7. Juni 2026

Scream (1981)

Alternativtitel: The Outing · Regie: Byron Quisenberry · Drehbuch: Byron Quisenberry · Musik: Joseph Conlan · Kamera: Richard Pepin · Schnitt: B. W.  Kestenberg · Produktion: Cal-Com Releasing.

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Vor Scream (1996) war Scream, eine Mischung aus Western und Slasherfilm, die auch unter dem Titel The Outing erschien. Inhaltlich hätte The Outing besser gepasst, aber genretypisch wurde der Flick vor allem als Videoveröffentlichung bekannt, und auf VHS lief er nun mal unter dem Namen Scream, komplett mit Comic-Sans-artigem Schriftzug in der Titelsequenz.

Eine Reisegruppe, begleitet von den Guides Stan (Ethan Wayne) und Rudy (Joseph Alvarado), ist mit Schlauchbooten auf dem Rio Grande unterwegs. Auf dem Programm steht auch eine Übernachtung in einer Geisterstadt, die einen kurzen, aber steilen Fußmarsch vom Ufer entfernt liegt. In der Stadt, nach Einbruch der Dunkelheit, kommen allerdings drei der Touristen auf grausige Weise ums Leben: Zunächst wird Allen (Alvy Moore) erhängt aufgefunden. Dann werden Ross (Gregg Palmer) und John (Hank Worden) mit einem Metzgerbeil ermordet. Die Überlebenden finden sich im Saloon zusammen, wo die üblichen gegenseitigen Verdächtigungen und Anschuldigungen nicht ausbleiben.

Beim ersten Tageslicht eilt die Gruppe zurück ans Ufer, doch die Schlauchboote sind verschwunden. Auf dem Landweg ist die nächste menschliche Ansiedlung, eine Ranch, 30 Meilen entfernt. Als die verzagten Touris wieder in der Geisterstadt eintreffen, tut sich unverhofft eine Möglichkeit zur Rettung auf: Rod (Bobby Diamond) und Jerry (John Nowak), zwei verirrte Motorrad-Ausflügler, hat es ebenfalls in die Stadt verschlagen. Rod erklärt sich bereit, dem Guide Stan sein Motorrad zu überlassen, damit dieser mit Jerry zu der Ranch fahren und Hilfe holen kann.

Gesagt, getan. Aber bei Einbruch der Dämmerung sind Stan und Jerry noch immer nicht zurück; geschweige denn, dass Hilfe eingetroffen ist. In der Nacht geht das fröhliche Morden weiter: Rod ist das nächste Opfer. Um Punkt Mitternacht reitet plötzlich ein Fremder (Woody Strode) in die Stadt. Auf einem Packpferd führt er Jerrys Leiche mit sich. Auf die ängstlichen Fragen der Gruppe, was aus Stan geworden ist, antwortet der Fremde nicht, sondern erzählt nur eine mysteriöse Geschichte über einen Schiffskapitän, mit dem er einst um Kap Hoorn gefahren sei. Dann verschwindet er wieder.

Nach einer Weile kehrt Stan zurück, zu Fuß und scheinbar verletzt. Andy (Bob Macgonigal) rennt allein los, um den Erste-Hilfe-Kasten zu holen, und wird mit einer Axt enthauptet. Kurz darauf wird Bob (Pepper Martin) von einer Sense durchbohrt. Sodann wird Lou (Joe Allaine) von einer unsichtbaren Entität aus dem Saloon nach draußen gezerrt und ist drauf und dran, ebenfalls der Sense zum Opfer zu fallen, als plötzlich Schüsse fallen. Der Fremde ist zurückgekehrt. Kann er den gespenstischen Mörder aufhalten?

Die einfachste Art, einen Horror-Western zu machen, besteht darin, dass man Leute aus der Gegenwart in eine Geisterstadt stolpern lässt, in der sich dann der Wilde Westen auf unheimliche Art als lebendig erweist. Dieses Setting hat den Vorteil, dass man für die Dreharbeiten lediglich für zwei Wochen lang eine Filmranch mieten muss, und wenn die Kulissen schon leicht verfallen aussehen – um so besser. Im Fall von Scream wurden aus den zwei Wochen elf Tage, dann ging das Geld aus. Aber immerhin hatte man mit Hank Worden und Woody Strode zwei in Ehren ergraute Western-Veteranen engagiert. Und das Geisterstadt-Setting ist wenigstens etwas anderes als der übliche maskierte Heini, der im College oder in Suburbia herumschleicht. Wenn das Scream-Team nur mit Cast und Setting wirklich etwas hätte anfangen können. So aber ...

Scream erschien während des Goldenen Zeitalters des Slasher-Genres und gilt weithin als einer der schlechtesten Filme jener Ära. Das ist auch nicht schwer zu verstehen. Seine Story ergibt nicht sonderlich viel Sinn. Vor allem fehlt ihr das Dénouement. Eigentlich ist es unverzichtbarer Bestandteil jedes Slasherfilms, dass man am Ende weiß, woher der Killer kommt, wer er ist und warum er seinen Opfern an den Wickel will. Nicht so in Scream. Da steht man am Ende nur geringfügig schlauer da als zu Beginn.

Klar wird im Laufe des Films, dass der Killer kein Mensch ist, sondern ein unsichtbares Wesen. Aus den Worten von Woody Strodes Charakter lässt sich schließen, dass es sich um den rachsüchtigen Geist des von ihm erwähnten Seekapitäns handelt. Aber wie der in das Städtchen am Rio Grande gelangt ist, warum er nicht friedlich in seinem Grab liegt und vor allem: warum er Tourist*innen nicht leiden kann, das alles bleibt völlig im Dunkeln. Und Woody? Den soll man sich wohl als des Käpt’ns ebenfalls untoten Maat vorstellen. Aber warum man ihn sehen kann und den Kapitän nicht, warum jener diesen aufhalten will und so weiter – ich habe keine Ahnung. Und ich werde den Eindruck nicht los, dass es Byron Quisenberry, dem Macher dieses Films, nicht anders ging.

Quisenberry, zuvor ausschließlich als Stuntman bekannt, war bei Scream zum ersten Mal als Regisseur tätig. Auch das Script stammt von ihm, lag zu Beginn der Dreharbeiten aber noch gar nicht fertig vor. Wie bereits erwähnt, fehlte es der Produktion außerdem an Geld. Nennenswerte Gore-Effekte gibt es in Scream daher nicht zu sehen. Letztlich mangelte es bei Scream an allem: nicht nur an Regieerfahrung und einer tragfähigen Story, sondern auch an shock value von der Art, die zumindest die Horror-Fans etwas versöhnlicher gestimmt hätte. So aber taugt der Film weder als Western noch als Slasher.

Von daher muss man sich Scream wirklich nicht ansehen. Dennoch gilt es im Auge zu behalten: Es gibt zwei Arten von schlechten Filmen. Zum einen die, die gemäß einem »Mit denen kann man’s ja machen«-Kalkül auf die vermeintliche Anspruchslosigkeit des Publikums abzielt, ein Billigprodukt nach dem anderen hervorbringt und irgendwann zu einem Übersättigungseffekt führt. Es gibt aber auch schlechte Filme, bei denen es aus irgendwelchen Gründen (mangelnde Erfahrung, mangelndes Budget, oder schlicht Pech) nicht geklappt hat, obwohl unleugbar eine gewisse Leidenschaft fürs Kino zu spüren ist. Mein Gefühl sagt mir, dass Scream zu der zweiten Sorte gehört. Da wollte wirklich wer einen Film machen – der am Ende leider völlig misslungen ist. Aber es war wenigstens ein ehrliches Scheitern.

9. Mai 2026

The Glenrowan Affair (1951)

Regie: Rupert Kathner · Drehbuch: Rupert Kathner · Kamera: Rupert Kathner, Harry Malcolm · Schnitt: Alex Ezard · Produktion: Australian Action Pictures.

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Ende der vierziger Jahre plante Benalla Film Productions, eine eigens gegründete Firma, einen neuen Flick über den legendären Bushranger Ned Kelly. Er sollte A Message to Kelly heißen und unter der Regie von Harry Southwell entstehen. Für Southwell war es kein neues Thema. Er hatte bereits drei Filme über die Kelly-Bande gedreht (1920, 1923 und 1934), ohne damit allzu erfolgreich gewesen zu sein. Für den vierten Anlauf castete er den Football-Spieler Bob Chitty als Hauptdarsteller. Chitty qualifizierte sich zwar sicher nicht durch sein schauspielerisches Talent für diese Rolle, aber er war immerhin ein local boy aus Victoria. Als Regieassistent wurde Rupert Kathner engagiert. Das wurde dem Film zum Verhängnis, denn wo immer Kathner, der australische Ed Wood, seine Finger im Spiel hatte, folgte unweigerlich ein Debakel.

Nach wenigen Monaten verließ Southwell das Projekt. Kathner rückte auf den Regiestuhl nach, wurde aber kurz darauf von den Finanziers hinter Benalla Film, die ihr Glück lieber mit jemand anderem versuchen wollten, gefeuert. Doch die Geldgeber hatten nicht mit der Rache des Rupert Kathner gerechnet. Kaum entlassen, tauchte er mit einer neuen, eigenen Produktionsgesellschaft wieder auf. Australian Action Pictures verfügte über ein Kapital von 25.000 Pfund (behauptete Kathner jedenfalls¹) und würde einen eigenen Kelly-Flick in die Kinos bringen – natürlich mit Kathner als Regisseur. Und während A Message to Kelly mangels eines besser geeigneten Regie-Nachfolgers gecancelt wurde, wechselte Hauptdarsteller Chitty zu der neuen Produktion, The Glenrowan Affair. Man kann also sagen, Kathner hatte Southwells Film erfolgreich gekapert (allerdings blieb das der einzige wirkliche Erfolg im Zusammenhang mit diesem Streifen).

Der Film wartet mit einer Rahmenhandlung auf: Kathner spielt sich selbst als Maler, der im Busch von Victoria auf der Suche nach Motiven ist.² Auf seinen Wanderungen trifft er einen Old Dinny genannten Greis (Arthur Helmsley), der die große Zeit der Kellys höchstpersönlich miterlebt hat und gegenüber dem Maler in Erinnerungen schwelgt.³

Die eigentliche Handlung besteht größtenteils aus slapstickhaften Episoden, in denen die Kelly-Bande einer kleinen Armee von dusseligen Polizisten wieder und wieder ein Schnippchen schlägt, bis es im Städtchen Glenrowan zum großen Showdown kommt und die Kellys der schieren Übermacht unterliegen. Zwischen diesen Episoden sind von bombastischer Musik begleitete Szenen eingefügt, die stets zeigen, wie die Banditen kreuz und quer durch den Busch reiten. Die Musikuntermalung und der komische Ernst dieser Szenen (bei denen der Regisseur selbst hinter der Kamera stand) verraten, dass Kathner wohl tatsächlich den Anspruch hatte, ein veritables Epos über seine Bushranger-Helden zu drehen. Vergeblich. Ein epischer Film benötigt epische Bilder, die dieser Streifen beim besten Willen nicht hat.

The Glenrowan Affair hatte in einem vollbesetzten Saal in Benalla Premiere. Schon nach wenigen Minuten brach das Publikum in spontanes Gelächter aus, das bis zum Ende des Films (und darüber hinaus) anhielt – ein zeitgenössischer Kritiker sprach von einem »riot of laughter«.⁴ Während der Vorführung wurden Spenden zur Unterstützung der Opfer von Buschfeuern gesammelt. Es kamen immerhin 400 Pfund zusammen. So gesehen hat Kathners Film dann doch etwas erreicht. Und einen vollen Kinosaal zum Lachen zu bringen? Das ist mehr, als mancher heutige Blockbuster zustande bringt.

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¹ Wäre ich so notorisch verschuldet wie Kathner, wäre ich mit solchen Verlautbarungen bezüglich meiner Finanzen ja eher vorsichtig ...

² Tatsächlich hatte Kathner in Adelaide Malerei studiert, bevor er sich seinen Weg ins Filmgeschäft erschwindelte.

³ Die Implikation ist, dass Old Dinny kein anderer als Neds Bruder Dan Kelly ist, der (anders als sein historischer Konterpart) die Schießerei in Glenrowan überlebt hat. Als junger Mann wird Dan im Film von Ben Crowe dargestellt.

⁴ Eine Formulierung, die auf zuvor in der Presse geschürte Ängste anspielt, streitlustige Kelly-Fans könnten anlässlich der Premiere Randale machen.

20. April 2026

Strangers at Sunrise (1969)

Regie: Percival Rubens · Drehbuch: Lee Marcus, Percival Rubens · Musik: Colin Campbell · Kamera: Lionel Friedberg · Schnitt: Basil Millward · Produktion: Panorama Films.

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In Filmen wie Untamed (1955) und The Jackals (1967) drohte der Schauplatz Südafrika zu einem simulierten Amerika werden. Anstelle von Comanche und Kiowa gab es Zulu und Tsonga zu sehen, aber sonst blieb alles so, wie man es aus Hollywood kennt. Mit Strangers at Sunrise erschien 1969 schließlich ein in Südafrika gedrehter und produzierter Western mit einem südafrikanischen Regisseur. Die Handlung spielt vor dem Hintergrund des Zweiten Burenkriegs (1899–1902), ist also deutlich in der südafrikanischen Geschichte situiert. Wie in Diamond City (1949) ist das Thema der Konflikt zwischen dem British Empire und den Bur*innen. Die Sympathie gehört hier jedoch ohne Einschränkung der burischen Kriegspartei – eine ideologische Positionierung, die der des älteren Films genau entgegengesetzt ist.

Während Diamond City den burischen Händler Hans Muller als Unruhestifter darstellt (wer Schnaps an Natives verkauft, ist im Western immer böse), zeichnet Strangers at Sunrise das Bild eines friedliebenden Landvolks, das von der imperialistischen britischen Kriegsmaschine überrollt wird. Dabei liegt der Film mit der Behauptung nicht falsch, dass die Gold- und Diamantenfunde in Südafrika auf britischer Seite Begehrlichkeiten weckten, die schließlich zur gewaltsamen Annektion der Burenrepubliken durch das Empire führten.¹ Richtig ist auch, dass die britische Kriegsführung mit ihrer Taktik der verbrannten Erde und ihren Konzentrationslagern für die burische Zivilbevölkerung äußerst brutal war.

Jedoch mangelte es auch der anderen Seite nicht an Brutalität. Burische Kommandos begingen zahlreiche Massaker an Schwarzen und Coloureds, die als Hilfskräfte für die britischen Truppen arbeiteten (denen dies vielleicht aber auch nur unterstellt wurde). Überhaupt gehörte es zum Selbstverständnis der Burenrepubliken, dass allein der afrikaanssprachigen weißen Bevölkerung staatsbürgerlicher Status zukam. Andere Weiße galten als uitlanders, die lediglich geduldet wurden. Die schwarze und coloured Bevölkerung war in den Burenrepubliken völlig entrechtet und lebte quasi in Sklaverei. Letzteres wird von Strangers at Sunrise als selbstverständlich betrachtet. Als einzige schwarze Person kommt eine Oubooi (»alter Junge«) genannte Nebenfigur vor, ein von Simon Sabela gespielter Farmarbeiter. Kurzum: Man merkt, dass der Streifen aus der tiefsten Apartheid stammt.²

Auch der Protagonist von Strangers at Sunrise ist ein uitlander, allerdings einer, der mit der burischen Sache sympathisiert: Grant Merrick (George Montgomery) ist ein amerikanischer Ingenieur, der in den Goldminen Südafrikas arbeitet. Weil er einem burischen Saboteur, Davie Beyers, aus Freundschaft Zuflucht gewährt hat, werden beide von einem britischen Militärgericht zum Tode verurteilt. Aber während Davie tatsächlich hingerichtet wird, kann Merrick fliehen.

Auf der Farm der Familie Beyers findet er Zuflucht.³ Dort lebt Patriarch Paul Beyers (Tromp Terre’Blanche) mit seiner Mutter (Helen Braithwaite), seiner Frau Beth (Beryl Gresak) und Sohn Paulie (Avron Pearson), dem jüngeren Bruder des exekutierten Davie. Bald findet sich auch Davies Frau Julie Beyers (Deana Martin) ein. Merrick macht sich auf der Farm nützlich, indem er sich als Hufschmied und horse wrangler betätigt. Prompt verguckt sich die frisch verwitwete Julie in ihn. Man sollte meinen, dass letzteres in einem burischen, also streng calvinistischen Haushalt für Konflikte sorgen würde, aber nein: Der Konflikt bricht von außen herein, und zwar in Gestalt dreier britischer Soldaten (Brian O’Shaughnessy, George Peters und Roland Robinson). Die sind desertiert, nachdem ihrer Einheit eine blutige Niederlage zugefügt wurde, und zwingen nun die Familie Beyers dazu, sie vor britischen Patrouillen zu verstecken.

Die Briten stellen sich als degenerierte Säufer und Mörder heraus, und je mehr sie die Branntweinvorräte der Farm dezimieren, desto mehr spitzt sich die Lage zu. Aber sie haben nicht mit Grant Merrick gerechnet, der im Laufe des Films vom »man on the run« zum Cowboy mit Beefcake-Faktor (auf der Farm läuft er gern mit entblößtem Oberkörper herum) mutiert, und als solcher natürlich den drei Deserteuren im Showdown gegenübertritt. Damit konterkariert der Film allerdings seine eigene Ideologie: Er stellt die burischen Charaktere als so hilflos dar, dass sie es ohne amerikanische Unterstützung nicht mal mit drei schnapsbenebelten Tommies aufnehmen können.

Merricks Rolle als amerikanischer Verbündeter erklärt sich weniger aus dem historischen Misstrauen der Burenrepubliken gegen uitlanders als aus der Situation Südafrikas im Kalten Krieg. In den fünfziger Jahren sah Washington das Apartheid-Regime als Verbündeten im Kampf gegen den Kommunismus. Zur Entstehungszeit des Films waren die vormals engen Beziehungen allerdings etwas abgekühlt, da die Forderungen der Bürgerrechtsbewegung auch im State Department nicht mehr vollständig ignoriert werden konnten. 1963 schlossen die USA sich dem von den UN verhängten Waffenembargo gegen Südafrika an. So drückt sich in der Wahl eines amerikanischen Helden für Strangers at Sunrise wohl auch der Wunsch des weißen Südafrikas aus, der nicht mehr ganz so zuverlässige transatlantische Verbündete möge wieder der Alte werden.

Ausgesprochen skurril ist die Rolle Deana Martins. Ich muss zugeben, dass ich nicht verstanden habe, ob sie eine Südafrikanerin oder ebenfalls eine eingewanderte Amerikanerin darstellen soll. Eine Szene des Films deutet auf letzteres hin: Julie singt »O! Susanna« und begleitet sich dabei auf dem Harmonium – man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll. Eine Nacktszene mit Martin wurde von der (im Apartheid-Staat sehr einflussreichen) reformierten Kirche beanstandet und musste geschnitten werden. So blieb es George Montgomerys Privileg, auf der Beyers-Farm oben ohne herumzulaufen.

Letztlich ist Strangers at Sunrise nicht nur ideologisch fragwürdig, sondern auch als Genrefilm, dessen Western-Elemente zu seiner burisch-nationalistischen Botschaft nicht wirklich passen wollen. Meines Wissens handelt es sich um den bislang letzten Versuch eines südafrikanischen Western aus weißer Perspektive. Man ist versucht zu sagen: Hoffentlich bleibt er das auch.

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¹ Nicht zu vergessen Cecil Rhodes’ Fieberträume von einem britischen Afrikareich, das vom Kap bis nach Kairo reichen sollte. Da waren die Burenrepubliken schlicht im Weg.

² 1969 war John Vorster Premierminister von Südafrika. Seine politische Laufbahn hatte im paramilitärischen Flügel der mit Nazi-Deutschland sympathisierenden Organisation Ossewabrandwag begonnen. Für Vorster war der burische Nationalismus nichts anderes als die südafrikanische Variante des Nationalsozialismus. In seine Amtszeit fiel die brutale Niederschlagung des Aufstands in Soweto (1976), bei der weiße Polizisten hunderte von schwarzen Schulkindern erschossen. Das Leben unter dem Apartheid-Regime war, wie er sagte, ein Leben im »glücklichsten Polizeistaat der Welt«.

³ Allerdings: Wenn Merrick wegen der Unterstützung von Davie Beyers verurteilt wurde, würde man dann nicht auf der Farm, die dessen Eltern gehört, zuerst nach ihm suchen? Nun ja. Der Film will halt unbedingt eine Western-Geschichte des Typs »Fremder verteidigt eine Farm, auf der er eigentlich nur zu Gast ist« erzählen.

7. April 2026

Graf Bobby, der Schrecken des Wilden Westens (1966)

Regie: Paul Martin · Drehbuch: Kurt Nachmann, Robert Oxford · Musik: Heinz Gietz · Kamera: Sepp Ketterer · Schnitt: Arnd Heyne · Produktion: Sascha-Film.

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Graf Robert »Bobby« Pinelski (Peter Alexander) führt eine Besichtigungsgruppe durch sein Wiener Schloss, muss aber feststellen, dass sämtliche Teilnehmer der Tour Gläubiger sind, die des Grafen überfällige Schulden eintreiben wollen. Da kommt Post aus Amerika nicht ungelegen: Bobbys Auswanderer-Onkel Johann, genannt der blaue Jo, hat sich in die ewigen Jagdgründe gesoffen und vermacht seinem Neffen eine Goldmine in Devils Town, Arizona.

Begleitet von seinem Busenfreund Baron Mucki von Kalk (Gunther Philipp) reist Bobby nach Devils Town. Er ahnt nicht, dass der Winkeladvokat Doc Harper (Vladimir Medar) sich das Erbe unter den Nagel reißen will. Harper beauftragt einen Trupp Banditen, Bobby und Mucki noch vor ihrer Ankunft in der Stadt auszulöschen. Zugleich setzt er Sheriff Miller (Dragomir Felba) unter Druck, ein Dokument zu beglaubigen, das Harper für den Fall von Bobbys Tod die Mine überschreibt. Aber der Sheriff zögert noch. Seine Tochter Milly Miller (Olga Schoberová), die ebenso willensstark ist wie ihr Alter wankelmütig, beschwört ihn, sich nicht auf Harpers Machenschaften einzulassen.

Mehr durch Glück als durch Verstand überleben Bobby und Mucki den Anschlag der Banditen und treffen in Devils Town ein, wo sie im »Kaffeehaus« von Jezabel (Hanne Wieder) einkehren. Jezabel engagiert die zwei Wiener als Barkeeper und Klavierheini, da die vorherigen Inhaber dieser Positionen an der stark bleihaltigen Luft von Devils Town gestorben sind. Zeigen sich Bobby und Mucki zunächst noch leicht überfordert mit ihrer Akkulturation an den Wilden Westen, gelingt es ihnen mit Hilfe eines Koffers voller Scherzartikel bald, der Stadtbevölkerung weiszumachen, dass Bobby ein gefährlicher Revolvermann ist. Gemeinsam mit Milly findet Bobby schließlich heraus, warum Harper so scharf auf die Mine ist: Er betreibt darin eine lukrative Schnapsbrennerei.

Moment ... warum sollte Harper sich die Mühe machen, seine Schnapsbrennerei geheim zu halten, wenn er doch einfach in einer Hütte in der Stadt billigen Fusel brennen und verkaufen könnte? Die Antwort ist: Im Drehbuch dieses Films ging man offenbar davon aus, dass die Prohibitionszeit bereits 50 Jahre früher begann, als es tatsächlich der Fall war. Somit spielt der Streifen in einem Westen, in dem die Herstellung von Schnaps verboten war. Das ist skurril, aber letztlich auch nicht merkwürdiger als viele andere Behauptungen, die in Euro-Produktionen über die Wildwestgeschichte aufgestellt wurden.

Der Schrecken des Wilden Westens ist der dritte Graf-Bobby-Film mit Peter Alexander¹ und das zweite Mal, dass es einen österreichischen Schlagersänger in die Gefilde westlich von St. Louis verschlug, denn zuvor knödelte sich schon Freddy Quinn durch die Prärie.² Im Vergleich zu diesem hat Peter Alexander den nicht unerheblichen Vorteil, dass er schauspielern kann. Was die Gesangseinlagen angeht, sind sie im einen wie im anderen Fall Geschmackssache – womit ich sagen will: Mein Geschmack sind sie nicht, aber was soll’s.

Bedauerlicher finde ich, dass der Streifen den Western als Genre (nicht als Historie, das ohnehin nicht) zu wenig ernst nimmt. Klar, solche Kapriolen wie die, dass Graf Bobby sich mittels Scherzartikeln einen Ruf als gunfighter erwirbt, sind in einem Film wie diesem ein Stück weit unumgänglich. Aber man hätte aus Gründen der Wertschätzung doch wenigstens ein oder zwei ernsthaftere Genre-Zitate hineinmontieren können. Gelegenheit dazu hätte es gegeben: Olly Schoberová sieht in Männerkleidung und mit Kippe im Mundwinkel ziemlich cool aus. Wenn man ihr schon so ein lässiges Kostüm verpasst, warum ihr nicht, statt sie ausschließlich als love interest zu verwenden, eine Handvoll Szenen gönnen, in denen sie sich (im Kontrast zu den gräflichen Tricksereien) als echte Revolverheldin erweist?

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¹ Der erste ist Die Abenteuer des Grafen Bobby (1961), der zweite Das süße Leben des Grafen Bobby (1962), beide unter der Regie Géza von Cziffras entstanden. Falls es jemand wissen muss.

² Sobey Martin, der Regisseur von Freddy und das Lied der Prärie (1964), ist nicht verwandt mit Paul Martin, der bei diesem Film Regie führte. Sobey Martin war (sagen die einen) ein TV-Regisseur aus den USA, der wenig Erfahrung mit Kinofilmen hatte, oder aber ein Pseudonym des italienischen Schauspielers und Regisseurs Carlo Croccolo (sagen die anderen). Der Österreicher Paul Martin hatte dagegen schon seit Beginn der dreißiger Jahre Erfolg mit Revuefilmen und mit Die Goldsucher von Arkansas (1964) bereits einen Western vorgelegt.

31. März 2026

Teenage Monster (1957)

Alternativtitel: Meteor Monster · Regie: Jacques Marquette · Drehbuch: Ray Buffum · Musik: Walter Greene · Kamera: Taylor Byars · Schnitt: Irving Schoenberg · Produktion: Howco.

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Von I Was a Teenage Werewolf (1957) bis Teenagers from Outer Space (1959) – Ende der fünfziger Jahre war es im B-Horror-Geschäft sehr angesagt, Autokino-Gruselflicks so zu betiteln, dass die anvisierte Altersgruppe von vornherein feststand. Besonders im Hause AIP wurde das mit Erfolg praktiziert. Howco, ein auf Double Features spezialisiertes Indie-Studio, wollte da nicht nachstehen und nannte seinen Horror-Western Teenage Monster. Ob das eine gute Idee war? Später, für die TV-Premiere, wurde der Titel vorsichtshalber in Meteor Monster geändert.

Goldsucher Jim Cannon (James McCullough) ist optimistisch, dass er bald einen bedeutenden Fund machen wird. Als er eines Tages gemeinsam mit Söhnchen Charlie (Stephen Parker) seinen Claim bearbeitet, schlägt in der Nähe ein geheimnisvoller Meteorit ein. Jim kommt durch die Strahlung ums Leben. Charlie überlebt, aber er ist entstellt und mutiert im Laufe der nächsten sieben Jahre zu einem zwei Meter großen Unhold mit berserkerhaften Kräften (Gil Perkins). Ruth Cannon (Anne Gwynne), Charlies Mutter, hält ihn in einem alten Minenstollen, den er nicht verlassen darf. Der permanente Hausarrest gefällt Charlie natürlich überhaupt nicht, weshalb er immer wieder ausreißt und in der Gegend umherwandert. Da Charlie seine übermenschliche Kraft kaum beherrschen kann, enden seine Begegnungen mit Mensch und Vieh oft tödlich (für letztere). Und in der nahegelegenen frontier town gehen Gerüchte um über das Monster, das in den Bergen haust.

Als Ruth tatsächlich Gold findet und plötzlich reich ist, kauft sie sich ein luxuriös eingerichtetes Haus in der Stadt. Charlie darf endlich aus dem Minenstollen ausziehen, aber das neue Haus ebenso wenig verlassen wie seine vorige Unterkunft. Natürlich hält er sich wieder nicht daran und unternimmt nächtliche Ausflüge in die Stadt. Damit gibt er den Monster-Gerüchten neue Nahrung, aber Charlie hat im Moment ganz andere Probleme: Bob Lehman (Stuart Wade), der Sheriff, macht Ruth den Hof. Obwohl Ruth Bob immer wieder zu verstehen gibt, dass sie ihn wegen einer »privaten Angelegenheit« nicht heiraten könne, ist Charlie rasend eifersüchtig – die langjährige Isolation hat wohl dazu geführt, dass er seinen Ödipuskomplex nur unzureichend überwinden konnte. Armer Junge!

Bei einem seiner Streifzüge wird Charlie von Kathy North (Gloria Castillo) gesehen. Kathy hatte bisher nicht viel Glück im Leben und muss sich als Kellnerin und Scheuermagd durchschlagen. Zudem ist sie mit Marv Howell (Charles Courtney) als Liebhaber geplagt, der ihr das sauer verdiente Geld abnimmt, um es im Saloon zu verspielen. Ruth besticht Kathy mit Barem, damit sie Charlies Existenz nicht verrät. Außerdem bietet sie ihr an, ins Haus der Cannons zu ziehen und Charlie Gesellschaft zu leisten. Kathy willigt ein. Ihr ist sofort klar, dass sie Ruth finanziell erpressen kann und erstmals Aussicht hat, ihrem bisherigen miserablen Leben zu entkommen. Charlies Naivität und seine gewaltige Kraft bringen Kathy gleich auf eine weitere Idee: Sie schickt ihn los, dem nichtsnutzigen Marv den Garaus zu machen ...

Teenage Monster dürfte einen der marginalsten Beiträge zu einem ohnehin marginalen Subgenre darstellen, wohl auch wegen seines wenig aussagekräftigen Titels, der so gar nicht vermuten lässt, dass der Streifen im Old West spielt. B-Horror-Western wie dieser wurden von der Kritik regelmäßig als »silly nonsense« (Variety) abgetan, aber das ändert nichts daran, dass ich solche Genre-Panscherei recht gern mag.

Man muss solche Filme nehmen, wie sie sind, mit all ihren Macken. Zu den Macken von Teenage Monster gehört, dass sich in einer bei Nacht spielenden Szene Tag- und Nachtaufnahmen abrupt abwechseln. Und dass offenbar das Budget zu wenig Geld für Innenkulissen hergab, weshalb die Charaktere vertrauliche Gespräche auf offener Straße führen. Noch viel weniger Geld sah das Budget für den Meteoriten vor, der unschwer als Wunderkerze zu erkennen ist, die vor der Kamera bewegt wird. Na ja, und dann ist da das gigantische plot hole dieses Flicks: In all der Zeit soll keine*r der Stadtbewohner*innen Ruth einfach mal gefragt haben, was nach Jims tragischem Tod eigentlich aus ihrem Sohn Charlie geworden ist?

Das alles ist nicht schlimm. Im Gegenteil, es trägt sogar zum Charme eines Films wie Teenage Monster bei. Jedoch gibt es eine feste Regel, die ein solcher Streifen unbedingt beachten muss: Das Monster selbst muss überzeugend sein. Damit meine ich nicht, dass die Special Effects, mit deren Hilfe das Monster zum Leben erweckt wird, überzeugend sein müssen. Ganz im Gegenteil, die können skurril oder unbeholfen wirken, ohne dass dies der Wirkung des Films unbedingt abträglich ist.¹ Ich meine die Idee und die Darstellung des Monsters selbst. Damit hapert es bei Teenage Monster leider ziemlich. Wenn die Idee ist, dass sich hinter Charlies entstelltem Äußeren ein liebeshungriger Teenager verbirgt, dann muss das in seiner Darstellung irgendwie rüberkommen. Tut es aber leider nicht, denn Charlie wird von Gil Perkins gespielt, einem zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 50 Jahre alten Stuntman. Als pubertierender Jüngling ist Perkins völlig unglaubwürdig – und so etwas schadet einem Monsterflick weitaus mehr als budgetbedingte Filmfehler und billiges Make-up.

Gut besetzt sind dagegen Anne Gwynne als Ruth und Gloria Castillo als Kathy. Besonders letztere hat bei mir einen Sympathiebonus, denn ich kann es ihr nicht verübeln, dass sie aus der Begegnung mit Charlie ein besseres Leben für sich herauszuschlagen versucht (und nebenbei ihren lästigen Macker loswerden will). Am Ende verlangt die Konvention des B-Horrorfilms (weniger die des Westerns) natürlich, dass Kathy für ihre Transgression bestraft wird. Eigentlich unnötig. Ich hätte ihr ja gewünscht, dass sie mit einem Koffer voller Dollars eine Postkutsche besteigt und die Stadt verlässt.

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¹ In diesem Film sind sie sogar vergleichsweise aufwändig, denn Charlie trägt eine Maske von Jack Pierce, dem berühmten Monstermacher der Universal Studios.