Sohn eines Schafzüchters, aus dem Hinterhalt erschossen. Ein Marshal entlockte Tom Horn, als dieser betrunken war, ein Geständnis. 1903 wurde Horn für den Mord an Nickell gehängt.

Angesichts von Horns Trunkenheit kann man über den Wert seines Geständnisses geteilter Meinung sein. Möglicherweise wurde er für eine Tat, die er gar nicht begangen hatte, zum Tode verurteilt. Für zahlreiche weitere Morde, die er auch freimütig zugab, war er jedoch sehr wohl verantwortlich. Das macht den echten Tom Horn zu genau dem, was er laut diesem Film nicht sein wollte: Ein Auftriegskiller im Dienst von Agrarkapitalisten, die sich in ihrer Monopolstellung bedroht sahen.

12. September 2026

Yankee Pasha (1954)

Deutscher Titel: In den Kerkern von Marokko · Regie: Joseph Pevney · Drehbuch: Joseph Hoffman · Musik: Hans J. Salter · Kamera: Carl Guthrie · Schnitt: Virgil Vogel · Produktion: Universal Pictures.

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Im Jahr 1800 reitet der Trapper Jason Starbuck (Jeff Chandler) nach Salem, Massachusetts, um seine Felle zu verkaufen. Der Pelzhändler Elias Derby (Tudor Owen) bietet ihm eine Wette an: Starbuck liefert sich ein Pferderennen mit Dick Bailey (Harry Lauter). Wenn Starbuck verliert, stellt er seine Fallen künftig in Derbys Diensten auf. Wenn Starbuck, der gern die Welt sehen möchte, den Sieg davonträgt, bezahlt Derby ihm Passage auf einem Schiff. Nun hat Baileys Verlobte Roxana Reil (Rhonda Fleming) wenig Lust, den schnöseligen Typen zu heiraten. Sie gibt Starbuck heimlich einen Tipp, wie er das Rennen gewinnen kann, und ist auch sonst ganz angetan von dem Mann aus den Bergen. Starbuck gewinnt und Roxana löst die Verlobung mit Bailey auf.

Als Roxanas Vater von der Affäre Wind bekommt, bucht er für sich und seine Tochter sofort Passage nach Europa, um einen Skandal zu vermeiden. Unterwegs werden sie von Piraten überfallen, die Roxana als Sklavin nach Marokko verschleppen. Starbuck folgt ihr und wendet sich in Marokko an den US-Konsul Richard O’Brien (Arthur Space). Er erfährt, dass Roxana sich im Harem des Aghas der Janitscharen (Bart Roberts) befindet. Starbuck lässt sich von O’Brien beim Sultan (Lee J. Cobb) einführen. Da er ein hervorragender Schütze ist, bietet er an, die Infanterie des Sultans am Gewehr auszubilden. Dem Herrscher ist das nur recht, denn er befürchtet, dass der Agha mit seinen Janitscharen einen Putsch gegen ihn plant. Zum Dank schenkt er dem wenig begeisterten Starbuck die Sklavin Lilith (Mamie Van Doren).

Starbuck gewinnt die Freundschaft von Hassan Sendar, dem Kommandeur der Infanterie. Roxana erreicht unterdessen durch ihre Aufsässigkeit, dass sie vom Agha aus dem Harem geworfen und zum Stallknecht degradiert wird. Mit Hassans Hilfe nimmt ein Plan zu ihrer Befreiung Gestalt an, droht aber im letzten Moment an Liliths Eifersucht zu scheitern ...

Western mit ‚exotischen‘ Settings gibt es schon fast so lang wie das Genre selbst. Unter den fernen Gegenden, in die es Westmänner verschlug, sind zum Beispiel Arabien (Tom Mix in Arabia [1922] und Hidalgo [2004]), das südliche oder östliche Afrika (Round-Up Time in Texas [1937] und Africa – Texas Style! [1967]), Australien (The Kangaroo Kid [1950] und Quigley Down Under [1990]), Japan (Lo straniero di silenzio [1968] und The Last Samurai [2003]) und Hawaii (The Castaway Cowboy [1974]). In Yankee Pasha ist es Marokko.¹

Leider beschränken sich Filme dieser Art oft darauf, stereotype Bilder des jeweiligen Handlungsorts zu reproduzieren. So lässt auch Yankee Pasha kaum ein orientalistisches Klischee aus. Das zeigt sich besonders in der Darstellung der Sklaverei, die einerseits angeklagt, andererseits wie eine Art Witz behandelt wird: Starbuck wird gleich nach seiner Ankunft in Marokko vom Konsul gewarnt, dass er als Fremder akute Gefahr läuft, versklavt zu werden. Der Witz tritt dann in Gestalt Mamie Van Dorens auf. Die von ihr gespielte Lilith ist eine unaufhörlich quasselnde Nervensäge, deren größtes Glück darin besteht, einem attraktiven Herrn zu gehören.

Ein Stück weit ist es konsequent. Hollywood brachte es schließlich auch nicht fertig, ohne Kitsch und Verharmlosung von der Sklaverei im eigenen Land zu erzählen. Warum sollte es bei der Darstellung der marokkanischen Sklaverei anders sein? Der Unterschied liegt allenfalls darin, dass Yankee Pasha offen in seinen Haremsfantasien schwelgt. Mir fällt kein im Antebellum South spielender Film der fünfziger Jahre ein, der so frivol mit der Tatsache umgegangen wäre, dass das Verhältnis versklavter Frauen zu ihren Besitzern von sexueller Ausbeutung bestimmt war.

Diesem Film zufolge ist es dagegen die Hauptbeschäftigung marokkanischer Männer, Haremssklavinnen aus aller Welt zu sammeln. Sie treten in entsprechend großer Zahl auf, und zwar in Form von Cameos der Gewinnerinnen diverser Schönheitswettbewerbe. Von Miss Australia über Miss Japan bis Miss Uruguay sind alle vertreten.² Was es in Yankee Pasha dagegen nicht gibt, sind marokkanische Menschen und Landschaften. Der Film wurde komplett in Kalifornien gedreht – und in Brownface.

Auffällig ist die Mühe, die der Film darauf verwendet, wirklich jedes Detail so unstimmig wie möglich zu präsentieren. Es fängt damit an, dass ‚Agha‘ und ‚Pascha‘ osmanische Titel sind, keine marokkanischen. Janitscharen gab es in Marokko natürlich auch keine.³ Und warum sitzen die Fußsoldaten, die Starbuck unterweisen soll, auf Pferden? Überhaupt: Starbuck. Der ist ein Gary Stu, wie er im Buch steht. Er kann nicht nur hervorragend reiten und schießen, er lernt auch noch (mit Hilfe eines Wörterbuches) im Handumdrehen Arabisch. Kara Ben Nemsi kann einpacken.

Ich hätte ein wenig mehr Verständnis für Yankee Pasha, wenn der Streifen ehrlicher Trash (etwa wie Revenge of the Virgins) oder ein durch Improvisation entstandenes B-Movie wäre, nach dem Motto: „Wir haben einen Hauptdarsteller, eine leading lady, ein Trapperkostüm und ein paar orientalische Kulissen. Kann man daraus irgendwas machen?“ Da es sich aber um die Verfilmung eines 1947 erschienenen Romans von Edison Marshall handelt, liegt die Vermutung nahe, dass Yankee Pasha genau so ist, wie er von Universal geplant und eben auch realisiert wurde.

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¹ Tatsächlich war das Sultanat Marokko einer ersten Staaten, die nach dem Unabhängigkeitskrieg diplomatische Beziehungen zu den USA aufnahmen. Ein historisches Faktum, das in Yankee Pasha keine Spuren hinterlassen hat.

² Dass sie damit Schönheitswettbewerbe in die Nähe von Sklaverei rückten, ist vielsagend, ging an den Verantwortlichen aber vermutlich völlig vorbei.

³ Mit der Schwarzen Garde gab es allerdings eine ähnliche Institution, die man für den Film naheliegenderweise hätte verwenden können.

28. August 2026

Zorro contro Maciste (1963)

Deutscher Titel: Zorro gegen Maciste – Kampf der Unbesiegbaren / Konkurrenz für Zorro · Regie: Umberto Lenzi · Drehbuch: Umberto Lenzi, Guido Malatesta · Musik: Angelo Francesco Lavagnino · Kamera: Augusto Tiezzi · Schnitt: Jolanda Benvenuti · Produktion: Romana Film.

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Peplum-Filme spielen gewöhnlich in einem quietschbunt-fiktiven, meist mediterranen, manchmal auch orientalischen Altertum mit stark mythologischen Zügen.¹ Einige der muskulösen Helden des Genres zeichnen sich aber dadurch aus, dass sie das historische Kontinuum sprengen und in ganz verschiedenen Epochen und Weltregionen auftreten. Die Peplum-Helden, die sich in dieser Hinsicht besonders hervortun, sind Samson und Maciste. Je nach Film findet man sie etwa am Hof des Dschingis Khan, unter den Piraten der Karibik, in der vom Hexenwahn geplagten frühen Neuzeit und sogar im präkolumbianischen Amerika.

Ein ganz ähnliches geografisch-chronologisches Chaos umgab in einer Reihe spanischer und französischer Filme der sechziger bis siebziger Jahre Zorro, der darin nur gelegentlich in seiner altkalifornischen Heimat zu sehen war und sich statt dessen im Baskenland (Il segno di Zorro [1963]), auf Bermuda (Zorro alla corte d’Inghilterra [1969]) oder im absolutistischen 17. Jahrhundert (Zorro e i tre moschettieri [1963]) herumtrieb.² Da war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis der Fluch von Capistrano auf Maciste, den stärksten Mann der Welt, traf. Und so kam es auch, und zwar 1963 unter der Regie von Umberto Lenzi.

Der greise König Philipp von Nogara ist tot. Es gibt zwei Thronfolgerinnen, die Nichten des Königs: Prinzessin Malva (Moira Orfei) und Prinzessin Isabella (Maria Grazia Spina). Sie verkörpern das typisch dichotomische Frauenbild des Peplum-Genres – Malva ist eine schwarzhaarige femme fatale, Isabella blond und madonnenhaft.

Das Testament des Königs, in dem festgelegt ist, welche der beiden Cousinen den Thron besteigen soll, wird von General Saavedra (Attilio Dottesio) verwahrt. Bis der in der Hauptstadt eingetroffen ist und die neue Königin gekrönt ist, übernimmt Don Alvarez (Loris Gizzi) die Regentschaft. Der intrigante Hauptmann der Palastgarde, García de Higuera (Massimo Serrato), ist mit Malva im Bunde. Er befürchtet, dass der verstorbene König Isabella zu seiner Nachfolgerin ernannt hat. Folglich gilt es, Saavedra das Testament abzunehmen, noch bevor er die Hauptstadt erreicht, und es durch eine Fälschung zu ersetzen.

Hauptmann García kennt auch genau den richtigen Mann für diese Aufgabe: Maciste (Alan Steel), der auf dem Jahrmarkt als kettensprengender Muskelmann auftritt. Da Maciste sehr viel Kraft hat, aber auch sehr viel Stroh im Kopf, merkt er nicht, dass er für eine Palastintrige instrumentalisiert wird. Er erklärt sich bereit, General Saavedra entgegen zu gehen, das Testament an sich zu nehmen und es García zu übergeben – rein aus Sicherheitsgründen, wie der Hauptmann ihm versichert. Der Dichter Ramón (Pierre Brice), der Isabella den Hof macht, rät der Prinzessin, sich im Gegenzug die Unterstützung von Zorro zu sichern. Sie begibt sich incognito auf die Suche nach dem maskierten Helden, der natürlich ohne zu zögern in ihre Dienste tritt.

Saavedra und seine Eskorte werden in einer Schlucht von dem Banditen Rabek (Andrea Aureli) und seinen Spießgesellen überfallen. Als Maciste eintrifft, kann der tödlich verwundete General ihm nur noch anvertrauen, dass das Testament sich in den Händen der Banditen befindet. Maciste schleicht sich nachts in das Lager der Bande, jagt ihre Pferde davon, teilt ein paar Prügel aus und holt sich das Testament. Am nächsten Morgen versucht Zorro erfolglos, Maciste das Testament abzunehmen.

Maciste macht in einem Gasthaus Halt, in dem gerade eine ausgelassene Karnevalsfeier steigt. Ganz gegen seine Gewohnheit lässt er sich auf einen Becher Wein ein, in den Zorro ihm heimlich ein Schlafmittel schüttet. Kaum liegt Maciste mit dem Kopf auf dem Tisch, bringt Zorro das Testament an sich. Der betäubte Maciste wird sodann von Rabeks Kumpan Deikor (Aldo Bufi Landi) in eine Höhle verschleppt, in der ein riesiges, sehr hungriges Krokodil lebt. Zum Glück liegt dort auch ein handlicher Felsbrocken herum, den Maciste aufhebt und dem Krokodil auf die Hirnschale schmettert.

Maciste holt sich das Testament zurück und begibt sich in die Hauptstadt. Dort lernt er Isabellas Zofe Carmencita (Rosy De Leo) kennen, die ihn endlich aufklärt: Malva ist die böse Prinzessin, und Isabella die nette. Es ist auch höchste Zeit. Malva hat mit Garcías Hilfe nicht nur die Folterkammer des königlichen Schlosses in Betrieb genommen, sondern auch ihre Cousine wegen Hochverrats eingekerkert. Maciste sucht die Prinzessin auf und stellt sie zur Rede. Das Testament hat er zuvor versteckt – eine seltene gute Idee des stärksten Mannes der Welt. Die erboste Malva öffnet eine Falltür unter Macistes Füßen und lässt ihn in ein Verlies stürzen.

Nun geht Malva aufs Ganze und will Don Alvarez mit Gewalt zwingen, sie zur Königin krönen zu lassen. Nur Zorro (hinter dessen Maske sich natürlich kein anderer verbirgt als Ramón, der Dichter) und Maciste können sie noch aufhalten. Doch letzterer muss sich zunächst aus dem Verlies befreien.

Zorro contro Maciste spielt in Nogara, einem fiktiven südeuropäischen Land. Den Kostümen nach zu urteilen, ist die Story irgendwann im 17. Jahrhundert angesiedelt. Mit seinem muskelbepackten Helden, einer Handlung, die oft jeglicher Logik spottet, und einem Monsterchen zwischendurch handelt es sich um einen typischen Peplum (der rein als solcher auch durchaus unterhaltsam ist). Insofern ist der Film, der Zorro-Figur zum Trotz, nicht wirklich ein Western. Die große Zeit des Italo-Westerns hatte 1963 schließlich noch gar nicht begonnen. Umso interessanter scheint es mir, dass Zorro contro Maciste bereits einige Elemente enthält, die die spätere Entwicklung des Genres vorwegnehmen.

Die Banditen Rabek und Deikor etwa erinnern an nichts so sehr wie die mexikanischen Outlaws, die zum Standardpersonal des italienischen Westerns gehören. Ihr Überfall auf Saavedra und seine Soldaten, während diese eine Schlucht durchqueren, könnte ebenso gut ein Überfall auf die US-Kavallerie in einem Canyon in New Mexico sein.

Der Weg der italienischen Filmindustrie vom Peplum zum Western wird oft als eine Entwicklung vom Camp zur Coolness beschrieben. An einem Crossover-Film wie diesem zeigt sich aber, dass die beiden Genres mitunter gar nicht so weit voneinander entfernt waren. Hinzu kommt, dass auch der Spaghetti-Western selbst immer eine entschieden campy Seite aufwies und seine Vorliebe für maskierte Helden à la Zorro nie ganz aufgab. Immerhin wurden in Italien und Spanien mindestens achtzehn Zorro-Flicks produziert, zu denen noch die insbesondere in Italien üblichen Parodien hinzukamen – von Zorro-Epigonen wie El Coyote und Starblack ganz zu schweigen.³

Ebenso wenig blieb Zorro contro Maciste der einzige Western-Peplum. Es folgten noch Sansone e il tesoro degli Incas (1964), ebenfalls mit Alan Steel, und Tre pistole contro Cesare (1967).

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¹ Daher auch der Name: Ein πέπλος (Peplos) war ein Frauengewand im antiken Griechenland.

² Seitdem ist die Figur wieder zu ihren Ursprüngen zurückgekehrt. Mittlerweile ist man sich weitgehend einig, dass Zorro nach Kalifornien gehört.

³ So war auch Pierre Brice schon in L’invincibile cavaliere mascherato (1963), ebenfalls von Umberto Lenzi, als Zorro-Verschnitt aufgetreten. Der verwirrte deutsche Verleih verpasste diesem Film den unpassenden Titel Robin Hood in der Stadt des Todes.

26. Juni 2026

Revenge of the Virgins (1959)

Regie: Peter Perry Jr. · Drehbuch: Ed Wood · Musik: Guenther Kauer · Kamera: Gene Gropper, Vilis Lapenieks · Produktion: Radio Voice of America.

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Melvin Potter (Charles Veltmann Jr.) ist ein Greenhorn und frisch verheiratet. Seine Frau Ruby (Jodean Lawrence) plant, einen Saloon zu kaufen, denn das würde sie in dem Wildweststädtchen, in dem die Potters soeben eingetroffen sind, zur „queen of the beehive“ machen. Melvin gefällt dieser Plan ganz und gar nicht. Da passt es ihm recht gut, auf den trinkfesten Goldsucher Pan Taggart (Stanton Pritchard) zu treffen, denn der erzählt ihm eine Geschichte, die, so ist Melvin überzeugt, auch Ruby interessieren wird: In einem Flusstal namens Gold Creek gebe es ein üppiges Goldvorkommen, das Taggart einst entdeckt habe. Da Taggart das Placer, das in einer gefährlichen Gegend liegt, allein nicht ausbeuten konnte, bietet er den Potters an, sie für tausend Dollar (und reichlich Whiskey) nach Gold Creek zu führen. Trotz Rubys Skepsis geht Melvin begeistert darauf ein. Zum Schutz der Expedition engagiert er die halbseidenen Revolvermänner Wade Condon (Ralph Cookson) und Mike Horton (Louis Massad).

Besonders harmonisch geht es in dem illustren Trüppchen nicht zu. Condon und Horton planen, die Potters zu ermorden, um das Gold selber einsacken zu können. Als sie schon Anstalten machen, ihr sinistres Vorhaben in die Tat umzusetzen, tauchen wie aus dem Nichts plötzlich zwei Kavalleristen (Del Monroe und Hugo Stanger) auf. Die beiden behaupten, verirrte Kundschafter aus Fort Apache zu sein. Da Fort Apache aber viel zu weit entfernt liegt, ist klar, dass sie desertiert sind. Taggart verdächtigt Condon und Horton, die soldier boys zu kennen und das scheinbar zufällige Treffen arrangiert zu haben, um gegenüber Taggart und den Potters in der Überzahl zu sein. Das stimmt zwar nicht, aber die Deserteure hören, wie Taggart im Schlaf von Gold redet. Sie denken sich den Rest, trennen sich von der Gruppe und folgen ihr heimlich, um sie im passenden Augenblick ausrauben zu können.

Auch Ruby Potter scheint ihre eigenen Pläne zu haben. Gegenüber Condon erklärt sie, auf der Seite desjenigen zu sein, der ihr am meisten bietet. Der einzige, der von all den Komplotten nichts ahnt und naiv von seinem und Rubys künftigem Reichtum träumt, ist Melvin, das unverbesserliche Greenhorn.

Eigentlich hat das illustre Trüppchen auch ein ganz anderes Problem. Gold Creek wird nämlich von sieben indigenen Kriegerinnen bewacht, deren Anführerin Yellow Gold (Nona Carver) eine als Baby entführte Weiße ist. Und die Mädels haben eine tiefsitzende Abneigung gegen Prospektor*innen, die in ihrem Land herumschleichen. So kommt es, dass die Mitglieder der verkrachten Expedition, schön eins nach dem anderen, mit wohlgezielten Pfeilschüssen aus dem Hinterhalt erlegt werden.

Das Drehbuch von Revenge of the Virgins hat kein anderer als Ed Wood verfasst, der hier unter dem Künstlernamen Pete La Roche in Erscheinung tritt. Zum Unikat wird der Flick dadurch, dass es sich um einen im Western-Gewand daherkommenden nudie cutie handelt. So wurden in den Fünfzigern und frühen Sechzigern Filme genannt, die (unter einem mal mehr, mal weniger überzeugenden Vorwand) nackte Frauenbrüste zeigten. Zur Zeit des in Hollywood herrschenden Hays Code waren nudie cuties, die in der Regel keine Sexszenen enthalten, eine der wenigen Möglichkeiten, weibliche Nacktheit im Film darzustellen.¹

In Revenge of the Virgins lautet die Erklärung fürs Nackigsein, dass es in Kalifornien indigene Gesellschaften gegeben habe, die auf steinzeitlichem Kulturniveau lebten.² So erklärt es ein von Kenne Duncan gesprochener Prolog, der sich anhört, als stammten seine Informationen aus einem schlecht gealterten Konversationslexikon. Der Verweis auf die Steinzeit genügt offenbar, um die Hüterinnen von Gold Creek barbusig herumlaufen zu lassen. Wenn Yellow Gold und ihre Mädels nicht gerade mit der Jagd auf goldgierige Weiße beschäftigt sind, wird das so ins Bild gesetzt, dass sie täppisch choreografierte Kreistänze aufführen.

Andererseits: Dafür, dass der alleinige Zweck dieses Films ist, nackte Brüste zu zweigen, weist er erstaunlich viel Handlung auf. Die Streitereien und Intrigen innerhalb der Gruppe der Goldsucher*innen sind mit einer gewissen Glaubwürdigkeit dargestellt und könnten ganz ähnlich auch in einem ‚normalen‘ Western der fünfziger Jahre vorkommen. Dass zwischen diesen vertrauten Szenen immer wieder halbnackte Bogenschützinnen auftauchen (deren Darstellerinnen übrigens niemand abnimmt, dass sie indigene Frauen sein sollen), hat deshalb fast schon etwas von surrealistischer Montage.

Was die handwerkliche Seite angeht, bietet Revenge of the Virgins genau das, was Freund*innen von Ed Woods Kino Vergnügen bereitet: Die Aufnahmen mit den Kriegerinnen entstanden getrennt vom restlichen Filmmaterial, ohne dass auf die Kontinuität geachtet wurde. Wo immer die Kriegerinnen und Mitglieder der Gold-Expedition gemeinsam im Bild zu sehen sind, werden letztere leicht erkennbar von Doubles dargestellt.³ Nachtszenen wurden im Studio inszeniert, und zwar so, dass durch ungeschickte Beleuchtung die Schatten der Darsteller*innen auf den Leinwandhintergründen zu sehen sind. Der für Geräuscheffekte zuständige Techniker wiederum scheint dem Whiskey ähnlich gern wie Pan Taggart zugesprochen zu haben, denn in einer Szene ist statt dem Knacken eines trockenen Zweigs klirrendes Glas zu hören. Und das alles bekommt man, obwohl Meister Wood nicht mal selber auf dem Regiestuhl saß.

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¹ Die andere Möglichkeit neben den nudie cuties, womit die Optionen auch weitgehend erschöpft waren, stellten pseudokumentarische Filme über Freikörperkultur dar, die zur Zeit von Revenge of the Virgins ebenfalls sehr beliebt waren.

² Wenn das bedeutet, dass der Film in Kalifornien spielt, dann ist Fort Apache allerdings weit weg.

³ Die Außenaufnahmen entstanden auf der Spahn Ranch, die später der Manson Family als Hauptquartier diente.