28. August 2026

Zorro contro Maciste (1963)

Deutscher Titel: Zorro gegen Maciste – Kampf der Unbesiegbaren / Konkurrenz für Zorro · Regie: Umberto Lenzi · Drehbuch: Umberto Lenzi, Guido Malatesta · Musik: Angelo Francesco Lavagnino · Kamera: Augusto Tiezzi · Schnitt: Jolanda Benvenuti · Produktion: Romana Film.

⁕ ⁕ ⁕

Peplum-Filme spielen gewöhnlich in einem quietschbunten mediterranen, manchmal auch orientalischen Altertum mit stark mythologischen Zügen.¹ Einige der muskulösen Helden des Genres zeichnen sich aber dadurch aus, dass sie das historische Kontinuum sprengen und in ganz verschiedenen Epochen und Weltregionen auftreten. Die Peplum-Helden, die sich in dieser Hinsicht besonders hervortun, sind Samson und Maciste. Je nach Film findet man sie etwa am Hof des Dschingis Khan, unter den Piraten der Karibik, in der vom Hexenwahn geprägten frühen Neuzeit und sogar im präkolumbianischen Amerika.

Ein ganz ähnliches geografisch-chronologisches umgab in einer Reihe spanischer und französischer Filme der sechziger bis siebziger Jahre Zorro, der darin nur gelegentlich in seiner altkalifornischen Heimat zu sehen war und sich statt dessen im Baskenland (Il segno di Zorro [1963]), auf Bermuda (Zorro alla corte d’Inghilterra [1969]) oder im absolutistischen 17. Jahrhundert (Zorro e i tre moschettieri [1963]) herumtrieb.² Da war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis der Fluch von Capistrano auf Maciste, den stärksten Mann der Welt, traf. Und so kam es auch, und zwar 1963 unter der Regie von Umberto Lenzi.

Der greise König Philipp von Nogara ist tot. Es gibt zwei Thronfolgerinnen, die Nichten des Königs: Prinzessin Malva (Moira Orfei) und Prinzessin Isabella (Maria Grazia Spina). Sie verkörpern das typisch dichotomische Frauenbild des Peplum-Genres – Malva ist eine schwarzhaarige femme fatale, Isabella blond und madonnenhaft.

Das Testament des Königs, in dem festgelegt ist, welche der beiden Cousinen den Thron besteigen soll, wird von General Saavedra (Attilio Dottesio) verwahrt. Bis der in der Hauptstadt eingetroffen ist und die neue Königin gekrönt ist, übernimmt Don Alvarez (Loris Gizzi) die Regentschaft. Der intrigante Hauptmann der Palastgarde, García de Higuera (Massimo Serrato), ist mit Malva im Bunde. Er befürchtet, dass der verstorbene König Isabella zu seiner Nachfolgerin ernannt hat. Folglich gilt es, Saavedra das Testament abzunehmen, noch bevor er die Hauptstadt erreicht, und es durch eine Fälschung zu ersetzen.

Hauptmann García kennt auch genau den richtigen Mann für diese Aufgabe: Maciste (Alan Steel), der auf dem Jahrmarkt als kettensprengender Muskelmann auftritt. Da Maciste sehr viel Kraft hat, aber auch sehr viel Stroh im Kopf, merkt er nicht, dass er für eine Palastintrige instrumentalisiert wird. Er erklärt sich bereit, General Saavedra entgegen zu gehen, das Testament an sich zu nehmen und es García zu übergeben – rein aus Sicherheitsgründen, wie der Hauptmann ihm versichert. Der Dichter Ramón (Pierre Brice), der Isabella den Hof macht, rät der Prinzessin, sich im Gegenzug die Unterstützung von Zorro zu sichern. Sie begibt sich incognito auf die Suche nach dem maskierten Helden, der natürlich ohne zu zögern in ihre Dienste tritt.

Saavedra und seine Eskorte werden in einer Schlucht von dem Banditen Rabek (Andrea Aureli) und seinen Spießgesellen überfallen. Als Maciste eintrifft, kann der tödlich verwundete General ihm nur noch anvertrauen, dass das Testament sich in den Händen der Banditen befindet. Maciste schleicht sich nachts in das Lager der Bande, jagt ihre Pferde davon, teilt ein paar Prügel aus und holt sich das Testament. Am nächsten Morgen versucht Zorro erfolglos, Maciste das Testament abzunehmen.

Maciste macht in einem Gasthaus Halt, in dem gerade eine ausgelassene Karnevalsfeier steigt. Ganz gegen seine Gewohnheit lässt er sich auf einen Becher Wein ein, in den Zorro ihm heimlich ein Schlafmittel schüttet. Kaum liegt Maciste mit dem Kopf auf dem Tisch, bringt Zorro das Testament an sich. Der betäubte Maciste wird sodann von Rabeks Kumpan Deikor (Aldo Bufi Landi) in eine Höhle verschleppt, in der ein riesiges, sehr hungriges Krokodil lebt. Zum Glück liegt dort auch ein handlicher Felsbrocken herum, den Maciste aufhebt und dem Krokodil auf die Hirnschale schmettert.

Maciste holt sich das Testament zurück und begibt sich in die Hauptstadt. Dort lernt er Isabellas Zofe Carmencita (Rosy De Leo) kennen, die ihn endlich aufklärt: Malva ist die böse Prinzessin, und Isabella die nette. Es ist auch höchste Zeit. Malva hat mit Garcías Hilfe nicht nur die Folterkammer des königlichen Schlosses in Betrieb genommen, sondern auch ihre Cousine wegen Hochverrats eingekerkert. Maciste sucht die Prinzessin auf und stellt sie zur Rede. Das Testament hat er zuvor versteckt – eine seltene gute Idee des stärksten Mannes der Welt. Die erboste Malva öffnet eine Falltür unter Macistes Füßen und lässt ihn in ein Verlies stürzen.

Nun geht Malva aufs Ganze und will Don Alvarez mit Gewalt zwingen, sie zur Königin krönen zu lassen. Nur Zorro (hinter dessen Maske sich natürlich kein anderer verbirgt als Ramón, der Dichter) und Maciste können sie noch aufhalten. Doch letzterer muss sich zunächst aus dem Verlies befreien.

Zorro contro Maciste spielt in Nogara, einem fiktiven südeuropäischen Land. Den Kostümen nach zu urteilen, ist die Story irgendwann im 17. Jahrhundert angesiedelt. Mit seinem muskelbepackten Helden, einer Handlung, die oft jeglicher Logik spottet, und einem Monsterchen zwischendurch handelt es sich um einen typischen Peplum (der rein als solcher auch durchaus unterhaltsam ist). Insofern ist der Film, der Zorro-Figur zum Trotz, nicht wirklich ein Western. Die große Zeit des Italo-Westerns hatte 1963 schließlich noch gar nicht begonnen. Umso interessanter scheint es mir, dass Zorro contro Maciste bereits einige Elemente enthält, die die spätere Entwicklung des Genres vorwegnehmen.

Die Banditen Rabek und Deikor etwa erinnern an nichts so sehr wie die mexikanischen Outlaws, die zum Standardpersonal des italienischen Westerns gehören. Ihr Überfall auf Saavedra und seine Soldaten, während diese eine Schlucht durchqueren, könnte ebenso gut ein Überfall auf die US-Kavallerie in einem Canyon in New Mexico sein.

Der Weg der italienischen Filmindustrie vom Peplum zum Western wird oft als eine Entwicklung vom Camp zur Coolness beschrieben. An einem Crossover-Film wie diesem zeigt sich aber, dass die beiden Genres mitunter gar nicht so weit voneinander entfernt waren. Hinzu kommt, dass auch der Spaghetti-Western selbst immer eine entschieden campy Seite aufwies und seine Vorliebe für maskierte Helden à la Zorro nie ganz aufgab. Immerhin wurden in Italien und Spanien mindestens achtzehn Zorro-Flicks produziert, zu denen noch die insbesondere in Italien üblichen Parodien hinzukamen – von Zorro-Epigonen wie El Coyote und Starblack ganz zu schweigen.³

Ebenso wenig blieb Zorro contro Maciste der einzige Western-Peplum. Es folgten noch Sansone e il tesoro degli Incas (1964), ebenfalls mit Alan Steel, und Tre pistole contro Cesare (1967).

____________

¹ Daher auch der Name: Ein πέπλος (Peplos) war ein Frauengewand im antiken Griechenland.

² Seitdem ist die Figur wieder zu ihren Ursprüngen zurückgekehrt. Mittlerweile ist man sich weitgehend einig, dass Zorro nach Kalifornien gehört.

³ So war auch Pierre Brice schon in L’invincibile cavaliere mascherato (1963), ebenfalls von Umberto Lenzi, als Zorro-Verschnitt aufgetreten. Der verwirrte deutsche Verleih verpasste diesem Film den völlig unpassenden Titel Robin Hood in der Stadt des Todes.