26. Juni 2026

Revenge of the Virgins (1959)

Regie: Peter Perry Jr. · Drehbuch: Ed Wood · Musik: Guenther Kauer · Kamera: Gene Gropper, Vilis Lapenieks · Produktion: Radio Voice of America.

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Melvin Potter (Charles Veltmann Jr.) ist ein Greenhorn und frisch verheiratet. Seine Frau Ruby (Jodean Lawrence) plant, einen Saloon zu kaufen, denn das würde sie in dem Wildweststädtchen, in dem die Potters soeben eingetroffen sind, zur »queen of the beehive« machen. Melvin gefällt dieser Plan ganz und gar nicht. Da passt es ihm recht gut, auf den trinkfesten Goldsucher Pan Taggart (Stanton Pritchard) zu treffen, denn der erzählt ihm eine Geschichte, die, so ist Melvin überzeugt, auch Ruby gefallen wird: In einem Flusstal namens Gold Creek gebe es ein üppiges Goldvorkommen, das Taggart einst entdeckt habe. Da Taggart das Placer, das in einer gefährlichen Gegend liegt, allein nicht ausbeuten konnte, bietet er den Potters an, sie für tausend Dollar (und reichlich Whiskey) nach Gold Creek zu führen. Trotz Rubys Skepsis geht Melvin begeistert darauf ein. Zum Schutz der Expedition engagiert er die halbseidenen Revolvermänner Wade Condon (Ralph Cookson) und Mike Horton (Louis Massad).

Besonders harmonisch geht es in dem illustren Trüppchen nicht zu. Condon und Horton planen, die Potters zu ermorden, um das Gold selber einsacken zu können. Als sie schon Anstalten machen, ihr sinistres Vorhaben in die Tat umzusetzen, tauchen wie aus dem Nichts plötzlich zwei Kavalleristen (Del Monroe und Hugo Stanger) auf. Die beiden behaupten, verirrte Kundschafter aus Fort Apache zu sein. Da Fort Apache aber viel zu weit entfernt liegt, ist klar, dass sie desertiert sind. Taggart verdächtigt Condon und Horton, die soldier boys zu kennen und das scheinbar zufällige Treffen arrangiert zu haben, um gegenüber Taggart und den Potters in der Überzahl zu sein. Das stimmt zwar nicht, aber die Deserteure hören, wie Taggart im Schlaf von Gold redet. Sie denken sich den Rest, trennen sich von der Gruppe und folgen ihr heimlich, um sie im passenden Augenblick ausrauben zu können.

Auch Ruby Potter scheint ihre eigenen Pläne zu haben. Gegenüber Condon erklärt sie, auf der Seite desjenigen zu sein, der ihr am meisten bietet. Der einzige, der von all den Komplotten nichts ahnt und naiv von seinem und Rubys künftigem Reichtum träumt, ist Melvin, das unverbesserliche Greenhorn.

Eigentlich hat das illustre Trüppchen auch ein ganz anderes Problem. Gold Creek wird nämlich von sieben indigenen Kriegerinnen bewacht, deren Anführerin Yellow Gold (Nona Carver) eine als Baby entführte Weiße ist. Und die Mädels haben eine tiefsitzende Abneigung gegen Prospektor*innen, die in ihrem Land herumschleichen. So kommt es, dass die Mitglieder der verkrachten Expedition, schön eins nach dem anderen, mit wohlgezielten Pfeilschüssen aus dem Hinterhalt erlegt werden.

Das Drehbuch von Revenge of the Virgins hat kein anderer als Ed Wood verfasst, der hier unter dem Künstlernamen Pete La Roche in Erscheinung tritt. Zum Unikat wird der Flick dadurch, dass es sich um einen im Western-Gewand daherkommenden nudie cutie handelt. So wurden in den Fünfzigern und frühen Sechzigern Filme genannt, die (unter einem mal mehr, mal weniger überzeugenden Vorwand) nackte Frauenbrüste zeigten. Zur Zeit des in Hollywood herrschenden Hays Code waren nudie cuties, die in der Regel keine Sexszenen enthalten, eine der wenigen Möglichkeiten, weibliche Nacktheit im Film darzustellen.¹

In Revenge of the Virgins lautet die Erklärung fürs Nackigsein, dass es in Kalifornien indigene Gesellschaften gegeben habe, die auf steinzeitlichem Kulturniveau lebten.² So erklärt es ein von Kenne Duncan gesprochener Prolog, der sich anhört, als stammten seine Informationen aus einem schlecht gealterten Konversationslexikon. Der Verweis auf die Steinzeit genügt offenbar, um die Hüterinnen von Gold Creek barbusig herumlaufen zu lassen. Wenn Yellow Gold und ihre Mädels nicht gerade mit der Jagd auf goldgierige Weiße beschäftigt sind, wird das so ins Bild gesetzt, dass sie täppisch choreografierte Kreistänze aufführen.

Andererseits: Dafür, dass der alleinige Zweck dieses Films ist, nackte Brüste zu zweigen, weist er erstaunlich viel Handlung auf. Die Streitereien und Intrigen innerhalb der Gruppe der Goldsucher*innen sind mit einer gewissen Glaubwürdigkeit dargestellt und könnten ganz ähnlich auch in einem ›normalen‹ Western der fünfziger Jahre vorkommen. Dass zwischen diesen vertrauten Szenen immer wieder halbnackte Bogenschützinnen auftauchen (deren Darstellerinnen übrigens niemand abnimmt, dass sie indigene Frauen sein sollen), hat deshalb fast schon etwas von surrealistischer Montage.

Was die handwerkliche Seite angeht, bietet Revenge of the Virgins genau das, was Freund*innen von Ed Woods Kino Vergnügen bereitet: Die Aufnahmen mit den Kriegerinnen entstanden getrennt vom restlichen Filmmaterial, ohne dass auf die Kontinuität geachtet wurde. Wo immer die Kriegerinnen und Mitglieder der Gold-Expedition gemeinsam im Bild zu sehen sind, werden letztere leicht erkennbar von Doubles dargestellt.³ Nachtszenen wurden im Studio inszeniert, und zwar so, dass durch ungeschickte Beleuchtung die Schatten der Darsteller*innen auf den Leinwandhintergründen zu sehen sind. Der für Geräuscheffekte zuständige Techniker wiederum scheint dem Whiskey ähnlich gern wie Pan Taggart zugesprochen zu haben, denn in einer Szene ist statt dem Knacken eines trockenen Zweigs klirrendes Glas zu hören. Und das alles bekommt man, obwohl Meister Wood nicht mal selber auf dem Regiestuhl saß.

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¹ Die andere Möglichkeit neben den nudie cuties, womit die Optionen auch weitgehend erschöpft waren, stellten pseudokumentarische Filme über Freikörperkultur dar, die zur Zeit von Revenge of the Virgins ebenfalls sehr beliebt waren.

² Wenn das bedeutet, dass der Film in Kalifornien spielt, dann ist Fort Apache allerdings weit weg.

³ Die Außenaufnahmen entstanden auf der Spahn Ranch, die später der Manson Family als Hauptquartier diente.

14. Juni 2026

Tre pistole contro Cesare (1967)

Deutscher Titel: Drei Pistolen gegen Cesare · Regie: Enzo Peri · Drehbuch: Enzo Peri, Piero Regnoli · Musik: Marcello Giombini · Kamera: Otello Martelli · Schnitt: Adriana Novelli · Produktion: Casbah Film, Dino De Laurentiis Cinematografica.

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Whittaker »Whitty« Selby (Thomas Hunter) erfährt, dass er von seinem verstorbenen Vater eine Goldmine in Laredo geerbt hat. Dem Testament liegt das Foto eines Mädchens bei, das Whittys Halbschwester Mady (Delia Boccardo) zeigt, die er noch nie gesehen hat. In Laredo erfährt Whitty noch mehr über seine Familienverhältnisse: Er hat neben Mady zwei Halbbrüder, die die gleiche Nachricht wie er bekommen haben. Der eine ist Étienne Devereaux (Nadir Moretti), Sohn einer französischen Mutter. Der andere ist Lester Koto (James Shigeta), Sohn einer japanischen Mutter. Mady, die Schwester, ist in einem Saloon in Laredo als Sängerin tätig, wird von den Brüdern aber zunächst nicht erkannt.

Angekommen bei der Goldmine, erwartet die Brüder gleich die nächste Überraschung. Sie treffen dort auf Stanford (Vittorio Bonos), einen schrulligen Minenarbeiter ihres Vaters. Stanford erzählt den Brüdern, dass in der Mine nie Gold gefunden worden sei. Außerdem eröffnet er ihnen, dass ein in der Nähe residierender Großgrundbesitzer, Julius Caesar Fuller (Enrico Maria Salerno), hinter dem Land her ist, auf dem sich die Mine befindet.

Julius Caesar Fuller ist die eigentliche Attraktion des Films. Er residiert in einem Herrenhaus mit Säulenvorbau, das auf einem Felsplateau steht. Zum Haus hinauf führt ein mechanischer Fahrstuhl. Fuller kleidet sich gern in einen Purpurmantel und lässt sich in seinem Dampfbad von einer Schar spärlich bekleideter Sklavinnen bedienen. Zu seinem Schutz unterhält er eine Prätorianergarde, die aus schwarz uniformierten Revolvermännern besteht. Kurz gesagt, der alte Julius macht seinem Namen alle Ehre.

Whitty, Étienne und Lester sind zunächst entschlossen, es mit Fuller aufzunehmen, wertlose Mine hin oder her. Dazu sind sie auch bestens geeignet: Whitty ist ein tödlicher Schütze, ausgestattet mit einer vierläufigen Pistole und zwei Revolvern, die einen zusätzlichen Lauf im Griff haben. Étienne verfügt über hypnotische Fähigkeiten. Wer auf ihn schießen will, erstarrt unter seinem magnetischen Blick. Und Lester ist ein gefürchteter Karateka. Fuller allerdings hat noch ganz andere Tricks auf Lager.

Der Imperator schickt seine Komplizin Debra Smith (Gianna Serra) zu den Brüdern. Sie gibt sich als deren Halbschwester Mady aus und lädt sie zu einem Topf Gulasch auf ihre Farm ein. Um ein Haar schafft Debra es, Étienne und Lester zu überreden, den Kampf sein zu lassen und gemeinsam mit ihr aus Laredo fortzugehen. Whitty, den das Gulasch offenbar weniger beeindruckt hat, verlässt erzürnt Debras Haus und wird von Fullers Prätorianern gefangen genommen. Da trifft die echte Mady auf der Farm ein, verprügelt Debra und erinnert Étienne und Lester daran, was sie ihrem Halbbruder und ihrer Halbschwester schuldig sind.

Étienne und Lester versehen sich mit ein paar Stangen Dynamit aus der väterlichen Mine und reiten zu Fullers Anwesen. Unterstützt werden sie von dem alten Stanford, der mit einer Arkebuse mit Luntenschloss bewaffnet ist. Zu Whittys Rettung bleibt ihnen wenig Zeit, denn Fuller ist gerade dabei, ihn halbnackt auf offener Flamme rösten zu lassen. Aber natürlich gelingt die Befreiung und liefert Whitty zudem einen Vorwand, für den Rest des Films seinen durchtrainierten Oberkörper zu präsentieren. Die Brüder gehen zum offenen Angriff auf Fuller und seine Prätorianer über ...

Wie sich schon an der Handlung erkennen lässt, ist Tre pistole contro Cesare Quatsch mit Soße. Aber es ist überwiegend unterhaltsamer Quatsch. Wie oft bei solchen Filmen ist das Problem, dass die Soße stellenweise zu dick aufgetragen wurde. Aber zunächst zu den unbestreitbaren Vorzügen des Streifens. Der Antagonist, der sich für Cäsar hält, ist eine gute Idee, die auch recht einfallsreich umgesetzt wird. Spätere Italo-Westernkomödien, wie sie im Zuge der Trinity-Welle entstanden, hätten wahrscheinlich der Versuchung nicht widerstanden, eine Figur wie Fuller als nebensächlichen Gag einzusetzen und sich ansonsten auf Klamauk und überlange Kloppereien zu konzentrieren. Hier wird die Idee tatsächlich durchgezogen und von Enrico Maria Salerno angemessen theatralisch dargestellt. Auch Umberto D’Orsi als Fullers rechte Hand Bronson spielt seine Rolle mit Gusto.

Ich nehme an, der restliche Cast erhielt ebenfalls die Anweisung »to play it straight«, macht aber in vielen Szenen eher verblüffte Gesichter. Ich kann es den Darsteller*innen nicht übelnehmen. Sie werden sich mehr als einmal gefragt haben, in was für einem Streifen sie da eigentlich gelandet sind. Zumal die Dreharbeiten, einzigartig für einen Western, in Bou Saâda in Algerien stattfanden. Aber gerade der ungewöhnliche Drehort (mal ’ne Abwechslung zu Almería, Abruzzo und Kroatien) trägt dazu bei, den Film interessant zu machen.

Gelegentlich treibt Tre pistole contro Cesare es etwas zu weit. Eine Gesangseinlage und eine von Femi Benussi, die Fullers Sklavin Tula spielt, aufgeführte Bauchtanznummer lassen vermuten, dass zusätzlich zu allem anderen auch noch die Nähe von Musikwestern wie Little Rita nel West (1967) und Lola Colt (1967) gesucht wurde. Meines Erachtens hätte der Film besser daran getan, sich auf seine skurrilen Figuren und die ungewöhnliche Location zu beschränken, die für sich schon amüsant genug sind. Im Gesamteindruck ist Tre pistole contro Cesare aber eine durchaus gelungene Western-Groteske.

7. Juni 2026

Scream (1981)

Alternativtitel: The Outing · Regie: Byron Quisenberry · Drehbuch: Byron Quisenberry · Musik: Joseph Conlan · Kamera: Richard Pepin · Schnitt: B. W.  Kestenberg · Produktion: Cal-Com Releasing.

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Vor Wes Cravens Scream (1996) war Scream, eine Mischung aus Western und Slasherfilm, die auch unter dem Titel The Outing erschien. Inhaltlich hätte The Outing besser gepasst, aber genretypisch wurde der Flick vor allem als Videoveröffentlichung bekannt, und auf VHS lief er nun mal unter dem Namen Scream, komplett mit Comic-Sans-artigem Schriftzug in der Titelsequenz.

Eine Reisegruppe, begleitet von den Guides Stan (Ethan Wayne) und Rudy (Joseph Alvarado), ist mit Schlauchbooten auf dem Rio Grande unterwegs. Auf dem Programm steht auch eine Übernachtung in einer Geisterstadt, die einen kurzen, aber steilen Fußmarsch vom Ufer entfernt liegt. In der Stadt, nach Einbruch der Dunkelheit, kommen allerdings drei der Touristen auf grausige Weise ums Leben: Zunächst wird Allen (Alvy Moore) erhängt aufgefunden. Dann werden Ross (Gregg Palmer) und John (Hank Worden) mit einem Metzgerbeil ermordet. Die Überlebenden finden sich im Saloon zusammen, wo die üblichen gegenseitigen Verdächtigungen und Anschuldigungen nicht ausbleiben.

Beim ersten Tageslicht eilt die Gruppe zurück ans Ufer, doch die Schlauchboote sind verschwunden. Auf dem Landweg ist die nächste menschliche Ansiedlung, eine Ranch, 30 Meilen entfernt. Als die verzagten Touris wieder in der Geisterstadt eintreffen, tut sich unverhofft eine Möglichkeit zur Rettung auf: Rod (Bobby Diamond) und Jerry (John Nowak), zwei verirrte Motorrad-Ausflügler, hat es ebenfalls in die Stadt verschlagen. Rod erklärt sich bereit, dem Guide Stan sein Motorrad zu überlassen, damit dieser mit Jerry zu der Ranch fahren und Hilfe holen kann.

Gesagt, getan. Aber bei Einbruch der Dämmerung sind Stan und Jerry noch immer nicht zurück; geschweige denn, dass Hilfe eingetroffen ist. In der Nacht geht das fröhliche Morden weiter: Rod ist das nächste Opfer. Um Punkt Mitternacht reitet plötzlich ein Fremder (Woody Strode) in die Stadt. Auf einem Packpferd führt er Jerrys Leiche mit sich. Auf die ängstlichen Fragen der Gruppe, was aus Stan geworden ist, antwortet der Fremde nicht, sondern erzählt nur eine mysteriöse Geschichte über einen Schiffskapitän, mit dem er einst um Kap Hoorn gefahren sei. Dann verschwindet er wieder.

Nach einer Weile kehrt Stan zurück, zu Fuß und scheinbar verletzt. Andy (Bob Macgonigal) rennt allein los, um den Erste-Hilfe-Kasten zu holen, und wird mit einer Axt enthauptet. Kurz darauf wird Bob (Pepper Martin) von einer Sense durchbohrt. Sodann wird Lou (Joe Allaine) von einer unsichtbaren Entität aus dem Saloon nach draußen gezerrt und ist drauf und dran, ebenfalls der Sense zum Opfer zu fallen, als plötzlich Schüsse fallen. Der Fremde ist zurückgekehrt. Kann er den gespenstischen Mörder aufhalten?

Die einfachste Art, einen Horror-Western zu machen, besteht darin, dass man Leute aus der Gegenwart in eine Geisterstadt stolpern lässt, in der sich dann der Wilde Westen auf unheimliche Art als lebendig erweist. Dieses Setting hat den Vorteil, dass man für die Dreharbeiten lediglich für zwei Wochen lang eine Filmranch mieten muss, und wenn die Kulissen schon leicht verfallen aussehen – um so besser. Im Fall von Scream wurden aus den zwei Wochen elf Tage, dann ging das Geld aus. Aber immerhin hatte man mit Hank Worden und Woody Strode zwei in Ehren ergraute Western-Veteranen engagiert. Und das Geisterstadt-Setting ist wenigstens etwas anderes als der übliche maskierte Heini, der im College oder in Suburbia herumschleicht. Wenn das Scream-Team nur mit Cast und Setting wirklich etwas hätte anfangen können. So aber ...

Scream erschien während des Goldenen Zeitalters des Slasher-Genres und gilt weithin als einer der schlechtesten Filme jener Ära. Das ist auch nicht schwer zu verstehen. Seine Story ergibt nicht sonderlich viel Sinn. Vor allem fehlt ihr das Dénouement. Eigentlich ist es unverzichtbarer Bestandteil jedes Slasherfilms, dass man am Ende weiß, woher der Killer kommt, wer er ist und warum er seinen Opfern an den Wickel will. Nicht so in Scream. Da steht man am Ende nur geringfügig schlauer da als zu Beginn.

Klar wird im Laufe des Films, dass der Killer kein Mensch ist, sondern ein unsichtbares Wesen. Aus den Worten von Woody Strodes Charakter lässt sich schließen, dass es sich um den rachsüchtigen Geist des von ihm erwähnten Seekapitäns handelt. Aber wie der in das Städtchen am Rio Grande gelangt ist, warum er nicht friedlich in seinem Grab liegt und vor allem: warum er Tourist*innen nicht leiden kann, das alles bleibt völlig im Dunkeln. Und Woody? Den soll man sich wohl als des Käpt’ns ebenfalls untoten Maat vorstellen. Aber warum man ihn sehen kann und den Kapitän nicht, warum jener diesen aufhalten will und so weiter – ich habe keine Ahnung. Und ich werde den Eindruck nicht los, dass es Byron Quisenberry, dem Macher dieses Films, nicht anders ging.

Quisenberry, zuvor ausschließlich als Stuntman bekannt, war bei Scream zum ersten Mal als Regisseur tätig. Auch das Script stammt von ihm, lag zu Beginn der Dreharbeiten aber noch gar nicht fertig vor. Wie bereits erwähnt, fehlte es der Produktion außerdem an Geld. Nennenswerte Gore-Effekte gibt es in Scream daher nicht zu sehen. Letztlich mangelte es bei Scream an allem: nicht nur an Regieerfahrung und einer tragfähigen Story, sondern auch an shock value von der Art, die zumindest die Horror-Fans etwas versöhnlicher gestimmt hätte. So aber taugt der Film weder als Western noch als Slasher.

Von daher muss man sich Scream wirklich nicht ansehen. Dennoch gilt es im Auge zu behalten: Es gibt zwei Arten von schlechten Filmen. Zum einen die, die gemäß einem »Mit denen kann man’s ja machen«-Kalkül auf die vermeintliche Anspruchslosigkeit des Publikums abzielt, ein Billigprodukt nach dem anderen hervorbringt und irgendwann zu einem Übersättigungseffekt führt. Es gibt aber auch schlechte Filme, bei denen es aus irgendwelchen Gründen (mangelnde Erfahrung, mangelndes Budget, oder schlicht Pech) nicht geklappt hat, obwohl unleugbar eine gewisse Leidenschaft fürs Kino zu spüren ist. Mein Gefühl sagt mir, dass Scream zu der zweiten Sorte gehört. Da wollte wirklich wer einen Film machen – der am Ende leider völlig misslungen ist. Aber es war wenigstens ein ehrliches Scheitern.