31. August 2025

The Americano (1955)

Deutscher Titel: Americano · Regie: William Castle · Drehbuch: Guy Trosper · Musik: Roy Webb · Kamera: William E. Snyder · Schnitt: Harry Marker · Produktion: RKO.

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Sam Dent (Glenn Ford) transportiert drei wertvolle Brahman-Bullen nach Brasilien. Er hat vor, sie an den reichen Viehzüchter Barbosa verkaufen. Mit dem Erlös will er im heimatlichen Texas Land für eine Ranch erwerben, auf der er sich mit seinem Bruder (Dan White) und dessen Familie niederlassen will. Doch als Sam in dem Städtchen Boa Vista eintrifft, wo er Barbosa treffen soll, erfährt er, dass dieser ermordet wurde. Sam treibt die Zuchtbullen dennoch weiter zu der Estancia des Toten, denn er hofft, das Geschäft stattdessen mit Barbosas Verwalter Bento Hermany (Frank Lovejoy) abschließen zu können. Der joviale Revolvermann Manuel (César Romero) schließt sich ihm an. Unterwegs werden die beiden zu Freunden, auch wenn Manuels unbekümmerte Art Sam, dem steifen Gringo, manchmal auf die Nerven geht.

Angekommen auf der Estancia in Mato Grosso, findet Sam den Verwalter allerdings bereit, den erhofften Deal mit ihm zu machen. Zugleich teilt Hermany ihm mit, dass sein guter Kumpel Manuel niemand anderes als der berüchtigte Bandit El Gato sei – und der Mörder Barbosas. Doch nach einer Weile dämmert es Sam, dass Hermany nicht nur die Bauern terrorisiert, die sich an den Rändern von Barbosas Land angesiedelt haben, sondern auch einen blutigen Weidekrieg gegen Mariana (Ursula Thiess) führt, die kampfeslustige Besitzerin einer kleineren Estancia in der Nachbarschaft.

Da sollte es Sam doch eigentlich leicht fallen, zwei und zwei zusammenzuzählen: Hermany hat Barbosa umbringen lassen und spielt sich jetzt als Eigentümer von dessen Land auf. Manuel benutzt er als Sündenbock, und Marianas Land will er sich auch noch unter den Nagel reißen. Höchste Zeit also für Sam, sich auf die Seite von Mariana und Manuel zu schlagen und es Hermany heimzuzahlen. Aber weil Sam ja nur seine Bullen verkaufen will, um nach Texas heimkehren zu können, und weil er ein sturer Gringo ist, braucht es noch ein bisschen Zank und Intrigen, bis er endlich so weit ist.

Ähnlich wie The Kangaroo Kid (1950) und Untamed (1955) funktioniert The Americano nach der Formel »Westernhandlung vor ›exotischer‹ Kulisse«. Dementsprechend schlängelt sich immer mal wieder eine Anakonda vorbei, oder ein Tapir streckt seinen Rüssel ins Bild. Auch die Iguaçu-Fälle sind kurz zu sehen. Das Publikum soll ja schließlich begreifen, dass es sich in Südamerika befindet. Allerdings ging es bei der Auswahl des Bildmaterials nicht immer treffsicher zu. Eine Einstellung zeigt zum Beispiel einen Kakadu. Ebenfalls verwunderlich: Obwohl der Film in Brasilien spielt, wird darin nicht Portugiesisch, sondern Spanisch gesprochen.

Eine mögliche Erklärung für diese Eigenheiten ergibt sich aus der Entstehungsgeschichte der RKO-Produktion. Die Dreharbeiten in Brasilien begannen schon im Sommer 1953 unter der Regie von Budd Boetticher, kamen aber aus finanziellen Gründen ins Stocken und mussten im Herbst wegen schlechtem Wetter eingestellt werden. Als es weitergehen sollte, war Hauptdarsteller Ford bereits abgereist und weigerte sich, für den restlichen Dreh erneut nach Brasilien zu kommen.¹ Auch Boetticher stand irgendwann nicht mehr zur Verfügung. Schließlich stellte William Castle, der in den Credits als alleiniger Regisseur genannt wird, den Film im Studio fertig, mit einem neuen Kameramann und neu besetzten Nebenrollen. Im Januar 1955 hatte The Americano dann Premiere.

Castle, der ja nicht umsonst für seine trickreichen B-Horror-Streifen bekannt ist, sorgte mit Hilfe seines Improvisationstalents dafür, dass The Americano es doch noch auf die Leinwand schaffte. So vermute ich jedenfalls. Kein Mitglied des Casts spricht Portugiesisch, dafür können einige Spanisch? Sehr gut, dem größten Teil des Publikums wird das gar nicht auffallen. Ein Kakadu in Brasilien? Egal, wem ist schon der Unterschied zwischen einem Ara und einem Kakadu bewusst. Eine andere Szene soll zeigen, wie Sam von einem schwarzen Panther angefallen wird. Für die Einstellungen, in denen die Raubkatze mit Glenn Ford (oder seinem Stuntman) tatsächlich in einem Bild zu sehen ist, wurde der Panther aber durch einen dressierten Hollywood-Puma ersetzt. Der hat natürlich kein schwarzes Fell, aber was macht das schon? Hauptsache, man war wieder ein Stück näher daran, den Streifen endlich ins Kino zu bringen ...

All diese Tricksereien verleihen dem Film einen gewissen Unterhaltungswert, den er wahrscheinlich gar nicht hätte, wenn man aufgrund höherer production values gezwungen wäre, ihn ernster zu nehmen. Mit Boetticher als Regisseur wäre es sicher auch ein ernsthafterer Film geworden, doch die Konturen dessen, was Boetticher vorgehabt haben mag, lassen sich im fertiggestellten Werk kaum noch erahnen. Aus filmhistorischer Sicht ist das vielleicht zu bedauern. Gleichzeitig kann ich nicht umhin, für Castles bricolage (die ihren improvisierten Charakter auch dann nicht verhehlen könnte, wenn sie es wollte) Sympathie zu empfinden.

Glenn Ford mag nach dem missglückten Brasilien-Dreh keine große Lust mehr gehabt haben, überhaupt noch in diesem Film zu erscheinen. Das wird aber mehr als wettgemacht durch César Romero, der seine Rolle als Nicht-ganz-Bandit Manuel mit beträchtlichem Charme ausfüllt. Und Ursula Thiess als Mariana wird zwar von Sam, dem spießigen Gringo, dafür getadelt, dass sie Männerkleidung trägt und sich gegen Hermanys Landgrabbing aktiv zur Wehr setzt. Aber gerade dafür mag ich sie. Sehens- und hörenswert ist auch Abbe Lane als Manuels Freundin Teresa, die ein von ihrem damaligen Ehemann, dem Bandleader Xavier Cugat, arrangiertes Lied singt – auf Spanisch natürlich.

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¹ Fords Reiseunlust zog einen fiesen Rechtsstreit mit Robert Stillman, dem Produzenten des Films, nach sich.

31. Juli 2025

The Kangaroo Kid (1950)

Regie: Lesley Selander · Drehbuch: Sherman Lowe · Musik: Wilbur Sampson · Kamera: Russell Harlan, Harry Malcolm · Schnitt: Alex Ezard · Produktion: Allied Australian Films.

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Privatdetektiv Tex Kinnane (Jock Mahoney) hat erfolgreich einen Fall gelöst und freut sich auf Urlaub. Sein Chef lobt ihn sehr – das hätte ihn eigentlich misstrauisch machen müssen. Denn schon ist der Urlaub gestrichen und Tex bekommt einen neuen Auftrag: Er soll sich aus dem heimatlichen Kalifornien nach Australien einschiffen und einen Gangster namens John Spengler (Douglass Dumbrille) aufspüren, der die australischen Goldfelder unsicher macht.

In Australien angekommen, heuert Tex bei einer Postkutschenlinie an, die regelmäßig Gold transportiert. Mit seinem Kutscherkollegen Baldy Muldoon (Alec Kellaway) begibt er sich in die Prospektorensiedlung Gold Star. Unterwegs findet er ein junges Känguru und schleppt es mit, weshalb er den Spitznamen Kangaroo Kid erhält.

Im Pub von Gold Star, den Baldys Frau Ma Muldoon (Haydee Seldon) betreibt, legen ein paar Bogans sich mit Tex an, und es fliegen die Fäuste. Da er in Wildwestmanier mit dem Revolver im Gürtel herumläuft, erhält er eine Gefährderansprache von Polizei-Sergeant Jim Penrose (Guy Doleman), der ihn warnt, dass Australien nicht Kalifornien ist. Beim nächsten Postkutschenüberfall wird Tex k.o. geschlagen und im Busch ausgesetzt, wo er von Penrose und einem indigenen Fährtenleser (Clarrie Woodlands) gefunden wird. Der Sergeant verdächtigt Tex, mit den Banditen unter einer Decke zu stecken.

Tex ist klar, dass die Bushranger ihn nur deshalb nicht getötet haben, um ihn als Mittäter dastehen zu lassen. Doch einen Vorteil hat er: Er weiß, dass der Anführer der Banditen ein Amerikaner ist, der unter falschem Namen in der Stadt lebt. Nur welcher? In Gold Star gibt es mehrere emigrés aus Yankeeland, die in Frage kommen – darunter auch Penrose’ Schwiegervater in spe (Alan Gifford) ...

Die Brüder Tom und Alec McCreadie, die den Film produzierten, bewarben ihn als den ersten australischen Film, für den gleich mehrere amerikanische Stars engagiert worden seien. Doch dem Hauptdarsteller das Star-Etikett anzuhängen, war ein wenig geschwindelt, denn Mahoney hatte 1950 seine Karriere noch vor sich.¹ Dank Veda Ann Borg als leading lady, die im Pub der Muldoons kellnert, und dem Charakterdarsteller Douglass Dumbrille sind aber immerhin zwei recht bekannte Gesichter aus Hollywood dabei.

Was die Handlung und die Rollenverteilung angeht, erinnert The Kangaroo Kid stark an einen amerikanischen B-Western: Da ist die gattungstypische Mischung aus Wildwest- und Krimi-Elementen, die sichtlich als Serienstar angelegte Hauptfigur. Und da ist, besonders wichtig, der Antagonist mit der falschen Identität. Mit Lesley Selander (bekannt für seine Flicks mit Hopalong Cassidy, dem Red Ryder und anderen Serienhelden) führte zudem ein Veteran des B-Westerns Regie.

So kann man den Eindruck gewinnen, dass The Kangaroo Kid sich eher an ein internationales als ein australisches Publikum richtet. Dazu passt auch, dass Selander viel mit Archivaufnahmen arbeitet, die australische Fauna wie Kängurus, Koalas und sogar ein Schnabeltier zeigen und dem Publikum von den Filmfiguren ›erklärt‹ werden. So erläutert etwa Baldy Muldoon (zoologisch nicht ganz gefestigt), dass Koalas die Bären Australiens seien. Für ein internationales Publikum der fünfziger Jahre sind solche Szenen ein interessanter novelty-Effekt, aber für australische Kinogänger*innen? Wohl eher nicht.²

Man muss The Kangaroo Kid wohl als den in den australischen Busch verpflanzten B-Western nehmen, der er ist, und nicht mehr oder anderes von ihm erwarten. Dann ist er sogar recht unterhaltsam. Die McCreadies planten noch zwei weitere Kangaroo-Kid-Streifen, die gleich im Anschluss gedreht werden sollten. Dazu kam es aber nicht, und nur wenige Jahre später zog das Brüderpaar sich ganz aus dem Filmgeschäft zurück.

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¹ Zwar war Mahoney schon in einigen Filmen aufgetreten, aber hauptsächlich als Stuntman.

² Man stelle sich zum Vergleich einen US-Western vor, in dem eigens erklärt wird, was Mustangs, Bisons und Grizzlys sind. 

27. Juni 2025

Die Goldsucher von Arkansas (1964)

Regie: Paul Martin · Drehbuch: Hans Billian, Herbert Reinecker, Werner P. Zibaso · Musik: Heinz Gietz · Kamera: Jan Stallich · Schnitt: Herbert Taschner · Produktion: Metheus-Film, Rapid-Film, Société Nouvelle de Cinématographie.

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Während der Dreharbeiten zu Die Flußpiraten vom Mississippi, 1963 in Jugoslawien, traf das Filmteam um Regisseur Jürgen Roland zufällig auf eine Crew der Rialto, die zur gleichen Zeit den ersten Teil der Winnetou-Trilogie drehte. Die Begegnung verlief offenbar sehr inspirierend, denn schon im Jahr darauf erschien mit Die Goldsucher von Arkansas eine Fortsetzung der Flußpiraten, die Winnetou – 1. Teil (1963) mehr als nur ein paar Ideen verdankt.

Im Städtchen Marble City in Arkansas betritt ein Mescalero den Saloon und bezahlt seinen Whiskey mit Goldnuggets. Sofort versuchen die gierigen Saloongäste dem Mann den Fundort des Goldes zu entlocken, indem sie ihm ein Glas nach dem anderen einschenken. Aber bevor er sein Wissen offenbaren kann, wird der Verräter von Mescalero-Häuptling Brennender Pfeil (Jan Diviš) erschossen. Nichtsdestotrotz verbreitet sich die Nachricht vom Gold in Windeseile, und ein großer Treck setzt sich Richtung Marble City in Bewegung. Dem Wagenzug schließt sich auch die deutsche Auswandererfamilie Brendel an, die eigentlich auf der Suche nach Farmland ist. Die Goldgerüchte haben den Brendels jedoch kurzzeitig den Kopf verdreht. Als sie kurz vor der Stadt von einigen lokalen heavies belästigt werden, kommt ihnen der Rancher Phil Stone (Brad Harris) zu Hilfe, der sich prompt in Mary Brendel (Olga Schoberová) verguckt.

In der Stadt lässt sich unterdessen der slicke Fiesling Matt Ellis (Mario Adorf) nieder und eröffnet einen Saloon. Von dem Goldrausch erhofft er sich großen Profit und heizt ihn deshalb noch zusätzlich an. Die Mescaleros finden das gar nicht lustig und bereiten sich auf einen Krieg vor. Nur Phil Stone und sein Freund McCormick (Horst Frank) sind noch bereit, einen Versuch zur Entschärfung des Konflikts zu unternehmen.

Auch Winnetou – 1. Teil beginnt damit, wie ein von Mario Adorf gespielter Schurke erfährt, dass es auf dem Land der Mescaleros Gold gibt. Tatsächlich spielt Adorf die Santer-Rolle in Die Goldsucher von Arkansas einfach ein zweites Mal, nur unter anderem Namen. Häuptling Brennender Pfeil ist zwar wesentlich rabiater als sein Kollege Winnetou, aber er trägt ein Kostüm, das dessen charakteristischem Outfit auffällig ähnlich sieht. Und sozusagen als Bonus darf auch noch Ralf Wolter einen vertrottelten Scout darstellen, seiner Rolle als Sam Hawkens in den Winnetou-Filmen entsprechend.

Wie Die Flußpiraten vom Mississippi wurde Die Goldsucher von Arkansas von Wolf C. Hartwigs Firma Rapid-Film produziert, und wie beim ersten Film handelt es sich dem Namen nach um die Adaption eines Romans von Friedrich Gerstäcker. War allerdings schon die Flußpiraten-Verfilmung ein deutlicher Versuch, Gerstäckers Stoff in das Korsett der (allzu verlockend erfolgreichen) Karl-May-Streifen zu quetschen, bleibt in Die Goldsucher von Gerstäcker kaum noch etwas übrig.

Die nominelle Vorlage Die Regulatoren in Arkansas (1846) handelt von einer Bande von Pferdedieben, die in den dichten Wäldern von Arkansas ihr Unwesen treibt und auch vor Mord nicht zurückschreckt.¹ Davon wurde im Film so gut wie nichts beibehalten. Verbindungen zwischen Roman und Film bestehen lediglich durch die Figur des heimtückischen Geistlichen, der im Buch eine zentrale Rolle spielt, während er im Film (gespielt von Dieter Borsche) eine nicht ganz so wichtige Nebenfigur darstellt.² Nur der Handlungsort Arkansas bleibt gleich, das allerdings mit skurrilen Folgen: Die Mescaleros leben nun mal nicht in Arkansas, sondern in New Mexico, und ich frage mich schon, was sie aus dem trockenen Südwesten an die Ufer des Mississippi verschlagen haben soll.

Gerade weil er Gerstäckers Roman weitgehend ignoriert, funktioniert Die Goldsucher von Arkansas für mich etwas besser als der erste Film, der als misslungene Umsetzung einer packenden Buchvorlage vor allem enttäuschend war. Dieser Flick hier ist Standard-Sauerkrautkost ohne große Überraschungen, was Handlung und Figuren angeht. Interessant ist, dass der Film in Böhmen gedreht wurde; selbst die Innenaufnahmen entstanden in einem Prager Studio. Das ist eine nette Abwechslung von den üblichen Eurowestern-Locations in Spanien und Jugoslawien. Musikalisch wartet er mit einem eingängigen Titelsong des Berliner Country-Sängers Ralf Paulsen auf.

Brad Harris und Olly Schoberová, die sich am Set kennen lernten, wurden auch im wirklichen Leben ein Paar. Regisseur Paul Martin, eigentlich für Revuefilme bekannt, verband sein angestammtes Genre und den Western später in Graf Bobby, der Schrecken des Wilden Westens (1966).

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¹ Diese Bande steht in loser Verbindung mit dem kriminellen Imperium der Flusspiraten, um das es im Roman Die Flußpiraten des Mississippi (1848) geht. Da der zweite Roman weitaus bekannter ist, wurde er zuerst als Filmvorlage verwendet.

² Charakteristisch für den Umgang mit der Vorlage ist auch, dass der Film-Geistliche sich nur als solcher ausgibt, also ein gewöhnlicher Betrüger ist. Im Roman betätigt sich dieselbe Figur tatsächlich als Erweckungsprediger und ist zugleich Seelenfänger, Dieb und Mörder. Diese Symbiose aus Religion und Verbrechen, wie sie Gerstäcker entwirft, ist weitaus interessanter als die Umsetzung der Figur im Film.

30. Mai 2025

Starblack (1966)

Deutscher Titel: Django – Schwarzer Gott des Todes · Regie: Giovanni Grimaldi · Drehbuch: Giovanni Grimaldi · Musik: Benedetto Ghiglia · Kamera: Guglielmo Mancori · Schnitt: Roberto Perpignani · Produktion: Società Ambrosiana Cinematografica.

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Betrachtet man den Spaghetti-Western nur von seiner kanonischen Seite, etwa von Leone, Corbucci und Valerii her, dann lässt sich leicht übersehen, dass es im italienischen Kino immer auch eine Leidenschaft für maskierte Helden à la Zorro gab. Ausgestattet mit nachtblauer Strumpfmaske und einem überraschend vielseitigen Waffenarsenal (u.a. Wurfmesser, Bolas und zwei Revolver), ist Starblack so ein Held. Über die Leinwand ritt er ausgerechnet 1966, zur Blütezeit des Italowesterns. Nicht gerade die Kinosaison, in der man eine Figur erwarten würde, die geradewegs einem alten B-Western oder Serial entsprungen zu sein scheint. Allerdings: Wer bei Starblack harmlose Späße erwartet, mit Geheimgängen und akrobatischen Zweikämpfen auf dem Dachfirst, wird die eine oder andere Überraschung erleben.¹ Aber dazu später mehr.

Johnny Blyth (Robert Woods), Sohn eines wohlhabenden Minenbesitzers, kehrt nach Jahren der Abwesenheit in sein Heimatstädtchen in New Mexico zurück und findet die Dinge sehr verändert vor. Sein Vater Raphael ist tot, seine Mutter Martha (Jane Tilden) hat Johnnys Onkel, den Friedensrichter Harold King (Harald Wolff), geheiratet.² Johnny will die Erklärung, dass sein Vater durch einen unglücklichen Sturz vom Pferd ums Leben gekommen sei, nicht glauben. Er öffnet das Grab des Vaters, entnimmt den Totenschädel und entdeckt, dass eine Kugel im Schädelknochen steckt. Sofort verdächtigt er Onkel Harold, seinen Vater ermordet zu haben.³

In der Stadt geht die Angst um. Der Saloonbesitzer und Bankier Curry (Franco Lantieri) treibt die ansässigen Farmer in die Schuldenfalle. Wer nicht zahlen kann, bekommt einen Besuch von Currys Pistoleros und ist sein Land los – und manchmal sein Leben. Vom Sheriff (Andrea Scotti) ist keine Hilfe zu erwarten. Der Gesetzeshüter mit dem Fu-Manchu-Bart tut alles, was Curry ihm sagt. Ein besonderes Interesse hegt Curry an Farmer Williams (Eugenio Galadini), der seine Zeit am liebsten am Spieltisch im Saloon verbringt. Curry hat es nämlich auf dessen Tochter Caroline (Elga Andersen) abgesehen. Die hasst Curry jedoch und liebt einen Mann, dessen Gesicht sie noch nie gesehen hat: Starblack.

Der maskierte Rächer ist die einzige Hoffnung der geplagten Bevölkerung. Wie aus dem Nichts taucht er auf seinem weißen Pferd auf und macht einen henchman nach dem anderen kalt. Dabei geht er ziemlich rabiat vor: Einmal nagelt er die Hände eines Pistoleros mit Wurfmessern fest. Einem anderen schießt er aus nächster Nähe eine Revolverkugel in die Stirn und eine weitere in die Wange. Solche (für die sechziger Jahre sehr expliziten) Gewaltdarstellungen gibt es in Starblack immer wieder. Sie bilden einen so grellen Kontrast zu den Swashbuckler- und B-Western-Einflüssen des Films, dass man unwillkürlich lachen muss.

Es wird niemanden allzu sehr überraschen, wenn ich verrate, dass Johnny Blyth Starblack ist. Ebenso wenig, dass Onkel Harold mit Bankier Curry unter einer Decke steckt und Johnnys Vater ermordet hat. Im Film vermutet allerdings kaum jemand, dass Johnny sich hinter der Strumpfmaske des Rächers verbirgt. Die Bewohner*innen der Stadt nennen ihn Little Blyth und spotten über seine Vorliebe für die Annehmlichkeiten des Lebens: Er trägt gern Seidenhalstücher und bestickte Morgenmäntel, verbringt seine Zeit mit Singen und Gitarrenspiel. Folgerichtig darf Darsteller Robert Woods den Titelsong croonen und wiederholt diese Darbietung später in einer Szene des Films. (Letzteres hätte er aber besser gelassen, denn man sieht etwas zu deutlich, dass Woods nur so tut, als könne er Gitarre spielen.)

Gedreht wurde in Slowenien und Italien, weshalb die darin gezeigten Landschaften dezidiert nicht wie der Südwesten der USA aussehen. Auch das trägt dazu bei, Starblack zu einem campy Filmerlebnis der eigenen Art zu machen: Während die Kamera auf üppige grüne Wälder draufhält, reden die Figuren davon, sich in New Mexico zu befinden. Übrigens hat man beim Schauen des Films den Eindruck, dass die Schauspieler*innen bei den Dreharbeiten ihren Spaß hatten. Möglicherweise war ihnen die Ironie ihres Tuns ja bewusst – jedenfalls kann ich mir schwer vorstellen, dass der Cast mit einer allzu ernsthaften Einstellung an Starblack mitwirkte.

Oder doch? Nur wenige Jahre zuvor war der Peplum das dominante Genre der italienischen Filmindustrie und zeichnete sich durch eine ganz ähnliche Naivität aus, die uns heute zwar ironisch vorkommt, es zu ihrer Zeit aber vielleicht gar nicht war. Was auch immer sich Regisseur/Auteur Gianni Grimaldi und Produzent Paolo Moffa bei Starblack gedacht haben (oder auch nicht gedacht haben), das Ergebnis ist einfach äußerst unterhaltsam. Zum einen liegt das an der überzogenen Gewaltdarstellung, die Starblack in der BRD eine Freigabe ab 18 einbrachte.

Zum anderen ist da der queere Subtext des Films. Starblack alias Johnny ist in ständiger Begleitung seines Freundes Jop (Renato Rossini), der sich als gehörlos ausgibt, um Starblacks Feind*innen besser belauschen zu können. Das ist eine Anspielung auf Zorro, dessen Diener Bernardo ebenfalls den Gehörlosen mimt.⁴ Es wird deshalb häufig angenommen, dass Jop Johnnys Diener sein muss – ist er aber nicht. Im Haus der Kings sitzt er beim Essen mit am Tisch, was einem Dienstboten wohl nicht erlaubt würde. Und, wie in einer Szene eindeutig zu sehen ist, er teilt sich mit Johnny ein Schlafzimmer.

Als am Ende alle Schurk*innen erledigt sind und Caroline endlich weiß, dass Little Blyth kein anderer als Starblack ist, gönnt er ihr wenigstens ein »Ich liebe dich auch« (was man ihm nicht recht glaubt), worauf sie ihn mit einem »Dann nimm mich mit« anfleht. »Wo ich hingehe, ist kein Platz für eine Frau«, erwidert Johnny (was man ihm sofort glaubt), während Jop wissend lacht. Die letzte Einstellung des Films spricht dann für sich: Dicht an dicht nebeneinander reiten Johnny und Jop davon, während Caroline ihnen enttäuscht nachschaut.

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¹ Aber ein Geheimgang kommt schon auch vor. Was sein muss, muss sein.

² Das wirft Fragen ganz eigener Art auf: Wenn Johnny mit Nachnamen Blyth heißt, müsste sein Onkel väterlicherseits ebenfalls Blyth und nicht King heißen. Hat Martha etwa ihren Bruder geheiratet? Hoffen wir einfach, dass Harold King ein Halbbruder von Raphael Blyth ist ...

³ Ich habe keine Ahnung, ob die Hamlet-Anspielungen versehentlich oder mit voller Absicht in diesen Film gelangt sind.

⁴ In Johnston McCulleys Curse of Capistrano (1919) ist Bernardo tatsächlich gehörlos. Die Idee, dass er nur so tut, als könne er nicht hören, wurde meines Wissens durch die Disney-Serie Zorro (1957–59) eingebracht.

17. Mai 2025

Mi chiamavano Requiescat ... ma avevano sbagliato (1973)

Deutscher Titel: Sing mir das Lied der Rache · Regie: Mario Bianchi · Drehbuch: Alberto Cardone, Eduardo Manzanos, Vittorio Salerno · Musik: Gianni Ferrio · Kamera: Emilio Foriscot · Schnitt: Giancarlo Venarucci · Produktion: Copercines.

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Kurz nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs: Ein Trupp marodierender Südstaatler unter dem Befehl von Machedo (William Berger) überfällt ein Fort der Unionstruppen und tötet die gesamte Besatzung. Captain Madison (Alan Steel), der während des Überfalls auf Patrouille war, nehmen sie gefangen, demütigen ihn und zerschießen ihm die rechte Hand. Dann lassen sie ihn halbtot liegen und reiten davon.

Madison wird von Swan (Celine Bessy), einer indigenen Frau, wieder aufgepäppelt. Als schwarzgekleideter Rächer heftet er sich an die Fersen von Machedos Bande. Allerdings ist Madisons Hand zu beschädigt, um noch einen Revolver halten zu können. Zum Glück kennt er aus seiner Armeezeit den exzentrischen Büchsenschmied Smart (Paco Sanz), der sich des Problems annimmt und eine spezielle Prothese für Madison anfertigt.

Machedo und seine Soldateska ziehen unterdessen mordend und brandschatzend durch die Lande. Als sie eine Bank ausrauben, sieht Madison seine Gelegenheit gekommen. Er jagt den Südstaatlern die Beute ab und begibt sich mit ihr als Köder in eine Geisterstadt. Gemeinsam mit Swan bereitet er einen Hinterhalt vor, um endgültig Rache zu nehmen.

1973, als sich in staubigen frontier towns die Trinity-Klone tummelten, drehte Mario Bianchi diesen Western mit harter Rache-Story, als wolle er dem Zeitgeist trotzen. Allerdings wird in Mi chiamavano Requiescat auf ziemlich ausgetretenen Pfaden Rache geübt. Fast alles in diesem Film hat man schon mal gesehen: Die Konföderierten, die auch nach der Niederlage des Südens das Rauben und Morden nicht sein lassen können. Der komische Alte, der dem Helden zur Seite steht. Und natürlich der schweigsame Protagonist mit der unheilbar verletzten Schusshand. Neu (und zeitgeisty) ist, dass es eine Sexszene gibt.¹

Hauptdarsteller Alan Steel (eigentlich Sergio Ciani) war einer der wenigen gebürtigen Italiener, der regelmäßig als muskelbepackter Held in Sandalenfilmen zu sehen war.² Nach dem jähen Ende, den das Peplum-Genre Mitte der sechziger Jahre nahm, musste Steel sich andere Betätigungsfelder suchen. Obwohl Mi chiamavano Requiescat nicht sein einziger Western-Auftritt ist, hat es stark den Anschein, als würde er mit seiner Rolle fremdeln. In seiner schwarzen Rächerkluft scheint es ihm unbehaglich zu sein. Er wirkt etwas verloren. William Berger spielt dagegen den Chef-Psychopathen der konföderierten Marodeure gewohnt routiniert.

Abstoßend ist die Gewaltdarstellung in diesem Film. Die entspricht nicht den hochstilisierten Gewaltausbrüchen, wie sie für italienische Western charakteristisch sind (und sehr geschätzt werden), sondern ist pure, sado-homoerotische Exploitation, und zwar billig und brutal, ohne transgressive Qualitäten. Äußerst unangenehm anzusehen.

So gibt es leider wenig Gutes über diesen Streifen zu sagen – und was es gibt, relativiert sich oft wieder. Der finale Shootout in der Geisterstadt ist recht gekonnt inszeniert, viele andere Sequenzen leiden aber neben ihrem Exploitation-Charakter auch an dem homöopathisch dosierten Budget, das der Produktion zur Verfügung stand. Ganz interessant ist jedoch der jazzige Soundtrack.

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¹ Dies ist der letzte von drei Western, bei denen Mario Bianchi Regie führte. Danach wandte er sich dem Sexploitation-Film und anderen Genres zu.

² Viele Peplum-Stars waren aus den USA importierte Bodybuilder.